Am Morgen des 9. September, gegen 4 Uhr, sprang Daniel Küblböck von Bord der AIDAluna. Das Wasser vor der Küste Neufundlands war kalt, lange dürfte der einstige "DSDS"-Dritte nicht überlebt haben. Ein tragischer Einzelfall? Tatsächlich verschwinden immer wieder Passagiere von den schwimmenden Vergnügungsparks.

Genau 23 Menschen im Jahr sollen es sein, behauptete der Thriller "Passagier 23", den RTL am Donnerstagabend zeigte. Klar: Der Film nach einem Buch von Sebastian Fitzek war pure Fiktion – allerdings mit realem Hintergrund.

So will Ross Klein, Professor für Maritime Studien an der Universität Neufundland, herausgefunden haben, dass jeden Monat im Schnitt zwei Menschen über Bord eines Kreuzfahrtschiffes gehen. "Jährlich also 24 Passagiere oder Crew-Mitarbeiter", so der Experte kürzlich gegenüber "Bild". "Gerettet werden im Schnitt aber nur 20 Prozent."

Seit 18 Jahren sammelt Klein Daten zu solchen Vorkommnissen. Sein Befund: Im Zeitraum von Anfang 2000 bis August 2018 gab es weltweit 319 Fälle von vermissten Passagieren und Crew-Mitgliedern. Ausgewertet hat Klein dafür Zeitungsberichte, außerdem hat er mit Angehörigen gesprochen. Offizielle Zahlen gibt es nicht.

Ein Teil der Passagiere gehe freiwillig in den Tod, andere würden durch einen Unfall ums Leben gekommen. "Bei rund 30 Prozent ist aber völlig offen, was passiert sein könnte, sie bleiben mysteriös", so Klein gegenüber "Bild". Die Reedereien hätten kein Interesse daran, diese Fälle aufzuklären – denn jeder Todesfall kratzt das Image vom sorgenfreien Freizeitspaß, mit dem die Kreuzfahrtschiffe werben, empfindlich an.

Für "Passagier 23"-Autor Fitzek ist ein Kreuzfahrtschiff der perfekte Ort für ein Verbrechen: "Es gibt keine Polizei an Bord, der Bremsweg eines solchen Schiffes beträgt mehrere Kilometer, und ich habe einen heimlichen Verbündeten: die Reederei. Die wird immer versuchen, einen Kriminalfall als Suizid zu tarnen, wenn sie das kann", erzählt er im Gespräch mit der Agentur teleschau. Doch trotz rund zwei Dutzend Toten auf Kreuzfahrtschiffen: "Da müsste man viel eher Angst haben, in ein Auto zu steigen", sagt Fitzek.


Quelle: teleschau – der Mediendienst