Film im Ersten

"Die Spätzünder": "School Of Rock"-Variante aus dem Altenheim

von Jan Treber

Dieser Film ist eine Harke. Ja doch, das öffentlich-rechtliche Fernsehen bedient vor allem ein gesetztes Publikum. Und genau genommen ist das auch nicht so schlimm, wie immer getan wird. Aber bitte: Vielleicht haben die Alten ja gar keinen Bock, sich ständig von seichten Herzschmerzreihen und Schunkelshows berieseln zu lassen. Vielleicht lassen sie sich viel lieber von Blacky Fuchsberger und einer Riege reaktivierter Burgtheater-Altstars daran erinnern, welches Feuer noch in ihnen lodert.

ARD
Die Spätzünder
Komödie • 29.07.2020 • 20:15 Uhr

Der Film "Die Spätzünder" (2009), den das Erste nun wiederholt, bietet dafür jedenfalls eine gute Gelegenheit. Der hoch dekorierte Österreicher Wolfgang Murnberger ("Komm, süßer Tod") inszenierte diese beschwingte "School Of Rock"-Variante aus dem Altenheim.

Oder besser gesagt: aus der Seniorenresidenz, wo die Bewohner angeblich "wie liebe Freunde" behandelt werden. Doch eines ist ihnen allen klar: Wer hier wieder herauskommt, der tut das mit den Füßen voran. Außer man ist ein straffällig gewordener Taugenichts wie der chronisch erfolglose Rocker Rocco (Jan Josef Liefers), der in solch einer edlen Seniorenbehausung am Stadtrand Wiens einen Zwangsdienst verrichtet, um einer vierwöchigen Haftstrafe zu entgehen.

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Ein schönes Märchen im Wiener Schmäh

Natürlich hat sich dieses berufsjugendliche Schlitzohr Rocco die Nummer mit dem Altenpfleger ein bisschen einfacher vorgestellt. Und vor allem hat er nicht damit gerechnet, dort seiner hübschen Nachbarin Marina (Ursula Strauss) zu begegnen, mit der er wegen musikalischer Lärmbelästigung eigentlich im Clinch lag. Doch dann kommt alles anders. Der unkonventionelle Rocco bringt die abgeschriebenen Senioren auf Trab, den gewieften Fluppen- und Spirituosen-Dealer Degenhard (Fuchsberger), die trübsinnige Violinistin Josefine (Libgart Schwarz), die herzlich-sarkastische Sissi (Bibiana Zeller) und all die anderen.

Als die gestrenge Heimleiterin Glück (Petra Morzé) dem lebhaften Treiben ein Ende setzt und Rocco in den Knast soll, beginnt eine heimliche Rebellion. Die Greise wollen mit dem geschassten Pfleger an einem Bandwettbewerb teilnehmen und unter ihnen eine passende Rocktruppe casten – "so wie bei 'Deutschland sucht den Superstar".

"Die Spätzünder" ist ein schönes Märchen: lebensbejahend, ermutigend, anrührend – mit einem nicht ganz unvorhersehbaren Gang der Dinge (Buch: Uli Brée) und einer Extraportion Wiener Schmäh. Und dazu eine wunderbare Erinnerung an Joachim Fuchsberger, der 2014 verstarb.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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