Neue Folge, neuer Chef: Hauptdarsteller Robert Atzorn verabschiedete sich nach acht "Nord Nord Mord"-Filmen in Rente. Kann Peter Heinrich Brix als Nachfolger in dem ironischen Sylt-Krimi bestehen?

Nach dem frostigen Empfang ihres neuen, reichlich spröden Vorgesetzten Carl Sievers (Peter Heinrich Brix) bekommen es die Sylter Kommissare Ina Behrendsen (Julia Brendler) und Hinnerk Feldmann (Oliver K. Wnuk) mit einem Mann zu tun, der im Auto seinen Schussverletzungen erlag. Das Opfer erweist sich als Kommissar der Kieler Polizei, wo auch der neue Sylt-Chef Sievers bis vor kurzem Dienst schob. Der Verblichene, Gunnar Schneider, hatte zuletzt eine Fahrerflucht mit Todesfolge bearbeitet. Beim Unfall wurde die kleine Tochter von Sandy Freyer (Sinja Dieks) getötet, die sich nun in therapeutischer Behandlung ganz in der Nähe befinden soll. Ein Zufall? Nach acht erfolgreichen Sylt-Filmen zog sich Hauptdarsteller Robert Atzorn aufs Altenteil zurück. Kann Nachfolger Peter Heinrich Brix dem sanft ironischen Krimi "Nord Nord Mord: Sievers und die Frau im Zug" neuen Charme verleihen?

Sendung verpasst? Die Folge von "Nord Nord Mord" ist für einen begrenzten Zeitraum auch in der prisma-Mediathek verfügbar.

Es ist kein leichtes Los, Nachfolger von Publikumsliebling Robert Atzorn zu sein. Einem Mann, der den – für Schauspieler – eher ungewöhnlichen Weg ging, sich in die totale Rente zurückzuziehen. Sprich: Der 73-Jährige will keinerlei Rollen mehr übernehmen und sich voll auf die Familie konzentrieren. Dennoch erscheint Peter Heinrich Brix, immerhin auch schon 63 Jahre alt, als gute Wahl für die Nachfolge. Kaum ein deutscher Schauspieler verkörpert das Lakonische des Nordens so feinsinnig wie der ehemalige Landwirt aus Angeln bei Flensburg. In typischen Nord-Balladen wie "Großstadtrevier", "Butter bei die Fische" oder "Jürgen – Heute wird gelebt" transportierte er beeindruckend jenen Humor, von dem man sagt, er wäre so trocken, weil ja schon das Wetter im Norden so feucht sei.

"Nord Nord Mord" hält am bewährten Erfolgsrezept fest

Auch Brix' neue Rolle als Kieler Exil-Kommissar schlägt in diese Kerbe. Der Neuankömmling auf der wie immer in schmucken Bildern eingefangenen Nordee-Insel erweist sich als Vollprofi, den allerdings ein seltsames Leiden plagt. Hier kommt Victoria Trauttmansdorff ins Spiel, die eine "alternative Heilmethoden" praktizierende Therapeutin spielt, zu der sich Sievers – durchaus gequält – aufmacht. Der brillant gespielte Gegensatz zwischen diesen Figuren ist einer der besten Momente des Films – und ganz sicher eine Konstellation mit Zukunftspotenzial.

Abseits des gelungenen Job-Transfers an der Spitze des Sylter Kommissariats bleibt "Nord Nord Mord" jedoch wie der Schuster bei den berühmten Leisten. Das Erfolgsrezept schöne Bilder plus Mörderrätsel plus knuffig ironische Dialoge soll und wird wohl weiterhin aufgehen. Kein Wunder, denn mit den Drehbuchautoren Stefan Cantz und Jan Hinter sowie Regisseur Thomas Jauch steuern Kreative das ZDF-Produkt, die auch zu den Stammkräften des Münster-"Tatorts" gehören. Die etwas weniger durchgeknallte, aber durchaus mit ähnlichem Humor bestückte Reihe im ZDF kann mittlerweile sogar fast ähnliche Quotenerfolge feiern. Atzorns Abschiedsfall "Clüver und der leise Tod" schauten im Januar 2018 knapp neun Millionen Zuschauer.

Lesen Sie zum Auftakt der neuen Staffel Interviews mit dem neuen Chef-Ermittler Peter Heinrich Brix und Oliver Wnuk, dessen Rolle eigentlich selbt gerne Chef geworden wäre.


Quelle: teleschau – der Mediendienst