Auch in ihrem dritten Einsatz als "Schwartz & Schwartz" beweisen Devid Striesow, Golo Euler und Macher Alexander Adolph, dass subtile, witzige Krimis auch aus Deutschland kommen können. Nina Kunzendorf spielt eine rechts-affine "Law and Order"-Polizistin.

Schon wenn man den kleinen knuffigen Staubsaugroboter aus der Ich-Perspektive mit seinen pixeligen Schwarzweiß-Bildern durch ein Haus fahren sieht, ahnt man nichts Gutes. Schließlich heißt der neue Film der unbedingt sehenswerten ZDF-Krimireihe "Schwartz & Schwartz" ja auch: "Wo der Tod wohnt". Bald schon ertrinkt der kleine Reinigungs-Freund fast mit seiner Elektronik in Blutpfützen seiner Besitzerin (Katja Studt). Eine Nachbarin, die die Leiche findet, trifft vor der Tür auf einen völlig verstörten Roboter, der – im wahrsten Sinne des Wortes – leidet wie ein Hund. Weil der psychisch auffällige Nachbar der Toten, Marlon Ortlieb (Hendrik Arnst), am Tatort gesehen wurde und der Mann ohnehin im aggressiven Clinch mit der gesamten Nachbarschaft lag, ist der Fall für Ermittlerin Karin Lichtness (Nina Kunzendorf) klar: Der irre Alte aus der Nachbarschaft war es, weitere Spuren werden nicht verfolgt.

Nur die Tochter des Tatverdächtigen, Kim Ortlieb (Monika Oschek), glaubt an die Unschuld ihres Vaters. Sie engagiert die Detektive Andi (Devid Striesow) und Mads Schwartz (Golo Euler). Die ungleichen Brüder, ein allein lebender Hallodri mit kriminellem Betrüger-Potenzial (Striesow) und der lautere Ex-Polizist mit Frau und zwei kleinen Kindern (Euler), sind wie immer finanziell äußerst klamm. Aktuell schlagen sich mit einem Security-Job am Empfang eines schicken Bürohochhauses durch.

Mads will den Fall zuerst nicht übernehmen, lenkt aber ein, als er erfährt, dass seine ehemalige Ausbilderin und Intimfeindin Karin Lichtness die Ermittlungen leitet. Zusammen mit Mads ehemaliger Polizei-Kollegin Iris Doppelbauer (Brigitte Hobmeier) und Ehefrau Jasmin (Cornelia Gröschel) durchleuchten die Detektive die scheinbar so nette, bürgerliche Vorstadt-Nachbarschaft der Toten, zu der auch Mordkommissions-Leiterin Lichtmess gehört.

Die Kunst der keineswegs "sachdienlichen" Szene

Es ist ein schmaler Grat zwischen den beiden Genres "feinhumoriger Krimi" und "Ermittlerfilm mit Klamauk". Mit der beste deutsche Kreative, der den Spagat zwischen ernst und skurril, zwischen Krimi und oft melancholischer Humor-Irritation beherrscht, ist Alexander Adolph. Der 54-Jährige erschuf bereits die ZDF-Krimireihe "München Mord" und herausragende "Tatorte" wie "Der tiefe Schlaf" (mit Fabian Hinrichs als Münchner-Einmalermittler Gisbert Engelhardt) oder die 1.000. Folge der Reihe, "Taxi nach Leipzig" (2016), in der Maria Furtwängler und Axel Milberg gemeinsam ermittelten. In "Schwartz und Schwartz" scheint Adolph nun seine neue Heimat gefunden zu haben. Für die ersten beiden Folgen "Mein erster Mord" (2018) und "Der Tod im Haus" (2019) schrieb er das Drehbuch, beim dritten Film übernahm er nun zusätzlich auch die Regie.

Auch wenn sich Adolphs Plots von weitem betrachtet nicht allzu sehr von anderen Humor-Krimis unterscheiden, steckt der (Qualitäts)-Teufel im Detail: Adolphs Szenen sind oft seltsam irritierend gebaut. Manchmal glaubt man fast, der Filme verfranse sich in unwichtigen Details und keineswegs "sachdienlichen" Szenen. Doch genau hierin liegt die Kunst der Lebensbeobachtung. Jene Szenen machen die "Schwartz & Schwartz"-Krimis so herrlich unberechenbar, auch weil diese Drehbuch-"Sideways" oft in einem schrägen Witz oder einer wunderbar doppelbödigen Lebenserkenntnis enden.

Natürlich braucht man starke Darsteller, die so etwas spielen können. Mit Devid Striesow und Golo Euler sind die Hauptrollen perfekt besetzt. Auch Cornelia Gröschel – die in diesem Film einen grandiosen Auftritt als gespieltes Sachsen-Dummchen in einem Restaurant hat – und Nina Kunzendorf als fiese "Law and Order"-Polizistin mit Lust auf eine rechte Politkarriere sind außergewöhnlich gut. "Schwartz & Schwartz" ist für Freunde eines eher feinsinnigen Humors augenblicklich mit das Beste, was es in der Krimi-Primetime zu sehen gibt.

Schwartz & Schwartz: Wo der Tod wohnt – Sa. 23.05. – ZDF: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH