Mit 26,5 Millionen Euro gehört "Das Boot" zu den teuersten deutschen Serien aller Zeiten. Doch was hat die achtteilige Serie mit dem Original zu tun und warum bekamen die Anwohner in Malta bei den Dreharbeiten Angst? 

Kriege kennen kein Happy End. Und so steht auch hier schon nach knapp zehn Minuten fest: Ein Boot kann sinken. "Ein Boot" wohlgemerkt. Nicht "das Boot". Mit einer ungewöhnlich langen, fulminant erzählten Actionsequenz beginnt die mit Spannung erwartete gleichnamige Sky-Serie. Dann erklingen die bekannten Töne des populären Soundtracks. Und schon zu diesem Zeitpunkt ist klar: "Das Boot" nimmt sich ernst.

Sicher: Die Serie versteht sich auch als klassisches Drama. Es geht um menschliche Schicksale, um Beziehungen untereinander, und da bleibt der eine oder andere Dialog mit eher trivialem Touch nicht aus. Vor allem aber ist das hier eine Kriegsgeschichte. Und schon deshalb verdient das Wagnis ein Lob. Mancher wird die Brutalität der Bilder beklagen. Aber wer das Thema ohne schicken Hochglanz angeht und damit auch das filmische Original von Wolfgang Petersen aus dem Jahr 1981 würdigen will, der darf nicht zimperlich sein. Am 23. November startet Sky in Deutschland mit der Ausstrahlung der Serien-Neuauflage des Klassikers, der damals auf der Basis des gleichnamigen Romans von Lothar-Günther Buchheim entstand und Kinogeschichte schrieb.

Serie "Das Boot" ist weder Remake noch Fortsetzung

Sky Deutschland, Bavaria Fiction und Sonar Entertainment zeichnen für die achtteilige Serie verantwortlich, die wieder nur schlicht "Das Boot" genannt wurde. Sie ist weder Neuverfilmung noch Fortsetzung. Keine der Originalfiguren wird erwähnt oder taucht gar noch einmal auf. Vor Anfang an war klar: Etwas Neues musste her. Das Budget: 26,5 Millionen Euro für acht Stunden Film.

Die Handlung setzt 1942 ein, neun Monate nach dem Originalfilm mit Jürgen Prochnow, Herbert Grönemeyer und anderen. Erzählt werden parallel zwei neue Geschichten: eine an Land und eine an Bord eines U-Boots. Gedreht wurde in Prag, La Rochelle, Malta und München.

Rund 40 Mann stark ist die Besatzung der U-612, die sich im Hafen von La Rochelle auf ihre Jungfernfahrt vorbereitet. Erste Konflikte werden früh offensichtlich. Denn als neuer Kaleun hat der wenig erfahrene Klaus Hoffmann (Rick Okon) das Kommando. Der ältere 1. Wachoffizier Karl Tennstedt (August Wittgenstein) hat seine Bedenken, was dessen Qualifikation betrifft. Unter anderem auch mit an Bord: der leitende Ingenieur Robert Ehrenberg (Franz Dinda), der auf eine traumatische Vergangenheit zurückblickt. Und Oberfunkmaat Frank Strasser (Leonard Schleicher), der eher zufällig zur Mission stößt und ein Geheimnis mit sich trägt.

Die Genannten sind derweil nur ein kleiner Teil der riesigen Besatzung. "Das Boot" fordert seine Zuschauer. Es ist nicht einfach, sich die Vielzahl der Charaktere zu merken und sie richtig einzuordnen. Zumal sich einige an Bord auch optisch sehr ähneln.

Der Brite Tony Saint ("The Interceptor") und Johannes W. Betz ("Der Tunnel", "Die Spiegel-Affäre") sind die Head-Autoren der Eventserie. Früh war klar, dass diesmal anders als beim Original nicht nur eine Handlungslinie erzählt werden würde. Die zweite spielt an Land, wo sich die aufkommende Résistance, der Widerstand gegen die Nazis, formiert. Hier steht die junge Simone Strasser (Vicky Krieps) im Mittelpunkt, die Schwester des Funkers Frank. Sie gerät unversehens zwischen die Fronten, als sie für ihren Bruder einen rätselhaften Geheimauftrag annimmt. Ihr Chef, der Gestapo-Mann Hagen Forster, wird von Tom Wlaschiha gespielt, der Serienfans durch die Rolle des Jaqen H'ghar in "Game of Thrones" bestens bekannt ist.

Aufnahmen im Boot erinnen an das Original

Die Zweiteilung prägt auch den Look der Mammut-Produktion. Während die Aufnahmen an Land eher konventionell wirken, erinnern die Bilder aus dem Inneren des Bootes tatsächlich an das filmische Original, bei dem damals Jost Vacano die Kamera führte: beengt, bewegt und mit dem typischen Farbstich der Innenbeleuchtung versehen.

"Das Boot" gehört nicht nur zu den teuersten, sondern auch zu aufwendigsten deutschen Serienproduktionen. 105 Tage lang wurde gedreht. Die Innenaufnahmen des Bootes entstanden in einem Prager Studio unter extremen Bedingungen. Bisweilen arbeiteten 15 Schauspieler auf 17 Quadratmetern, dazu kam die Crew. Auf dem 45 Meter langen Set wurden detailgetreu die Innenräume eines U-Boots nachgebaut, von der Kapitanskajüte über Kombüse bis hin zum Funkraum. "Es war physisch und psychisch fordernd", erinnert sich Hauptdarsteller Rick Okon, der als Kapitänleutnant in die Fußstapfen von Jürgen Prochnow tritt, im Interview. Beraten wurde das Team am Set dabei von Fregattenkapitän a.D. Jürgen Weber.

Auf Malta, wo die Außenaufnahmen der U-612 entstanden, wurde Nacht um Nacht bis in die frühen Morgenstunden gearbeitet. Teils unter erschwerten Wetterbedingungen. Strömender Regen in den Nächten machte es allen Beteiligten nicht leicht. Hier wie auch in La Rochelle kam auch die 240 Tonnen schwere Replica des Boots zum Einsatz. Was bei den Bewohnern der eigentlich an Dreharbeiten gewöhnten Hauptstadt La Valletta zunächst für Aufruhr sorgte. Als das Boot erstmals als Horizont auftauchte, registrierte die Stadtverwaltung eine Vielzahl von besorgten Anrufern.

Erfrischend ehrlich gibt sich rückblickend Regisseur Andreas Prochaska, der bei allen acht Folgen der Serie in der Verantwortung stand. "Du weißt, dass du an einem Denkmal kratzt", sagte er. Durch seine Arbeit für die TV-Reihe "Spuren des Bösen" mit Heino Ferch, vor allem aber mit dem Kinofilm "Das finstere Tal" war er ins Gespräch gekommen. Der monatelange Dreh sei eine Herausforderung der besonderen Art gewesen. Aber schon, als das Angebot kam, stand für ihn außer Zweifel: "Wenn die mich wollen, dann mache ich das."

Starttermin ist der 23. November 2018

In Deutschland startet "Das Boot" nur bei Sky. Die acht Episoden stehen ab 23. November zum Abruf bereit. Darüber hinaus strahlt Sky1 die Serie immer wöchentlich freitags in Doppelfolgen ab 20.15 Uhr aus. Anders als bei der Serie "Babylon Berlin", die gemeinsam mit der ARD hergestellt wurde, ist kein weiterer deutscher Sender mit an Bord. Marcus Ammon, Senior Vice President Film und Entertainment bei Sky, ließ bisher offen, ob und wann es eine Sublizenzierung geben wird. Die Exklusivität auf dem deutschen Markt sei diesmal für Sky von besonderer Bedeutung gewesen, zumal man sich beim Münchner Pay-TV-Unternehmen schon ob der starken Marke wichtige PR-Effekte erhofft.

Tatsächlich war schon seit Bekanntgabe des Projekts vor über einem Jahr das öffentliche Interesse immens. Und mit einhergehend der Druck, der ob des großen Namens auf einer Produktion wie dieser lastet. Dass "Das Boot" ein unternehmerischer Erfolg für Sky wird, scheint unabhängig von den Zuschauerzahlen schon festzustehen: Die Serie wurde bereits in über 100 Territorien verkauft. Und wie für alle Sky-Eigenproduktionen gilt auch für diese: Eine Fortsetzung ist nicht ausgeschlossen.

Ins Spiel gebracht wurde das Projekt von der Bavaria, deren CEO Dr. Christian Franckenstein die Idee hatte. Bis zum heutigen Tag gehört "Das Boot" zu den renommiertesten Produktionen des Geiselgasteiger Filmstudios. Früh hatte die Bavaria die Rechte für die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Lothar-Günther Buchheim erworben. Neben der Kinoversion, die für sechs Oscars nominiert wurde, erschienen ein Director's Cut (1997) und eine Fernsehserie (1985).

Begleitet wurde "Das Boot" für die Bavaria durch die Produzenten Oliver Vogel und Moritz Polter. Letzterer betont die Bedeutung der Beteiligung von Sonar Entertainment, die für die internationale Auswertung der Serie über Europas Grenzen hinaus verantwortlich sind. "In einer Zeit, in der das Wort 'Klassiker' überbeansprucht und pauschalisiert verwendet wird, ist 'Das Boot' eines jener seltenen, wahren Originale, die zweifellos in diese Kategorie passen", sagt Sonars Executive President Jenna Santoianni.


Quelle: teleschau – der Mediendienst