Film im ZDF

"Das Tal der Mörder": Haushaltshilfe serviert Logiklöcher

von Christopher Schmitt

Um herauszufinden, wer vor vielen Jahren ihren Vater tötete, heuert eine junge Frau als Haushaltshilfe auf einem Hof an. Während sie die Wahrheit sucht, sucht der Zuschauer die Logik.

ZDF
Das Tal der Mörder
Kriminalfilm • 26.10.2020 • 20:15 Uhr

Der ganze Mumpitz beginnt regelrecht philosophisch: "Keine wahre Liebe ohne Gerechtigkeit, und keine wahre Gerechtigkeit ohne Liebe", schwadroniert Anton Gasser (Fritz Karl) versonnen am Fenster. Kurz darauf stürzt seine Frau, die offenbar vor jemandem flüchtet, mehrere Meter in die Tiefe und verunglückt tödlich. Dieser mysteriöse Vorfall spielt in der erstmals gezeigten ZDF-Kriminalgeschichte "Das Tal der Mörder" von Regisseur Peter Keglevic aber lediglich eine untergeordnete Rolle. Zuvorderst dreht sich die teils abstruse Story um einen Todesfall, der bereits Jahrzehnte zuvor zu den Akten gelegt wurde. So viel sei verraten: Beide Fälle werden aufgeklärt, aber den Zuschauern stellen sich diverse Fragen, die unbeantwortet bleiben.

Eva Kufner (Anna Unterberger) hat ihren Vater nie kennengelernt, er starb vor ihrer Geburt, offiziell bei einem Bergunfall. Erst auf dem Sterbebett offenbart ihr die Mutter, dass sie sich sicher sei, dass er ermordet wurde. Angeblich aus Eifersucht, von seinem ehemals besten Freund Anton Gasser, welcher ebenfalls in sie verliebt war und nun möglicherweise am selben Ort auch seine Frau tötete. Nach deren Ableben fristet Gasser gemeinsam mit seinen zwei Söhnen Jakob (Franz Dinda) und Florian (Gerrit Klein) ein Dasein auf dem Familien-Hof, einem Paralleluniversum, in dem ganz eigene Regeln herrschen. Der Tod der Mutter setzt der Familie spürbar zu, durch das Unglück brechen lange schwelende Konflikte auf. Eva erhält als Haushaltshilfe unverhofft und unter falschem Namen Zugang zum Hof, wo sie versucht herauszufinden, ob es sich bei Gasser wirklich um den Mörder ihres Vaters – und vielleicht auch den seiner Ehefrau – handelt.

Das regelrechte Einschleichen Evas in den innersten Kreis der Familie, die zudem als schwer zugänglich und eigen dargestellt wird, läuft dabei erstaunlich einfach. Einzig dem stets übel gelaunten Jakob kommt die Scharade seltsam vor, und er äußert mehrmals sein Misstrauen. Allerdings stößt er bei Vater und Bruder auf taube Ohren. Mehr noch: Anton findet Gefallen an der neuen Haushaltshilfe, was Eva weitere Chancen bietet, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Erstaunlicherweise wird umgekehrt jedoch auch sie von ihm angezogen, und es beginnt zu knistern.

So ziemlich alles an dieser hanebüchenen Geschichte bleibt vage und unausgegoren. Immer wieder drängen sich dem Zuschauer haufenweise Logiklöcher auf: Nur, weil der vermeintliche Mörder des eigenen Vaters, der zudem vor ihren Augen seine eigenen Söhne piesackt, etwas charmant daherredet und adrett daherkommt, entwickelt Eva direkt Gefühle für den älteren Anton? Warum ist es einem Mann, der offenbar etwas zu verbergen hat, so völlig egal, dass er nichts über die Vergangenheit seiner neuen Haushaltshilfe weiß, welche sogar behauptet, ihre Dokumente seien gestohlen worden? Warum finden so viele auf dem Hof und im nahen Dorf Evas Neugierde auffällig oder gar verdächtig, aber einige nicht verdächtig genug, um sich einer praktisch völlig Fremden anzuvertrauen?

Da plaudert die junge Wirtin munter über das Verhältnis zur Familie ihres Exfreundes mit einer Person, die sie erst seit kurzer Zeit kennt. Das eben noch todunglückliche Häufchen Elend Florian, das nicht mal mit den engsten Verwandten über den Verlust der Mutter sprechen will, redet über seine Gefühle. Ob sich Gasser zu Eva hingezogen fühlt, weil sie ihn an seine große Liebe erinnert, ist ebenfalls nicht wirklich nachvollziehbar. "Das Tal der Mörder" operiert stattdessen mit Andeutungen und Metaphern.

Zumindest Hauptdarsteller Fritz Karl macht seine Sache wie immer sehr ordentlich. Er schafft es tatsächlich, sowohl den herrschsüchtigen Vater und den tief verletzten Ehemann, als auch den erfahrenen Charmeur glaubwürdig zu verkörpern. Über die eklatanten Schwächen der mäßig spannenden Story kann seine Performance allerdings nicht hinwegtäuschen.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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