Joko Winterscheidt will meiner seiner euen ProSieben-Show "Beginner gegen Gewinner" beweisen, dass er die TV-Zuschauer auch ganz ohne Klaas unterhalten kann. Mal nicht Rücksicht auf einen Partner nehmen zu müssen, sei "ziemlich geil", verrät der 38-Jährige im Interview.

Auch wenn man bisweilen einen anderen Eindruck bekommen konnte: Ja, Joko Winterscheidt gibt es auch ohne Klaas Heufer-Umlauf. Oft war der Moderator in den vergangenen Jahren allerdings nicht ohne seinen Kollegen zu sehen, mit dem er seit 2009 regelmäßig gemeinsam vor der Kamera steht. Nach dem Aus der Late-Night-Show "Circus HalliGalli" dürfte sich das aber ändern. Nachdem Klaas zuletzt mit seinem Politformat "Ein Mann, eine Wahl" auf Solopfaden wandelte, moderiert Joko ab Samstag, 28. Oktober 2017, 20.15 Uhr, seine erste Samstagabendshow bei ProSieben alleine: In "Beginner gegen Gewinner" treten Hobbysportler zum Wettkampf gegen Profis an – die allerdings mit einem bestimmten Handicap zu kämpfen haben.

prisma: Joko, wie bekommt man jemanden wie Timo Boll dazu, mit einer Bratpfanne Tischtennis zu spielen?

Winterscheidt: Uns ging es nicht darum, jemanden vorzuführen. Die Sportler gehen ernsthaft an ihre Grenzen und geben alles. Timo Boll, einer der legendärsten Tischtennisspieler, ist noch immer ein verbissener Profi, der jedes Spiel gewinnen will, auch wenn er keinen Schläger, sondern eine Bratpfanne in den Händen hält. Das ist spektakulär anzusehen.

prisma: "Beginner gegen Gewinner" ist Ihre erste Samstagabendshow ohne Klaas. Wie war es, alleine auf der Bühne zu stehen?

Winterscheidt: Ziemlich geil! Und komplett anders. Es ist toll, nicht Rücksicht auf einen Partner nehmen zu müssen, weil man ihm vielleicht sonst die Pointe versauen würde. Man ist nur für sich selbst verantwortlich, das macht vieles leichter. Aber ich habe Klaas auch vor der Show angerufen und gesagt: "Digga, wenn ich das Ding gegen die Wand fahre: I'll be back!"

prisma: Haben Sie ihn vermisst?

Winterscheidt: Ne. Das ist so wie in einer Band, wenn einer ein Soloprojekt machen will, weil er andere musikalische Interessen hat. Wir haben fast zehn Jahre unseres Fernsehlebens miteinander verbracht. Da denkt man sich schon, wenn man alleine vor der Kamera steht: Wo isser denn? Aber im Vorfeld war Klaas der beste Berater, den man haben kann, weil wir uns in- und auswendig kennen. "Beginner gegen Gewinner" ist meine Show, produziert wird sie aber von unserer gemeinsamen Firma. Also ist es unser gemeinsames Baby.

prisma: Freunde sind Sie aber immer noch nicht geworden?

Winterscheidt: Ich sitze nicht daheim und denke mir, ich müsste Klaas mal auf einen Kaffee treffen. Wir sehen uns jeden Tag in der Firma. Ist auch gut so, denn sonst würde mein Privatleben zwangsläufig irgendwann auch von Klaas bestimmt werden. Und das will man ja nun wirklich nicht (lacht).

prisma: Nervt es Sie eigentlich, dass man Sie immer in einem Atemzug mit Klaas erwähnt?

Winterscheidt: Wenn ich Leute in der Stadt sehe, fragen die immer: "Wo ist Klaas?" Da denke ich mir: Freut euch doch, dass wir uns sehen. Wieso fragt ihr immer nach Klaas? Anscheinend ist er sehr beliebt. Aber eigentlich ist mir das relativ wurscht.

prisma: Ist eine Primetimeshow am Samstagabend noch immer das Hochamt im deutschen Fernsehen?

Winterscheidt: Auf jeden Fall. Da entstehen die klassischen Lagerfeuermomente. Leider Gottes werden diese Momente weniger, weil es andere Anbieter am Markt gibt, die das Sehverhalten verändern. Für mich ist der Samstagabend aber noch der Abend in der Woche, an dem ich selbst vorm Fernseher sitze und mir Shows angucke. Es ist Teil meiner Sozialisation, dass der Samstagabend der gemütliche Abend zum Fernsehen ist.

prisma: Wie lange wird das noch so sein?

Winterscheidt: Das wird sich zeigen. Ich gehöre einer Generation an, die mit dem Fernsehen groß geworden ist. Für mich ist Fernsehen nicht nur relevant, weil es mein Job ist, sondern weil ich es liebe und sehr gerne schaue. Wenn ich im Ausland bin, schaue ich immer, was da so läuft. So lange es nicht nur bei Streamingdiensten Qualität gibt, sondern auch im Fernsehen, hat das Fernsehen auch eine Zukunft.

prisma: Muss man bei einer Samstagabendshow eigentlich seriöser sein als bei Ihren bisherigen Formaten?

Winterscheidt: So seriös kann's nicht sein, wenn ich es moderieren darf! Aber ich muss mir natürlich meiner Position bewusst sein. Die Show ist für die ganze Familie gedacht, so ein Format hat automatisch eine ganz andere Größe.

prisma: In welcher Fernsehtradition sehen Sie sich selbst?

Winterscheidt: Ich komme von MTV, und bin dankbar dafür, dass ich mich dort ausprobieren konnte. Aber ich bin ein "Wetten, dass ..?"-Kind. Samstagabend Gottschalk gucken, und wenn die Familie dann eingepennt ist, "Miami Vice" hinterher. Und auch die ganzen Stefan-Raab-Sendungen am Samstagabend. Das waren immer Shows, die für jeden etwas geboten haben. Die habe ich geliebt. Und ich glaube, dass uns das mit "Beginner gegen Gewinner" gelungen ist. Das ist die Welt, die man sich selbst für den Samstagabend wünschen würde.


Quelle: teleschau – der Mediendienst