In seinem neuen Werk "Magic In The Moonlight" hat Woody Allen eine Frau für sich entdeckt, die sogar zaubern kann. Dem Film hilft das allerdings nicht.

Woody Allen zu sein, das ist sicher nicht einfach. Nicht, weil sich der Altmeister der psychoanalytischen Tragikomödie sein Leben lang selbst durch analysewürdige Beziehungen manövrierte, sondern weil er von Jahr zu Jahr neuen Stoff braucht: Neue junge Frauen beispielsweise, die seine Filme schmücken. Oder neue Kulissen in seinem Fantasieeuropa der neurotischen Oberschicht. Schien diese bisweilen fragwürdige, bisweilen geniale Altersphase mit der Rückkehr in die USA im wunderbaren "Blue Jasmine" 2013 schon abgeschlossen, geht's in "Magic in the Moonlight" (2014) nun erneut in die alte Welt, genauer ins Südfrankreich der 20er-Jahre. Dort wird vor romantischer Kulisse wieder nobel debattiert und diniert. Und natürlich verdreht ein junges Mädchen einem älteren Mann den Kopf. Dass sie dieses Mal sogar zaubern kann, macht das Werk aber nicht weniger seicht.

Besagte neue Altherrenfantasie wird von der überaus talentierten Emma Stone verkörpert, die dieses Jahr den Oscar als Beste Hauptdarstellerin in "La La Land" gewann. In "Magic In The Moonlight" verzaubert sie als eine Art Medium die intellektuelle amerikanische Oberschicht an der Côte d'Azur. Sophie, so der Name der jungen Dame, vermag es, auf verblüffende Weise wahrzusagen, Gedanken zu lesen und Dinge schweben zu lassen.

Ermüdende Oberflächlichkeit

Den dazugehörigen Herren gibt diesmal ein wundervoll grimmig-zynischer Colin Firth als Magier Stanley, seines Zeichens ein bekannter Illusionist, der unter anderem das Publikum im wilden Berlin jener Zeit begeistert. Als einer, der die Täuschung perfektioniert hat, wird Stanley im Auftrag eines Magierkollegen an die spätsommerliche Südküste Frankreichs bestellt, um Sophie zu enttarnen. Doch kommt es, wie es kommen muss: Stanley vermag es als Mann der pragmatischen Wissenschaft nicht, Sophies Tricks und Geheimnisse zu enthüllen und verfällt im weichen Licht der Provence nicht nur ihrer Zauberkunst, sondern auch ihrem Charme.

In der warm ausgeleuchteten Szenerie des ländlichen Südfrankreichs, in dem die Schönen und Wohlhabenden Zuflucht suchen dümpelt die fade Handlung seicht dahin. Gelang Allen in "Blue Jasmine" mit einer fantastischen Cate Blanchett als existenziell zugerichtete Ex-Reiche noch ein Ausbruch aus seinem Standard-Repertoire, so kehrt er in "Magic In The Moonlight" wieder in banale Muster zurück. Was an sich nicht schlimm wäre, schließlich gab es in Allens Spätwerk neben Perlen wie "Whatever Works" oder "Midnight in Paris" immer genau diese Art standardmäßiger Romantic-Comedy-Kost. So vermochten es "Vicky Cristina Barcelona" und "To Rome With Love", die unerträgliche mediterrane Leichtigkeit des Seins durch süffisante Überspitzung oder wendungsreiche Plots auf den Arm zu nehmen. Das neue Werk hingegen scheitern daran, die ermüdende Oberflächlichkeit zu brechen.


Quelle: teleschau – der Mediendienst