"Die toten Mädchen von Wien"

"Blind ermittelt": Depressiver Dandy

von Eric Leimann

Chefinspektor Alexander Haller (Philipp Hochmair) verlor bei einem Sprengstoffattentat auf seinen Wagen nicht nur das Augenlicht, sondern auch seine Freundin Kara. Über deren Tod, an dem er sich die Schuld gibt, kommt der Wiener Ermittler nicht hinweg. Deshalb will er sich das Leben nehmen. Der Suizid des stillen Fahrgastes wird ausgerechnet von einem Taxifahrer mit Berliner Schnauze (Andreas Guenther) verhindert, der Haller eben noch zum Ort seines Vorhabens chauffierte. Fortan werden die beiden Partner – die Krimilogik will es so.

ARD
Blind ermittelt: Die toten Mädchen von Wien
Kriminalfilm • 30.07.2020 • 20:30 Uhr

Ein blinder, lakonischer Spitzenermittler, dem nebenbei ein Luxushotel gehört, und sein dauerquasselnder Alltagsorganisator, das ergibt: "Blind ermittelt". In "Die toten Mädchen von Wien", dem ersten Fall 2018 gestarteten Reihe, ist das Duo einer Mordserie an osteuropäischen Mädchen auf der Spur. Das Erste wiederholt den Krimi nun zur besten Sendezeit.

Wenn Österreicher und Deutsche gemeinsam eine Reihe oder Serie entwickeln, muss man die unterschiedlichen Vorlieben der Zuschauer im Blick haben. Der Österreicher liebt es düster, versponnen und gerne ein bisschen "drüber". In Deutschland mag es das vor dem linearen TV-Bildschirm verbliebene, ältere TV-Publikum zurückhaltender und berechenbarer.

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Aufgrund der Diskrepanz erreichen gefeierte Ösi-Serien hierzulande oft nicht das ganz große Publikum. Die Drehbuchautoren Ralph Werner ("SOKO Kitzbühel") und Don Schubert ("Kebab extra scharf!") fanden einen guten Kompromiss zwischen den Regeln deutscher Krimi-Mediokrität und vorsichtiger Exaltiertheit. Die Figur des Alexander Haller hat etwas von den Krimi-Dandys der Marke "Sherlock" oder Martin Suters "Allmen". Auch die krasse, wenn auch etwas überkandidelte Auflösung des Auftaktfalles ist nicht typisch deutsch.

Im Frühjahr wurden erneut zwei Fälle des ungleichen Duos gezeigt. Die Episoden "Blutsbande" und "Das Haus der Lügen" sahen zwar jeweils mehr als vier Millionen TV-Zuschauer, reichten aber nicht an den erfolgreichen Debütfilm heran, bei dem 2018 noch 5,25 Millionen Menschen einschalteten.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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