Ein ruhiger Wald, eine einsame Hütte und ein paar Berge: Eigentlich sieht es in der neuen BR-Serie "5VOR12" ganz idyllisch aus. Doch die fünf Jugendlichen, alle etwa 15 Jahre alt, sind nicht freiwillig auf die Alm gezogen. Es ist ihre letzte Chance, denn jeder von ihnen beging eine schwere Straftat und müsste eigentlich in Haft.

"Das ist hier kein Urlaub, ihr wisst genau, warum ihr hier seid", erklärt Thorsten (Franken-"Tatort"-Ermittler Andreas Leopold Schadt) den Jugendlichen, die ein Erziehungcamp absolvieren müssen, um nicht ins Gefängnis zu kommen. Passenderweise trägt die Serie, die definitiv auch für ein erwachsenes Publikum relevant ist und von KiKA ab Montag, 18. September 2017, 20.35 Uhr, ausgestrahlt wird, den Titel "5VOR12". Gleich in der ersten von 24 Folgen wird verdeutlicht, das hier nicht alles zwingend auf ein Happy-End hinausläuft.

Denn der erste Bootcamp-Kandidat wirft das Handtuch noch vor dem "Basislager": Er möchte sich nicht bevormunden lassen und nimmt die Haftstrafe in Kauf. "Die Alternative zum Jugendknast ist der 'Alpenknast'", formuliert Andreas M. Reinhard, BR-Redaktionsleiter des Ressorts Kinder, treffend, und so stellen sich die übrig gebliebenen gezwungenermaßen der Herausforderung. Das beutet, die Handys abzugeben und sich vom Großstadt-Luxus zu verabschieden.

Sechs Wochen lang leben Lennox (Yusuf Çelik), Jonas (Junis Marlon), Otis (Philipp Julio von Schade), Malte (Klaus Bobach Rios) und Tschakko (Arton Novobrdaljija) jetzt gemeinsam in einer Hütte. Dort müssen sie ihre Vergangenheit aufarbeiten, Werte erkennen, ein Mit- und Füreinander entwickeln und gleichzeitig viel an der frischen Luft arbeiten.

Es ist von Grund auf schon eine Konstellation, die Konfliktpotenzial und damit Spannung für den Zuschauer birgt: Die Großstadtkinder der Generation Y, die auf Abwege geraten sind, finden sich in der einsamen, bergigen Landschaft wieder, fernab von Snapchat, Drogen und ihrem sozialen Umfeld.

Eine dokumentarische Stimmung

Schon in der zweiten Folge scheint die Frage unumgänglich: "Warum bist du eigentlich hier?" – Ein Thema, das auch den Zuschauern unter den Nägeln brennt. Die müssen sich allerdings gedulden, denn in den 24 Episoden, die jeweils 25 Minuten dauern, haben die Charaktere Zeit, sich zu entwickeln. Die Regisseure Niklas Weise und Christof Pilsl schaffen eine geradezu dokumentarische Stimmung, auch wenn die Geschichte fiktiv ist. Mit einer wackligen Kameraführung wird ein Gefühl von Authentizität erzeugt, der Zuschauer ist oft hautnah an einem scheinbar realen Geschehen dran. Auch die teils unerfahrenen Schauspieler tragen zur Glaubwürdigkeit der Story bei. Niklas Weise betont, man werde dem Thema nur gerecht, "wenn wir dem Zuschauer die Möglichkeit geben, sich hier mit greifbaren, wirklich lebendigen Figuren auseinandersetzten zu können".

Andreas M. Reinhard unterstreicht, wie wichtig dem Sender dieses Projekts sei, "denn die Realität ist nicht so heil und bunt wie in den Zeichentrickserien, die das mediale Angebot für Kinder dominieren". Die Serie liefert über das Vehikel einer wirklich spannenden Geschichte um fünf Teenager mit ihren Ängsten und Sorgen einen Querschnitt des Wertekanons und des Lebensgefühs von Jugendliche. Gerade junge Zuschauer, die mit dem Smartphone in der Hand und einer medialen Dauerberieselung aufwachsen, bekommen hier auf dem Silbertablett die Argumente präsentiert, warum sie den Blick doch mal vom Bildschirm lösen müssten und sich lieber öfter mal ihren Mitmenschen zuwenden sollten. Alles in allem eine äußerst reizvolle pädagogische Studie, die auch für Erwachsene ihren Reiz hat, denn die Botschaft dieser Serie richtet sich an alle: Lasst euer Leben nicht einfach so vorbeirauschen – nehmt es in die Hand!


Quelle: teleschau – der Mediendienst