Oliver Hirschbiegel gelingt mit "Elser" ein einfühlsames, filmisches Porträt eines einfachen Mannes, dessen Zivilcourage einem heute noch die Sprache verschlägt.

Zivilcourage ist ein seltenes, demokratisches Gut, für das häufig ein hoher Preis gezahlt werden muss. Auch der weitsichtige Schwabe Georg Elser, der bereits 1939 im Alleingang ein Attentat auf Hitler plante, welches nur misslang, weil der Führer den Münchner Bürgerbräukeller 13 Minuten früher als geplant verließ, musste mit dem Schlimmsten rechnen. Mit "Elser – Er hätte die Welt verändert" von Regisseur Oliver Hirschbiegel bekommt der mutige, heimatverbundene und selbstbestimmte Freigeist endlich sein wohlverdientes filmisches Denkmal. Das Erste zeigt den Film als Free-TV-Premiere zur besten Sendezeit.

Jedes Kind kennt heute Edward Snowden, auch Widerständler wie der aristokratische Graf von Stauffenberg und die aus Akademikerkreisen stammenden Geschwister Scholl sind weltberühmt. Georg Elser hingegen nicht. Das liegt zum einen vermutlich daran, dass er "nur" ein einfacher Handwerker war, der zudem unangenehmerweise noch den sich hartnäckig haltenden Mythos widerlegte, man hätte das Dritte Reich nicht kommen sehen können. Zum anderen scheint das damals von der Reichspropaganda verbreitete Bild eines psychotischen Sonderlings tatsächlich bis heute noch weiterzubestehen. Dass dieser Elser ein ganz anderer Mensch war, zeigt Oliver Hirschbiegel ("Der Untergang") in seinem beeindruckenden Film.

Hirschbiegels Porträt beginnt gleich mit dem misslungenen Attentat vom 8. November 1939. Wenig später wird Elser, hervorragend verkörpert von Christian Friedel ("Das weiße Band") auf der Flucht in die Schweiz festgenommen. Der Attentäter wird unter verschärften Bedingungen von Gestapo-Chef Heinrich Müller (Johann von Bülow) und dem Reichskriminaldirektor Arthur Nebe (beeindruckend: Burghart Klaußner) verhört.

In Rückblenden erfährt man, wie der lebenslustige Schwabe Georg Elser die 30er-Jahre in seiner Heimat Königsbronn verbracht hat: Er beobachtet mit großer Sorge die Veränderungen in seinem Heimatdorf, nachdem die Nazis an die Macht gekommen sind. Bald tauchen die ersten Hakenkreuze auf, sitzt die Geliebte eines Juden mit einem diffamierenden Schild auf dem Dorfplatz: Die charakterlosen Volksgenossen feixen dazu oder lassen es geschehen. Auch hier verhält sich der empfindsame Humanist anders. Wenn er später in einem der endlosen Verhöre bitter auflacht, dass freiwillig niemand bei seinem Vorhaben mitgemacht hätte, läuft insbesondere dem deutschen Zuschauer ein Schauer der Fremdscham über den Rücken.

Georg Elser war die leider ganz seltene Ausnahme von der Regel: Er war ein standhafter Mann, der Zivilcourage bewies. Einer der Menschen, ohne die jede Demokratie zum Scheitern verurteilt ist. Hirschbiegels Verdienst ist es, dem Zuschauer diese Tatsache noch einmal unmissverständlich vor Augen zu führen.


Quelle: teleschau – der Mediendienst