Schauspielerin Jella Haase ist vielen Zuschauern vor allem als stark geschminkte Schülerin Chantal aus "Fack ju Göhte" bekannt. Im Interview hat sie verraten, wie viel von Chantal tatsächlich in ihr steckt und was sie von Elyas M'Barek noch lernen kann.

Chantal ist frech, stark geschminkt und in der Schule eher unmotiviert. Die Zuschauer feierten die Schülerin allerdings schon in den ersten zwei Teilen von "Fack ju Göhte" umso mehr. Am 26. Oktober 2017 kommt der dritte und letzte Streifen der Reihe in die Kinos, und mittendrin darf sich die Schauspielerin Jella Haase wieder neben Elyas M'Barek in ihrer Paraderolle der Chantal beweisen.

prisma: Vier Jahre lang haben Sie jetzt Chantal in "Fack ju Göhte" gespielt. Warum hat Ihnen ausgerechnet diese Rolle so gut gefallen?

Jella Haase: Ich konnte mich nach Lust und Laune austoben. Bora Dagtekin schreibt einfach geniale Dialoge, die sofort und für lange Zeit im Kopf bleiben. Katja Riemann hat so schön gesagt: "Man liest das Drehbuch und jubelt innerlich, dass man solche Sätze sagen darf."

prisma: Auf was darf sich der Zuschauer im Hinblick auf Chantal im dritten Teil freuen?

Haase: Das Publikum lernt Chantal noch mal ganz anders kennen. Sie bekommt richtig viel Persönlichkeit, und schnell wird klar, dass sie das Herz eben doch am rechten Fleck hat. Und selbstverständlich wird es auch wieder richtig schräg und witzig mit ihr.

prisma: Wie viel haben Sie und Chantal gemeinsam?

Haase: So eine große Schnittmenge gibt es gar nicht, aber ein Funke von Jella steckt schon in Chantal.

prisma: Würden Sie sich privat mit Chantal verstehen?

Haase: Ich glaube, ich fände sie recht sympathisch und cool, aber ich denke Chantal würde mich nicht auf Anhieb mögen. Das ist einfach ein Bauchgefühl.

prisma: Obwohl Sie die Rolle mochten, müssen Sie sich jetzt verabschieden.

Haase: Ja, das ist nicht einfach, wobei Chantal mich ja auch weiterhin irgendwie begleitet. Das ist ein Abnabelungsprozess, den ich mir wie bei einem Kind vorstelle, das gerade laufen lernt.

prisma: Vermittelt "Fack ju Göhte" denn eine Moral?

Haase: Im dritten Teil haben wir sehr viel Wert darauf gelegt. Die Moral ist immer noch in einer sehr lustigen Geschichte verpackt, aber das widerspricht sich nicht. Es geht viel um Mobbing, sich die Fragen zu stellen, woran man glaubt und wohin man möchte. Welche Ziele setzt man sich, und wie erreicht man sie? Wir zeigen, dass es möglich ist, seine Träume zu erreichen und Vertrauen in das Leben zu fassen.

prisma: Haben Sie sich diese Fragen denn beim Dreh auch gestellt?

Haase: Es ist nicht nur für unsere Rollen essenziell, sich solche Fragen zu stellen, auch privat ist das notwendig. Gedanken wie: "Wo stehe ich gerade und macht mich das glücklich?" sind wichtig für die eigene Persönlichkeit. Diesen Reflexions-Prozess sollte man nicht unterbinden.

prisma: Sind Sie glücklich mit dem, was Sie tun?

Haase: Insgesamt schon sehr. Ich habe einen tollen Job und meine Arbeit macht mir Spaß. Aber ab und zu hat wahrscheinlich jeder mal Zweifel.

prisma: Hätten Sie einen alternativen Berufswunsch?

Haase: Ich würde sehr gerne studieren, vielleicht Geschichte, Literatur oder Theaterwissenschaften. Auch eine Arbeit im Café oder in einer Bar stelle ich mir irgendwie romantisch vor.

prisma: Haben Sie sich beim Drehen oft an Ihre Schulzeit erinnert?

Haase: Ja, das habe ich. Aber ich war eine ganz andere Schülerin als Chantal. Das ist das Fantastische am Film: Wir waren alle mal in der Schule und kennen Abläufe und Probleme. Jeder erinnert sich an eigene Erlebnisse aus der Schulzeit und kann sich identifizieren.

prisma: Sind Sie gerne in die Schule gegangen?

Haase: Es gab Fächer, da war ich sehr strebsam und saß in der ersten Reihe. Aber es gab eben auch die, die mich gelangweilt haben. Rückblickend vermisse ich die Schulzeit etwas.

prisma: Eine Klasse haben Sie ja sogar zweimal gemacht.

Haase: Ja, das ist richtig. Damals war das natürlich ein Drama, weil alle meine Freunde weitergekommen sind und ich in eine neue Klasse musste. Dabei wusste ich ganz genau, dass ich selbst die Schuld trug. Ich habe viel gedreht in der Zeit und mich wenig für die Schule angestrengt. Trotzdem kann ich heute sagen, es hatte etwas Gutes: Ich habe zwei meiner besten Freunde in der neuen Stufe kennengelernt, und die begleiten mich bis heute.

prisma: Wie werden Sie denn versuchen sich von dem Image der Chantal zu lösen?

Haase: Darüber denke ich nicht nach. Ich verhalte mich nicht in bestimmter Weise oder nehme nur noch bestimmte Rollen an, nur damit die Massen anders über mich denken. Meine Leistungen in anderen Filmen zeigen, dass man nicht Chantal sieht, wenn ich eine ernste Rolle spiele. Außerdem zeige ich mich auch als normales Mädchen, das eben den Beruf der Schauspielerin ergriffen hat. Chantal ist nur eine Rolle.

prisma: Das klingt sehr professionell. Aber haben Sie es auch geschafft, ein Profi zu bleiben, als die FC Bayern-Fußballer Sie am Set überrascht hat?

Haase: Das war natürlich super aufregend, vor allem, weil man mir nur gesagt hatte, die U20 von Bayern München käme zu Besuch. Das ist wirklich sensationell, was im Endeffekt auf die Beine gestellt wurde: Plötzlich stehen da David Alaba, Joshua Kimmich und Mats Hummels und spielen auch noch in unserem Film mit. Erst mal ist man perplex, aber dann arbeitet man am gemeinsamen Projekt und merkt, dass wir alle nur mit Wasser kochen.

prisma: Gehen Sie genauso locker mit Elyas M'Barek um?

Haase: Elyas ist für mich ein Kollege, mit dem die Arbeit viel Spaß macht, weil er einfach einen tollen Humor hat. Ich wertschätze ihn sehr, und wir sind gemeinsam einen langen Weg gegangen, bei dem ich viel von ihm lernen konnte. Er hat mich geprägt, und gerade was seine mediale Arbeit angeht, kann ich mir einiges abschauen.

prisma: Sie haben vor dem Kinostart schon viele Videos für YouTube produziert. Unter anderem einen Spot zur Bundestagswahl, in dem Sie gegen Rechts aufrufen. Sind Sie denn politisch interessiert?

Haase: Es war uns ein riesiges Anliegen, weil wir mit "Fack ju Göhte" viele Fans haben. Man muss sich dann auch positionieren, und das Statement gegen Rechts fanden wir dieses Jahr mehr als nötig.

prisma: Aber man überlegt als bekannte Person besser ganz genau, was man auf Instagram oder Facebook zeigt und schreibt, oder?

Haase: Ich beziehe Position, und das finde ich wichtig. Man sollte sich nicht davor scheuen, auch klare Worte zu sagen. Bei mir liegt der Fokus aber auch darauf, mich selbst zu zeigen, wie ich bin. Man muss nicht immer perfekt aussehen und posen. Es werden total unnatürliche Ideale geschaffen in den sozialen Medien, und das möchte ich ein bisschen aufbrechen.

prisma: Neben dem Wahl-Spot gibt es auf YouTube aber auch eine ganze Reihe von "Chantals Klassiker", in denen sie Literatur auf ihre besondere Weise zusammenfasst. Eine moderne Art, Lektüre aufzubereiten?

Haase: Auf der einen Seite muss man sagen, es ist einfach witzig gemacht, und manchmal brauchen die Menschen auch einfach mal etwas worüber sie lachen können. Das ganze ist ja keine ernst gemeinte Literatur-Kritik, sondern mit einem großen Augenzwinkern produziert. Trotzdem, finde ich, machen die Spots Lust darauf, die Lektüre vielleicht noch mal aufzunehmen. Wir klären eben auf unsere Weise auf und versuchen die Menschen dafür zu interessieren.

prisma: Welche Projekte würden Sie denn gerne noch angehen?

Haase: Ich würde unglaublich gerne mal in einem Liebesfilm à la "Romeo und Julia" von Baz Luhrmann mitspielen. Und wie wahrscheinlich viele deutsche Schauspieler würde ich mich auch über ein Angebot aus Amerika freuen.


Quelle: teleschau – der Mediendienst