Barbara Schöneberger ist ein Phänomen. Die 44-jährige Wahl-Berlinerin moderiert Galas, TV-Events und Talkshows, sie betreut seit 2015 eine Frauenzeitschrift unter ihrem Namen, und mit "Eine Frau gibt Auskunft" veröffentlichte sie im Mai ihr viertes Studioalbum. Und damit nicht genug: Die gebürtige Münchnerin kuratiert seit Kurzem auch noch ihren eigenen Radiosender "barba radio". Im März geht die Zweifach-Mami dann mit Band auf Deutschlandtournee.

"Wie schafft sie das nur alles?", fragt sich der Otto Normalbürger. Die Antwort: offenbar ganz lässig. Beim Interview in Berlin legt die Schöneberger auf der Hotel-Couch entspannt die Beine hoch und erzählt von Lampenfieber, Mädelsabenden und Weihnachtstraditionen.

prisma: Frau Schöneberger, sind Sie schon in Weihnachtsstimmung?

Barbara Schöneberger: Ich veranstalte jedes Jahr eine große Nikolausparty, mit Musik und Nikolaus und allen möglichen Kindern. So komme ich langsam rein.

prisma: Was bedeutet Ihnen Weihnachten?

Schöneberger: Früher bedeutete es mir tatsächlich nichts. Meine Familie ist eher klein. Wir hatten schon unsere Traditionen, aber meine Eltern waren recht locker – auch, als ich erwachsen wurde und dann mal nicht an Weihnachten zu Hause war, weil ich mit meinem jeweiligen Freund feierte. Deswegen bin ich relativ unpsychologisch in das Thema Weihnachten reingerutscht. Das änderte sich aber schlagartig mit der Hochzeit und den Kindern. Ich fing sofort an mit dem kompletten Programm: Jetzt gibt es die typische Weihnachtsdecke und Sachen, die nur an Weihnachten rausgeholt werden. Der Baum wird geschmückt, es wird jedes Jahr schwedisches Buffet gegessen. Ich habe ganz strikte Traditionen eingeführt.

prisma: Singen Sie auch selber an Weihnachten?

Schöneberger: Wir singen alle. Es sind immer die gleichen Abläufe. Früher machte mir die Vorstellung, dass man jedes Jahr das gleiche macht, immer Angst. Heutzutage finde ich es schön.

prisma: Man nimmt Sie als sehr durchsetzungsfähig und zielstrebig wahr. Haben Sie so etwas wie eine Bucketlist?

Schöneberger: Die habe ich nicht und hatte ich noch nie. Meine Erwartungen an mich und mein Leben waren früher auch nicht überbordend groß.

prisma: Warum nicht?

Schöneberger: Ich dachte nicht: "I wanna be a star", ich werde Millionärin, ich werde einen Prinzen heiraten ... Ich war darauf eingestellt, ein normales Berufsleben zu haben, in einer normalen Wohnung zu wohnen und irgendwo in München unter völlig normalen Bedingungen zu heiraten. Und so viel anders ist es eigentlich auch nicht. Mein Freizeitleben ist nicht exaltiert, crazy und promimäßig. Das ist alles ziemlich normal. Deshalb gab es auch nie so eine Bucketlist. Ich war immer da, wo ich jeweils war, glücklich. Ich glaube, das ist wirklich eine gute Eigenschaft von mir: Ich lebe voll im Hier und Jetzt. Ich bin nicht nach hinten gewandt und denke nie weiter als eine Woche voraus.

prisma: Gibt es denn etwas, mit dem Sie künftig alle überraschen und aus dem typischen Bild der Barbara Schöneberger ausbrechen möchten?

Schöneberger: Ich überrasche letztendlich damit, wie ich mich präsentiere. Aber ich mache immer das, was ich kann. Der größte Lernerfolg des Älterwerdens war für mich herauszufinden, was ich nicht kann.

prisma: Können Sie ein Beispiel nennen?

Schöneberger: Ich weiß zum Beispiel nicht, ob ich eine gute Schauspielerin wäre, die richtig ernste Rollen spielt. Noch reicht es ja, Erwartungen zu erfüllen. Irgendwann werde ich Erwartungen mal konterkarieren und vielleicht sagen: Jetzt mache ich etwas anderes und werde Stabhochspringerin. Ich empfinde es aber als ein großes Privileg, dass ich zur Arbeit gehen kann und mir nicht überlegen muss, wie ich das hinkriege. Allerdings habe ich angesichts der bevorstehenden Tour schon ein bisschen Schiss. Ich weiß: Das wird anstrengend. Denn da bin ich außerhalb meiner Komfortzone.

prisma: Wie äußert sich diese Nervosität bei Ihnen?

Schöneberger: Indem ich abends aufgeregt bin und mir dann auch wünsche, dass es vorbeigeht. Vor der Premiere in Hamburg wird mir ordentlich die Düse gehen. Eine Stunde davor denke ich mir dann wahrscheinlich schon: Oh Gott, jetzt musst du da raus! Sobald ich auf die Bühne gehe, ist das weg. Aber gegen Lampenfieber kannst du nichts machen. Da musst du durch.

prisma: Und der schönste Moment ist dann der Schlussapplaus?

Schöneberger: Nein, das letzte Lied vor der Zugabe. Da liege ich dann auf dem Flügel und bin schon mit den Gedanken woanders. Die bekommen dann selbst Flügel.

prisma: Seit Kurzem gibt es auch noch "barba radio". Warum brauchen Sie ein weiteres Standbein neben Fernsehen, Zeitschrift und Bühne?

Schöneberger: Ich glaube, dass gar nichts sein muss, aber das Tolle ist, dass jetzt so viel geht. Es wäre schade, es nicht zu versuchen. Natürlich kann es passieren, dass da irgendwann auch mal ein Zeitproblem entsteht und ich manche Sachen nicht machen kann. Aber das mit dem Radio kriege ich super hin.

prisma: Worauf verzichten Sie stattdessen?

Schöneberger: Auf nichts. Okay, vielleicht moderiere ich die eine oder andere Gala weniger. Ich merke schon deutlich, dass es diese freien Zeiten tagsüber, in denen ich früher einfach mal herumhing, gar nicht mehr gibt. Ich versuche, bis 15 Uhr alles abzuarbeiten, damit ich danach Zeit für die Kinder habe.

prisma: Anfälle von echtem Stress kennen Sie gar nicht, oder?

Schöneberger: Einen Burnout kriegst du, wenn du gegen deine Natur lebst. Ich habe ein gutes Gespür für meinen Körper. Ich bin nie krank, mich haut so schnell nichts um. Und ich mag Stress im Sinne von "dass etwas passiert". Ich liebe es, viele Leute im Haus zu haben, Handwerker, die etwas umbauen, alle Kinder sind da, ich muss kochen, ich habe Termine – dann bin ich in meinem Element. Ich finde zwar die Vorstellung toll, nichts machen zu müssen, aber in der Realität ist das doch eher langweilig.

prisma: Wo entspannen Sie?

Schöneberger: Ich habe ein Ferienhaus in Österreich. Aber wenn ich dort hinfahre, dann muss ich oft mit mir ringen, weil ich mich da so nutzlos fühle. Ich komme rasch an den Punkt, an dem ich mich innerlich wieder aufrichten muss, weil ich sonst zerfalle im Nichtstun.

prisma: Hat Österreich eine besondere Bedeutung für Sie?

Schöneberger: Ja, weil ich aus Bayern komme und die Berge vermisse. Ich habe gemerkt, dass ich heimatverbundener bin als ich dachte – ich habe ja auch einen Mann geheiratet, der ebenfalls aus München kommt. Es hat sich dann familiär so ergeben mit Österreich. Mein absoluter Albtraum wäre ein Sechs-Sterne-Hotel in Dubai oder auf den Malediven – das Grauen ... Ich will mit dem Auto irgendwo hinfahren, in meinen eigenen vier Wänden leben und Leute bewirten können. Das ist meine Vorstellung einer erholsamen Woche.

prisma: Es scheint so, als wären Sie immer gut drauf. Täuscht der Eindruck?

Schöneberger: Ich bin einfach so. Manche meinen, es gäbe ein dunkles Geheimnis. Ich ginge dann eben doch nach der Arbeit nach Hause, die Einsamkeit holt mich ein – die Stille nach dem Applaus – und dann weine ich. Aber den traurigen Clown und die nachdenkliche, dunkle Barbara gibt es nicht.

prisma: Eine Mixtape-Kategorie bei Ihrem Radiosender heißt "Mädelsabend". Kennen Sie solche Abende?

Schöneberger: Die Vorstellung, dass Mädchen sich verabreden, um albern zu sein und irgendwie schlecht über Männer zu reden und dabei Prosecco zu trinken, finde ich eigentlich ein bisschen 80er-mäßig. Aber ab und zu rutscht man schon mal in so einen Mädelsabend hinein, und es ist lustig. Da, wo ich wohne, treffen sich die Mütter manchmal zum Essen. Dann geht es eher darum, wo der Nachwuchs zur Schule geht, was für eine Religionslehrerin er hat und so weiter. So etwas machst du lieber mit Frauen.

prisma: Für Ihre Radio-Interviewgäste backen Sie Waffeln – bisher allerdings überwiegend für Männer.

Schöneberger: Da werden noch mehr Frauen kommen. Aber es ist tatsächlich so, dass ich gerne mit Männern rede, weil du noch mal eine andere Ebene hast, die etwas spannender für mich ist. Mit Frauen kannst du dann wiederum gut über Männer reden. Da wird sofort alles schonungslos auf den Tisch gelegt.

Barbara Schöneberger auf Tour:

07.03. Hamburg, Mehr! Theater am Großmarkt

08.03. Hannover, Kuppelsaal im HCC

09.03. Bremen, Metropol Theater

11.03. Essen, Colosseum Theater

12.03. Frankfurt am Main, Alte Oper

13.03. München, Kleine Olympiahalle

17.03. Berlin, Tempodrom

18.03. Leipzig, Gewandhaus

19.03. Chemnitz, Stadthalle

20.03. Köln, E-Werk


Quelle: teleschau – der Mediendienst