Rund 2,5 Millionen Menschen leiden in Deutschland am "Messie-Syndrom". Entgegen der weit verbreiteten Vorurteile sind häufig Menschen aus der Mittelschicht betroffen. Eine bewegende ZDF-Reportage hat drei "Messies" bei ihrem Kampf gegen das Syndrom begleitet.

Schätzungen zufolge leiden in Deutschland rund 2,5 Millionen Menschen an dem im Volksmund sogenannten "Messie-Syndrom". Die Betroffenen können sich nicht von Gegenständen trennen. Wegen ihres oftmals exzessiven Sammelns und Aufbewahren von Dingen, die keinen oder nur geringen Wert aus der Sicht anderer Menschen besitzen, sehen sie sich einigen Vorurteilen ausgesetzt. "Messies" gelten manchen beispielsweise als "mittellos", "ungebildet" und sogar als "asozial". Tatsächlich aber ist oftmals das Gegenteil der Fall. Vom Messie-Syndrom Betroffene sind hauptsächlich Menschen aus der Mittelschicht und haben in der Regel ein gehobenes Bildungsniveau. Der Film "37°: Zuhause im Chaos" von Daniela Hoyer begleitet drei angebliche "Messies".

Eleonore steht mitten im Leben. Die Diplom-Betriebswirtin ist in ihrem Beruf als Verwaltungsangestellte erfolgreich und angesehen. Doch in ihrem Haus schafft sie es nicht, Ordnung zu halten. Besucher lässt sie aus Scham schon nicht mehr in ihre Wohnung. Mehr und mehr wurde sie zur Außenseiterin. Auch Peter achtet in seinem Beruf als Wasserinstallateur eigentlich sehr auf Sauberkeit und Präzision. Doch zu Hause fällt es ihm schwer, Ordnung zu halten. Die 80-jährige Marie sammelt zwanghaft Bücher und Kleidungsstücke. In kleinen Schritten lernt die ehemalige Bibliothekarin mit der Hilfe eines Sozialarbeiters, sich von ihren Schätzen zu trennen. Das ist für sie nicht leicht, denn ihre Bücher sind ihr Leben.

Therapeuten wie Veronika Schröter vom Messie-Kompetenzzentrum Stuttgart oder der Sozialarbeiter Wedigo von Wedel erklären, dass hinter dem Messie-Besuch nicht etwa "Faulheit" stecke. "Häufig wird das Messie-Syndrom ausgelöst durch ein Kindheitstrauma, einen zu rigiden Erziehungsstil oder mangelnde Fürsorge", erklärt von Wedel. Heilpraktikerin Schröter kämpft sogar dafür, dass die Störung als eigenständige Krankheit anerkannt wird.


Quelle: teleschau – der Mediendienst