Ohne Erinnerung und mit blutverschmiertem Messer in der Hand wacht im ZDF-Film "Der 7. Tag" eine Frau auf. Hat sie ihren Mann getötet? Eine düstere Mixtur aus Krimi, Thriller und Familiendrama.

Es ist Albtraumsituation und klassisches Thrillerszenario gleichermaßen: Man wacht auf, ohne viel Erinnerung an den Vorabend, in der Hand ein blutverschmiertes Messer. Die grauenhafte Vorstellung, einen Menschen umgebracht zu haben, ohne sich dessen bewusst zu sein, liefert Filmemachern seit Jahrzehnten eine zeitlose Steilvorlage.

Was zuletzt in der hochgelobten HBO-Mini-Serie "The Night Of – Die Nacht einer Wahrheit" bis ins Detail ausbuchstabiert wurde, findet nun auch zur montäglichen Primetime im ZDF statt: Im Krimi-Thriller "Der 7. Tag" wird eine Frau mit einem Mord konfrontiert, den sie angeblich begangen haben soll. In düsteren Bildern versucht sich die Adaption des gleichnamigen Kindle-Bestsellers von Nika Lubitsch an einer attraktiven Mixtur aus Whodunnit-Krimi, Psychothriller und Familiendrama.

Baby verloren und allein zurückgelassen

Morgenstund' hat Schuld im Mund: Regisseur Roland Suso Richter lässt seine Hauptfigur Sibylle in einem fremden Hotelzimmer aufwachen – in blutigem Laken und mit einem Messer in der Hand. Es ist nicht ihr Blut, augenscheinlich hat sie jemandem etwas angetan. Sie erinnert sich nicht. Darstellerin Stefanie Stappenbeck verleiht dieser ausweglosen Situation die angemessene Verzweiflung; für den Zuschauer ist die emotionale Reaktion auf ihre Lage den gesamten Film über beinahe schmerzhaft nachvollziehbar.

Einen Toten gibt es tatsächlich, es ist Sibylles verschollener Mann (Steve Windolf), der anderthalb Jahre zuvor ohne jede Spur in Richtung Südamerika verschwand. Wie man in Rückblicken erfährt, die sich vom realitätsentrückten Sepiagrau durch noch düsterere Bilder abheben, hatte sich der Notar mit 20 Millionen Euro geprellter Mandanten in der Tasche abgesetzt – und die schwangere Sibylle ohne ein einziges Zeichen allein zurückgelassen. Ohne Geld verlor sie Haus, Hab und Gut sowie – für sie ein Trauma – ihr Baby.

Kein Wunder also, dass nicht nur die Indizien, sondern auch das Motiv den ermittelnden Kommissaren zunächst eindeutig erscheint. Bald schon jedoch zweifeln die beiden Ermittler – prominent besetzt mit einer aparten Josefine Preuß sowie Henning Baum als Kommissar im Rollstuhl, die sich direkt als neues "Tatort"-Duo zu bewerben scheinen.

Familiendrama und verschwörerischer Thriller

Währenddessen versucht die Beschuldigte Sibylle mit Hilfe ihrer Freundin Gabi (Katharina Schüttler) und deren Mann Ullrich (Marcus Mittermeier), der einst mit Michael eine Kanzlei führte, ebenfalls der Wahrheit über den Mord auf den Grund zu gehen. Mit zumindest dramaturgisch erfreulichen Folgen: "Der 7. Tag" funktioniert nicht nur als klassische kriminalistische Täter-Jagd, sondern zugleich als Familiendrama und verschwörerischer Thriller. Trotz bisweilen überbordender Psychologisierung und überzeichneter Abgründe: So düster und verzweifelt zeigt sich das deutsche Fernsehen leider viel zu selten.


Quelle: teleschau – der Mediendienst