David Niven

Sein Witz ist unnachahmlich: David Niven Vergrößern
Sein Witz ist unnachahmlich: David Niven
David Niven
Geboren: 01.03.1910 in Kirriemuir, Schottland
Gestorben: 29.07.1983 in Château-d’Œx, Schweiz

David Niven, der Mann mit diesem unnachahmlichen Schnauzbart, mit dieser immer durchscheinenden Ironie, wenn es gilt den Gentleman rauszubeißen, besonders den britischen Gentleman, immer Form vollendet und doch von einem so eigenen Witz und einer Exzentrik, letztlich aber auch sehr menschlich und transparent: hinter der Figur, hinter dem Geschehen erkennt man den Menschen. Als Sohn der Lady Comynyplatt Henrietta de Gacher und des britischen Leutnants William Graham Niven, der im Alter von 26 Jahren in den Dardanellen getötet wird, wächst David Niven auf. Nach dem Schulabschluss geht er in die traditionsreiche Akademie von Sandhurst. Er dient vier Jahre in der Highland Light Infantry und will Berufssoldat werden. Er kommt nach Malta, dort jedoch verlässt er die Armee, geht nach Kanada, arbeitet in den verschiedensten Berufen. Er ist Holzfäller, Brückenbauer, Journalist und Whiskey-Verkäufer.

Er kommt nach Kalifornien, nach Hollywood, zunächst als eine Art Edelkomparse, Typ: britischer Gentleman. David Niven hat wohl früh bei seiner Militärausbildung eine Art Schliff erhalten, der ihn oft zu Uniformrollen prädestiniert. Die ersten bedeutenden Rollen hat er als Major Lockert in William Wylers "Dodsworth" (1936), als Captain Randall in Michael Curtiz' "Die Attacke der leichten Brigade" (1936) sowie als Leutnant Scott in "The Dawn Patrol" (1938) von Edmund Goulding - beidemal an der Seite von Errol Flynn. David Niven dreht bis zum Kriegsausbruch so unterschiedliche Werke wie den Kostümfilm "Der Gefangene von Zenda" (1937) von John Cromwell, die Ernst Lubitsch-Komödie "Blaubarts achte Frau" (1938) und die Emily-Bronté-Verfilmung "Stürmische Höhen" (1939) von William Wyler.

Dann wird seine Filmkarriere noch einmal durch den Zweiten Weltkrieg unterbrochen. In den USA schließlich wird er vom Militärdient zurückgestellt, weil man ihn in kritischen Kriegsfilmen für Ofiziersrollen braucht. Zwischendurch aber ist auch er immer wieder an der Front: er ist bei Dünkirchen dabei, wird 1944 zum Oberst befördert, um 1945 sofort wieder vor der Kamera zu stehen. General Eisenhower dekoriert ihn mit den Orden der Amercan Legion of Merit. Während des Krieges dreht er Propagandafilme wie "Spitfire" (1942) von Leslie Howard und "Der Weg vor uns" (1944) von Carol Reed. Niven galt als einer der besten und köstlichsten Geschichtenerzähler Hollywoods. Er hat selbst autobiographische Bücher geschrieben: "Der Mond ist ein Ballon" und "Bringt die leeren Pferde", in denen er geistreich über die Branche witzelt.

Niven gehört zu jenen Schauspielern, die lieber filmen als Theater spielen. So sagt er einmal: "Ich genieße mein glückliches Leben und ich habe nicht den stillen Wunsch, den Hamlet zu spielen oder als Schauspieler ernst genommen zu werden. Man hat mich zu meinem Glück für meine Filme unverschämt überbezahlt und das freut mich." Eine seiner schönsten Rollen spielt er 1946 unter der Regie von Michael Powell und Emeric Pressburger in "Irrtum im Jenseits". Ein englischer Kriegspilot wird aus Versehen abgeschossen und darf noch einmal ins Leben zurück. Danach geht er wieder nach Hollywood. Zu seinen größten Nachkriegserfolgen gehören: "Die Jungfrau auf dem Dach" (1953), "In 80 Tagen um die Welt" (1956) von Michael Anderson, "Bonjour Tristesse" (1957) von Otto Preminger, "Getrennt von Tisch und Bett" (1958) von Delbert Mann, "Die Kanonen von Navarone" (1960) von J. Lee Thompson, "55 Tage in Peking" (1962) von Nicholas Ray, "Der rosarote Panther" (1963) von Blake Edwards, "Lady L." (1965) von Peter Ustinov und die köstliche Bond-Paraphrase "Casino Royale" (1966).

Für seine Rolle in dem Film "Getrennt von Tisch und Bett" erhält er 1959 den Oscar als bester Schauspieler. Doch im Grunde sind viele seiner Rollen Kabinettstücke der Schauspielkunst, etwa sein Mr. Fogg, der elegante Müßiggänger aus "In 80 Tagen um die Welt", der Lebemann in "Bonjour Tristesse", der galante Juwelendieb in "Der rosarote Panther". Gerade hier ist es die unterschwellige Komik des nach allen Seiten geschickt operierenden Meisterdiebs "Sir Charles", ein Kavalier (und Playboy) vom Scheitel bis zur Sohle. Auch in späteren Filmen gab oft sein Auftreten dem Ganzen eine eigene Note wie in Clive Donners "Vampira" (1974), in Robert Moores "Eine Leiche zum Dessert" (1975), in "Tod auf dem Nil" (1978) von John Guillermin, in "Der Löwe zeigt die Krallen" (1980) von Don Siegel und in Brian Forbes' "Ein Opa kommt selten allein" (1981). In seinen letzten beiden Filmen spielt er noch einmal unter der Regie von Blake Edwards den Sir Charles, den ehemaligen Meisterdetektiv, "Der rosarote Panther wird gejagt" (1982) und 1983_der_fluch_des_rosaroten_panthers (1983). Peter Sellers, der Inspektor Clouseau, ist tot, die Filme spinnen die Geschichte mehr oder weniger originell weiter und Niven ist dabei - zum letzten Mal.

Bereits 1952 hatte Niven gemeinsam mit Ida Lupino, Charles Boyer und Dick Powell die Fernsehproduktionsgesellschaft Four Star Playhouse gegründet. Aus seiner ersten Ehe - seine Frau verstarb durch einen Unfall - hatte er die beiden Söhne David und Jamie, aus der zweiten Ehe mit einer Schwedin die beiden Töchter Kristine und Fiona. Als David Niven 1983 stirbt, hat er in etwa 100 Filmen gespielt.

Weitere Filme mit David Niven: "Zeit der Liebe, Zeit des Abschieds" (1936), "Die Findelmutter", "Liebestournee" (beide 1939), "Jede Frau braucht einen Engel" (1947), "Der Fischer von Louisiana", "Toast Of New Orleans" (beide 1950), "Soldiers Three" (1951), "Wolken sind überall" (1953), "Des Königs Dieb" (1955), "Die kleine Hütte", "Mein Mann Gottfried" (beide 1957), "Ask Any Girl" (1958), "Ehegeheimnisse", "Immer die verflixten Frauen", "Meisterschaft im Seitensprung" (alle 1959), "Der Weg nach Hongkong", "Liebenswerte Gegner" (beide 1961), "Flucht aus dem Dunkel" (1962), "Die schwarze 13", "Dolche in der Kasbah" (beide 1965), "Die Pille war an allem schuld" (1967), "Bevor der Winter kommt", "Das Superhirn" (beide 1968), "König, Dame, Bube" (1971), "Das große Ferienabenteuer" (1976), "Abenteuer auf Schloss Candleshoe" (1977), "Der Furchtlose" (1978), "Der Supercoup", "Die Seewölfe kommen" und "Flucht nach Athena" (alle 1979).


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