Mit Armin Rohde und Axel Prahl treffen im Krimi "Der gute Bulle" zwei deutsche Top-Schauspieler aufeinander. Es geht um einen Kindermörder und eine offene Rechnung.

Fredo Schulz, gespielt von Armin Rohde, watet einem zu Beginn dieses Films mit ausgebreiteten Armen im Wattenmeer entgegen, die Schnapsflasche in der Hand. "Hol' mich doch!", ruft er herausfordernd der erwarteten Flut entgegen, so dass man kaum glauben mag, dass ihn zwei ehemalige Kollegen zurückholen wollen ins Sonderkommissariat nach Berlin: "Sie werden gebraucht, Herr Schulz!". "Ich bin raus!" ruft der Exkommissar zurück und füllt damit die jetzt noch fehlenden Lücken im Krimi-Klischee. Schulz ist einer wie Schimanski, der seinen Abschied längst genommen hat. Nur in besonders schweren Fällen wird er, der titelgebende "gute Bulle", noch gebraucht. Diesmal geht es um Kindermord und Kindsentführung. Schulz sagt ja – er hat noch eine alte Rechnung offen.

Einst hatte er den Hochverdächtigen Roland Bischoff laufen lassen müssen, die Beweise trugen nicht. Dabei war Schulz felsenfest davon überzeugt, dass Bischoff ein Kindermörder war. Zweimal schon waren Kinder zuletzt in der Nähe einer Eisdiele gesehen worden, die Zierschirmchen der Eisbecher waren das Letzte, was von den Kindern blieb. Noch fehlen die Leichen, und schon wird von Neuem ein Kind, die siebenjährige Ashley Bols (Amala Fischer), entführt. Schulz würde Roland Bischoff, den vermeintlichen Täter, am liebsten fressen. Haltlos schleudert er ihm denn auch seien ganzen Zorn entgegen, während sich die Mutter des Kindes völlig sicher ist: "Sie bringen Ashley zurück, ich sehe Ihnen das an."

Zu sehr vom Blatt gespielt

Leicht zu erkennen: der Film des Thriller-Spezialisten Lars Becker (Buch und Regie) ist ein Krimi, der mit den Mustern des Genres spielt. Ein Bulle wird zurückgeholt, und er wird es richten. Zwei hochkalibrige Schauspieler werden sich einen Zweikampf liefern: Rohdes Gegenspieler, der Kindsentführer Roland Bischoff, wird von Axel Prahl gespielt, als Münsteraner "Tatort"-Kommissar immer auf der anderen Seite des Gesetzes. Kann er Paroli bieten?

Leider nur zum Teil. Bischoffs Erregung über die ihm vom feindlichen Kommissar untergeschobenen Vergehen als Kinderschänder wirkt doch allzu sehr vom Blatt gespielt. Bis in den Bereich des Psychopathischen dringt Axel Prahl nicht vor – der kinderliebe Eisdielen-Onkel ist dann doch zu wenig, um wirklich düstere Schatten zu werfen. Geradezu unbeteiligt wirkt zudem Gaby Dohm als Mutter des Bösewichts, die ihr 50-jähriges Muttersöhnchen auf aberwitzige Weise deckt.

One-Man-Show von Armin Rohde

So wird dieser Film, der wie ein Spin-off der Lars Beckerschen ZDF-Krimireihe "Nachtschicht" wirkt, vor allem zu einer One-Man-Show des Ausnahme-Schauspielers Armin Rohde. Stark, wie er den gegen die Trunksucht ankämpfenden Kommissar außer Diensten mimt, mit wunderbar trockenen Becker-Sprüchen. "Ich weiß, wie's schmeckt", antwortet er ablehend, wenn der Barkeeper nach einer weiteren Bestellung fragt. Und beim Whisky beobachtet er angeblich nur "das Schmelzen des Eises".

Beckers Film möchte man gerne einen guten Gebrauchskrimi nennen. Aber nicht zuletzt seines ernsten Themas wegen – Kindermord und Kindsentführung – wirkt er eher wie ein halbherziger Angriff auf die "Tatort"-Reihe im anderen Kanal.


Quelle: teleschau – der Mediendienst