Die XXL-Ausgabe von "Hart aber fair" wollte den Zuschauern eine Orientierung in Sachen Coronavirus geben, ohne Panik zu verbreiten. Das gelang vor allem dank eines Gastes tatsächlich.

Bruno Labbadia ist eine Legende. Vielleicht weniger, wenn es um seine Erfolge als Fußballtrainer (unter anderem: HSV, Leverkusen, Stuttgart, Wolfsburg) geht, dafür aber ganz sicher für seinen Spruch "Das wird alles von den Medien hochsterilisiert." Sein verbaler Fauxpas (von anno 2009) ist mittlerweile so im verbalhornenden Sprachalltag angekommen, dass er nicht einmal mehr als Fehler wahrgenommen wird. Als am Montagabend bei "Hart aber fair extra" – einziges Thema: "Zwischen Hysterie und begründeter Angst: Wie gefährlich ist das Coronavirus?" – der dauerhaft düster dreinblickende NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann verbal exakt in Labbadias Spuren wandelte, lachte nur Moderator Frank Plasberg kurz auf.

Das ist prinzipiell gut – Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Und gerade in Tagen wie diesen, in denen, so der Experte für Angsterkrankungen, Prof. Borwin Bandelow, "die Nationalpanik ausbricht". Was im Übrigen verständlich sei, so Bandelow weiter: "Neue, unbekannte Gefahren erzeugen übergroße Ängste. Das Angstgehirn denkt sich: Ich bin der Nächste!"

"hart aber fair" ging es also vor allem um die Beruhigung des bundesdeutschen Angstgehirns. Das erreicht man am besten durch Information. "Wir wollen Orientierung geben", gab Plasberg das Motto aus. Und Prof. Dr. Alexander Kekulé setzte es quasi im Alleingang um. Der Virologe und Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie an der Martin-Luther-Universität in Halle-Wittenberg avancierte zum gehuldigten Star der Sendung. Sollte er demnächst in TV-Formaten wie "Dr. Kekulé", "Kekulé's Anatomy", "Sprechstunde mit Dr. Kekulé" oder "Fragen Sie Dr. Alexander" in Serie gehen – es würde nicht verwundern.

Virologe präsentierte Fakten, Fakten, Fakten

Kekulé hatte einiges zu sagen, leider nicht nur Beruhigendes. Einerseits sei eine Ansteckung in Deutschland derzeit "höchst unwahrscheinlich" und als "absolute Seltenheit" zu betrachten. Andererseits gelte dies nur für den Moment: "In vier Wochen wissen wir mehr." Motto: "Die Gegenwart ist ungefährlich, die Zukunft leider ungewiss."

Nach "hart aber fair extra", bei dem die Runde auch auf Zuschauerfragen einging, weiß man als Zuschauer auf jeden Fall ein bisschen mehr, vor allem Kekulé sei Dank. Die Kernaussagen der Sendung, aufgeteilt in gute und weniger gute Nachrichten:

Derzeit sind – bei schlimmsten Annahmen – höchsten 5.000 Menschen in Deutschland infiziert. In einem "normalen" Grippejahr gibt es bis zu 10 Millionen Grippeinfizierte (Kekulé). "Praktisch alle" (Kekulé) derzeitigen Erkältungsfälle sind normale Erkältungen oder Grippe. Ein Infizierter gibt nicht automatisch bei jedem Kontakt das Virus weiter, sondern nur bei jedem zehnten. Das Virus wird nicht durch die Luft (also etwa beim Einatmen) übertragen, sondern nur durch Tröpfcheninfektion. Heißt, ganz plakativ, "wenn einem einer aus zwei Metern direkt ins Gesicht niest" (Kekulé).

Kinder sind offenbar nicht besonders gefährdet, sich anzustecken. Dafür aber scheinen sie ein guter Überträger zu sein. Schwangere und ihre ungeborenen Babys scheinen nicht gefährdet. Kekulé: "Es ist kein Fall bekannt, in dem eine vertikale Übertragung von Mutter auf Baby erfolgte." Das Virus hält sich an der Luft nur wenige Stunden. Das Virus mag keine Hitze ("Der Sommer stoppt das Virus, der Herbst bringt es zurück.") Es wird auf Hochtouren nach Wirkstoffen geforscht. Derzeit, so Kekulé, gibt es vor allem zwei, bei denen Experimente Hoffnungen machen. Ein Wirkstoff wird in der Bekämpfung des Ebola-Virus eingesetzt, der zweite in der AIDS-Behandlung.

Die nicht so guten Nachichten:

Keiner weiß bisher genau, wie sich das Virus entwickelt. Grippeschutzimpfung bringt gegen Corona nichts. Ein Impfstoff gegen Corona ist noch nicht gefunden – und es wird auch noch dauern! Im günstigsten Fall könnte es aber im Herbst einen Wirkstoff gegen das Virus geben. In der Bevölkerung gibt es keine natürliche Immunität, weil es sich um ein neuartiges Virus handelt. Das heißt, es gibt auch keinen Ersthelferschutz durch Immunität. Vorerkrankte und alte Menschen, vor allem Männer, sind gefährdeter.

Praktische Tipps und Ratschläge gab es auch:

Ordentlich Hände waschen – mindestens 30 Sekunden lang mit ordentlich Seife! – und darauf achten, sich weniger mit den Händen ins eigene Gesicht zu greifen. Nur in die Armbeuge niesen oder husten. Panikkäufe sind verständlich ("Subjektiv hohe Angst bei objektiv geringer Ansteckungswahrscheinlichkeit."), aber rational nicht nötig. OP-Masken als Mundschutz bringen wenig. Die Infektionsschutzmasken mit Filter wirken mehr, aber man bräuchte bei ordentlicher Nutzung fünf pro Tag. Am wichtigsten: Diese Schutzvorrichtungen sollten den Ärzten und Pflegern vorbehalten bleiben – die brauchen sie dringender. Wer den Verdacht hat, dass er betroffen ist, möge zunächst telefonisch bei Ärzten Rat und Infos suchen und sich nicht in voll besetzte Wartezimmer setzen.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH