Wie handelt man, wenn vor den eigenen Augen ein Mensch zusammengeschlagen und misshandelt wird? Eigentlich sollte man diese Frage beantworten mit: Polizei rufen, Hilfe holen, dazwischengehen gar. In empathielosen Zeiten wie diesen jedoch scheint gar nichts klar. Insbesondere, wenn es sich bei den Opfern um die Schwächsten der Gesellschaft handelt; insbesondere wenn diejenigen, die Zeugen werden, viel zu verlieren haben.

Dieser heiklen Ausgangslage bedient sich auch das ARD-Drama "Frankfurt, Dezember '17", das vom Armsein in der reichen Mainmetropole erzählt, aber auch vom Schweigen der Wohlhabenden, wenn es zwar um ein anderes Leben, doch zugleich um den eigenen Kopf geht. So thematisiert der Film wichtige, richtige Zusammenhänge – verfängt sich dabei aber in Klischees.

Der Obdachlose Lennard (Christoph Luser) wird am Ufer des Mains brutal von einer Gruppe Wohlstandskids angegriffen und zusammengeschlagen. Nach dem Koma auf der Intensivstation erliegt er schließlich seinen Verletzungen. Mit der Gewalttat beginnt das Drama aus der Feder von Petra K. Wagner, die auch Regie führte. Das Verbrechen gerät zum Ausgangspunkt einer Erzählung auf mehreren Zeitebenen, in denen die Leben dreier verzweifelter Frauen zusammengeführt werden.

Ein Toter, drei Frauen, drei Schicksale

Da wäre Irina (Lana Cooper), eine Krankenschwester, die zur Zeugin des Übergriffs wurde, als sie mit dem verheirateten Oberarzt Carl (Barnaby Metschurat) im Auto Sex hatte. Der Arzt will verhindern, dass Irina sich bei der Polizei meldet – für ihn stehen Karriere und Ehe auf dem Spiel. Währenddessen wird die junge Frau immer verzweifelter. Auch, weil Lennard zunächst noch auf ihrer Station liegt und Kommissarin Jule Böhmer (Inga Busch) hofft, mehr über die Tat zu erfahren.

Ebenfalls betroffen ist Sam (Ada Philine Stappenbeck), eine junge Obdachlose, die es als Frau auf der Straße besonders schwer hat. Im Rückblick zeigt der Film ihre Verbindung zu Lennard: Der hatte sie nach einem Angriff bei sich – in einem verlassenen Hochhaus – aufgenommen und gepflegt. Nun, da ihr Beschützer tot ist, beginnt ihre Tortur von Neuem.

Katja Flint verkörpert in der besten schauspielerischen Leistung des Dramas die Dritte im Bunde: Die alleinerziehende Mutter Anne stürzt in eine schwere Krise, als ihr 18-jähriger Sohn Rio (Jonathan Stolze) festgenommen wird. Er soll einer der Angreifer auf Lennard sein. Doch über die Tat reden will der Teenager mit seiner Mutter nicht.

Bisweilen geht das Konzept von "Frankfurt, Dezember '17" gut auf: ein Toter, drei Frauen, drei Schicksale. Auch die Rahmenhandlung verspricht wichtige und richtige Kritik an einer Gesellschaft, an einer reichen Stadt, in der ein obdachloses Opfer nichts wert zu sein scheint, während die Elite nichts als sich selbst und den eigenen Ruf im Sinn hat. Schade nur, dass fast alle Rollen – vom gewissenlosen Oberarzt zum lebensweisen Obdachlosen – von Klischees geprägt scheinen. Dafür untermalt ein hübscher Soundtrack von Ex-Harald-Schmidt-Musiker Helmut Zerlett das Geschehen.


Quelle: teleschau – der Mediendienst