Nagisa Ôshima

Nagisa Ôshima während der Dreharbeiten zu "Im
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Nagisa Ôshima während der Dreharbeiten zu "Im Reich der Sinne"
Nagisa Ôshima
Geboren: 31.03.1932 in Kyoto, Japan
Gestorben: 14.01.2013 in Fujisawa, Japan

Mit radikalen Kinofilmen wie "Im Reich der Sinne", "Im Reich der Leidenschaft" oder "Tabu" sorgte der aus Kyoto stammende Regisseur und Drehbuchautor Nagisa Ôshima für Skandale. Gestern nun ist der Meisterregisseur, der neben Akira Kurosawa, Kenji Mizoguchi und Jûzô Itami zu den berühmtesten Filmemachern Japans zählte und , im Alter von 80 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung gestorben.

Weltberühmt wurde Ôshima, der seine Filmkarriere bereits in den Fünfzigerjahren begann und den viele auch den "Godard Japans" nannten, allerdings erst mit "Im Reich der Sinne" (1976). Sein Erotikfilm ist in seiner Darstellung von Sexualität - neben Bernardo Bertoluccis "Der letzte Tango in Paris" - eines der radikalsten Werke der Filmgeschichte. Losgelöst von psychologischen Fragestellungen, die verstörende Nähe von Lust und Schmerz betonend, lotete Ôshima in Anlehnung an George Batailles Theorie des "Erotisme" das Wesen der Sexualität bis in seine dunkelsten Tiefen aus.

In streng komponierten Szenen, die in der Tradition der Shunga-Bilder eines Utamaro (1750 - 1806) zu stehen scheinen, werden die Begegnungen des Paares gezeigt. In Großaufnahmen und in aller Selbstverständlichkeit kommen Lust und Schmerz, die sich auf ihren Gesichtern zeigen, zum Ausdruck. Ôshima musste den in Japan gedrehten Film, der auf eine reale Begebenheit aus dem Jahr 1936 zurückgehen soll, in Frankreich fertigstellen, da er sonst der strengen japanischen Zensur zum Opfer gefallen wäre.

Als er 1977 im Forum-Programm der Berlinale aufgeführt werden sollte, kam es zum Eklat: Der Film wurde als "harte Pornographie" beschlagnahmt, ein Jahr später aber für die Kinos ungekürzt freigegeben und erhielt von der Filmbewertungsstelle sogar das Prädikat "besonders wertvoll". In Japan allerdings kam das kompromisslose Werk nur in einer stark geschnittenen Fassung zur Aufführung.

Mit "Im Reich der Leidenschaft", 1978 nach der literarischen Vorlage von Itoko Namura entstanden, wandte sich Ôshima dem "Kaidan", der traditionellen japanischen Geistergeschichte zu. Dabei griff er auch die Thematik von Liebe, Lust und Tod wieder auf, setzte jedoch stilistisch und inhaltlich neue Akzente. Nagisa Ôshima zählte zu den wichtigsten Filmemachern Japans, der sich in seinen Werken sowohl mit der modernen japanischen Gesellschaft der Nachkriegszeit, als auch mit den traditionellen Konventionen und Tabus - insbesondere Sexualität und Gewalt - auseinandersetzte. Für "Im Reich der Leidenschaft" wurde er 1978 bei den Filmfestspielen in Cannes mit dem Preis für die beste Regie ausgezeichnet.

In seinem auch international erfolgreichem Kriegsdrama "Furyo - Merry Christmas, Mr. Lawrence" (1982) - mit Superstar David Bowie in der Hauptrolle - folgte Ôshima keiner linearen Erzählstruktur und wollte dem Zuschauer keine alleingültige Moral vermitteln. Sein erster englischsprachiger Film konzentrierte sich vielmehr auf die sich ständig verändernden Beziehungen zwischen den vier Protagonisten, die sich allesamt in einem Wechselspiel der kulturellen Unterschiede und der durchweg präsenten Gefangenen/Bewacher-Situation befinden.

In "Tabu" (1999) hingegen, seine letzte Regiearbeit, ein mehrfach preisgekrönter Mix aus Erotikfilm und Samurai-Drama nach zwei Novellen von Ryotaro Shiba, setzte Ôshima das gewagte Thema Homosexualität bei den Samurai in Szene. Das war zwar bekannt, doch so offensichtlich wurde es im Film bis dahin noch nie dargestellt. Wie in vielen seiner Filme geriet auch in "Tabu" die Leidenschaft des Einzelnen mit den autoritären, patriarchalischen Strukturen der Gemeinschaft in Konflikt. Und sie entlädt sich in Erotik und Gewalt. Themen, die das Œuvre von Ôshima, der neben Akira Kurosawa, Kenji Mizoguchi und Jûzô Itami zu den berühmtesten Filmemachern Japans zählt, ein Leben lang prägten.

Weitere Filme von Nagisa Ôshima: "Asu no taiyô", "Eine Stadt der Liebe und Hoffnung" (beide 1959), "Grausame Geschichten der Jugend", "Das Grab der Sonne", "Nacht und Nebel über Japan" (alle 1960), "Shiiku" (1961), "Kori no naka no seishun", "Amakusa shiro tokisada" (beide 1962), "Wasurerareta kogun" (1963), "Chiisana boken ryoko", "Watashi-wa beretto", "Aisurebakoso", "Aru kokutetsu-jomuin", "Aogeba totoshi", "Hankotsu no toride", "Seishun no ishibumi" (alle 1964), "Etsuraku", "Gyosen sonansu", "Yunbogi no nikki" (alle 1965), "Hakuchû no tôrima" (1966), "Ninja", "Nihon shunka-kô", "Muri shinjû: Nihon no natsu" (alle 1967), "Tod durch Erhängen", "Daitoa senso", "Rückkehr der drei Trunkenbolde" (alle 1968), "Tagebuch eines Diebes aus Shinjuku", "Mo-taku-to to bunka daikakumei", "Der Junge" (alle 1969), "Tôkyô sensô sengo hiwa" (1970), "Die Zeremonie" (1971), "Kyojin-gun", "Joi! Bangla", "Kleine Sommerschwester" (beide 1972), "Goze: Momoku no onna-tabigeinin", "Bengaru no chichi Raman" (beide 1973), "Ikiteiru nihonkai-kaisen" (1975), "Ikiteiru gyokusai no shima", "Ogon no daichi Bengal", "Denki mo-taku-to", "Ikiteiru umi no bohyo" (alle 1976), "Yokoi shoichi: guamu-to 28 nen no nazo o ou", "Shisha wa itsumademo wakai" (beide 1977), "Max mon amour" (1986).

Foto: arte F/© Argos Films


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