Die andere Seite der Hoffnung

  • Blutende Nasen hindern Khaled (Sherwan Haji, links) und Waldemar (Sakari Kuosmanen, zweiter von rechts) nicht daran, gemeinsam mit Belegschaft vom "Goldenen Krug" an einer besseren Welt zu arbeiten. Vergrößern
    Blutende Nasen hindern Khaled (Sherwan Haji, links) und Waldemar (Sakari Kuosmanen, zweiter von rechts) nicht daran, gemeinsam mit Belegschaft vom "Goldenen Krug" an einer besseren Welt zu arbeiten.
    Fotoquelle: Sputnik Oy / Malla Hukkanen
  • Ein Schiff wird kommen, hoffen Khaled (Sherwan Haji, links), Waldemar (Sakari Kuosmanen, Mitte) und Mazdak (Simon Hussein Al-Bazoon), die Khaleds Schwester ins Land schmuggeln wollen. Vergrößern
    Ein Schiff wird kommen, hoffen Khaled (Sherwan Haji, links), Waldemar (Sakari Kuosmanen, Mitte) und Mazdak (Simon Hussein Al-Bazoon), die Khaleds Schwester ins Land schmuggeln wollen.
    Fotoquelle: Sputnik Oy / Malla Hukkanen
  • Khaled (Sherwan Haji, links) bekommt von Mazdak (Simon Hussein Al-Bazoon) Tipps, wie er in der finnischen Asyl-Bürokratie nicht wahnsinnig wird. Vergrößern
    Khaled (Sherwan Haji, links) bekommt von Mazdak (Simon Hussein Al-Bazoon) Tipps, wie er in der finnischen Asyl-Bürokratie nicht wahnsinnig wird.
    Fotoquelle: Sputnik Oy / Malla Hukkanen
  • Khaled (Sherwan Haji) kann auch seine Schwester Miriam (Niroz Haji) von Syrien nach Finnland bringen. Vergrößern
    Khaled (Sherwan Haji) kann auch seine Schwester Miriam (Niroz Haji) von Syrien nach Finnland bringen.
    Fotoquelle: Sputnik Oy / Malla Hukkanen
  • Erst als die Band Poutahaukat mit Frontmann Marko Haavisto (links) in Wikströms Restaurant spielt, kommen neue Gäste. Vergrößern
    Erst als die Band Poutahaukat mit Frontmann Marko Haavisto (links) in Wikströms Restaurant spielt, kommen neue Gäste.
    Fotoquelle: Sputnik Oy / Malla Hukkanen
Spielfilm, Tragikomödie
Lost in Helsinki
Von Andreas Fischer

Infos
Audiodeskription, Synchronfassung, Produktion: Sputnik Oy, Pandora Film, Oy Bufo Ab, Online verfügbar von 08/05 bis 07/06
Originaltitel
Toivon tuolla puolen
Produktionsland
Deutschland / Finnland
Produktionsdatum
2017
Kinostart
Do., 30. März 2017
arte
Mi., 08.05.
20:15 - 21:50


In "Die andere Seite der Hoffnung" erzählt Aki Kaurismäki eine lakonische Geschichte über die Flüchtlingskrise – und wie man ihr mit Menschlichkeit Herr wird. ARTE zeigt den Berlinale-Gewinner des Silbernen Bären 2017 nun als Free-TV-Premiere.

Seit seiner Premiere bei der Berlinale im Jahr 2017, bei der Aki Kaurismäki mit dem Silbernen Bären für die beste Regie ausgezeichnet wurde, hat dessen Film "Die andere Seite der Hoffnung" nichts von der Aktualität in politisch unruhigen Zeiten eingebüßt. Das Drama des Finnen, das ARTE nun als Free-TV-Premiere zeigt, handelt von einem syrischen Flüchtling, der sich in Helsinki ein neues Leben aufbauen will: im abgewirtschafteten Restaurant eines ehemaligen Hemden-Vertreters. Das ist alles so typisch Kaurismäki – so lakonisch, so märchenhaft, so schweigsam beredt -, dass man gar nicht anders kann, als den Film und seine Figuren ins Herz zu schließen.

Mit seiner Melancholie, seinen künstlichen Farbwelten, seinen großen stillen Gesten hat sich der Filmemacher Kaurismäki seinen eigenen Platz geschaffen. Er erzählt von Außenseitern und mit großem Herz, ohne jemals die Stimme zu erheben. Und dennoch hat der Kaurismäki-Kosmos in seiner melancholischen Ruhe immer auch etwas Radikales. "Die andere Seite der Hoffnung" verdichtet Europas großes zeitgenössisches Problem zu einer warmen Utopie und ist trotzdem ein ziemlich wütender Film.

Kaurismäki schickt darin zwei Männer auf Kollisionskurs. Der eine ist der alternde Handelsmann Waldemar Wikström (Sakari Kuosmanen), der sich zu Beginn des Films in der grandiosesten Trennungsszene aller Zeiten von seiner Frau verabschiedet. Der andere ist der junge Syrer Khaled Ali (Sherwan Haji), der im Hafen von Helsinki aus einem polnischen Kohlefrachter klettert.

Eine Zukunft mit Soldarität

Bis sich die beiden treffen, dauert es eine Weile. In der Zwischenzeit erzählt Kaurismäki ihre Geschichte: Waldemar hat nicht nur genug von seiner Frau. Er will auch die Hemden, die er verkauft, an den Nagel hängen. Bei einem Pokerspiel mit der Hinterzimmerglücksspielmafia besorgt er sich das nötige Geld, um das Restaurant "Zum Goldenen Krug" zu kaufen. Eine Goldgrube, wie der Vorbesitzer versichert. Was natürlich nicht ganz richtig ist.

Khaled durchläuft derweil die finnische Asyl-Bürokratie. Er wird freundlich willkommen geheißen, landet in einem Flüchtlingsheim und soll dann zurück nach Aleppo. Die Lage dort ist doch gar nicht so schlimm, finden die Behörden. Khaled ist anderer Meinung und läuft den Abschiebebeamten einfach davon.

Er ist ein bisschen wütend, so wütend, wie man bei Kaurismäki eben sein darf. Das erste Aufeinandertreffen von Waldemar und Khaled besteht aus einem Dutzend englischer Wörter und zwei, drei Fausthieben. Dann sitzen sich die beiden Männer mit blutender Nase im "Goldenen Krug" gegenüber und zeigen fortan, wie einfach es eigentlich wäre, die Welt etwas lebenswerter zu machen.

Mit skurrilen Figuren und absurden Szenen träumt "Die andere Seite der Hoffnung" von einer Zukunft mit menschlicher Solidarität. Was für Politik und Medien große Worte sind, manifestiert sich hier in kleinen Gesten. Denn im Grunde sind sich Waldemar und Khaled, sind sich der Alte und der Junge, der Europäer und der Flüchtling ziemlich ähnlich. Sie wollen beide einen Neuanfang im Leben, der ihnen von Aki Kaurismäki auch gewährt wird.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

Eine Filmkritik sowie weitere Infos zu "Die andere Seite der Hoffnung" finden Sie hier.


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