In der ARD-Komödie "Der König von Berlin" wird die Hauptstadt mit Ratten geflutet. Ein Provinzkommissar geht den Tierchen in der ARD-Komödie auf den Grund.

Kaum etwas wird vor den deutschen Fernsehgeräten intensiver verfolgt als hiesige Kriminalfilmproduktionen. Man kann es deshalb ebenso eigenartig wie folgerichtig nennen, dass die Krimikomödie hierzulande noch immer skeptisch beäugt wird – trotz sehenswerter Genreperlen von "Bang Boom Bang - Ein todsicheres Ding" bis zum "Tatortreiniger". Wieviel Potenzial im deutschen Lachen über Mord und Co. eigentlich stecken kann und wie man dieses gern auch wieder vergibt, lehrt uns der "Der König von Berlin", der in der gleichnamigen ARD-Komödie einen Provinzkommissar zur Rattenjagd in der Hauptstadt animiert. Zwischen charmanten Ideen und unerwartet subtilem Humor lauern in der Verfilmung des Horst-Evers-Romans an allen Ecken nicht nur Nagetierchen, sondern auch langatmige Konventionen.

Horst Evers schreibt gern und viel über die deutsche Hauptstadt. Für einen Berlin-Film gibt es also kaum einen besseren Vorlagengeber als den Bestsellerautor von Werken wie "Vom Mentalen her quasi Weltmeister" und "Wäre ich Du, würde ich mich lieben". Mit "Der König von Berlin", vor fünf Jahren als Roman veröffentlicht, findet nun ein beliebter Bestseller Evers den Weg ins Fernsehen. Der Autor selbst beschreibt die ambitionierte Grundphilosophie dahinter am besten: "Das Spannungsverhältnis zwischen Größenwahn und Minderwertigkeitskomplex ist das ewige Thema Berlins. Es ist das Thema des Buchs. Es ist das Thema des Films. Gott sei Dank birgt dieses Thema aber auch sehr, sehr viel Komik. Denn sonst wäre es echt zum Heulen."

Abseitige Krimikomödie mit viel Potenzial

Ein richtiger Berlin-Film ist die Krimikomödie trotzdem nicht geworden. Zwar spielt der Film mit dem gern thematisierten Widerspruch zwischen Provinz und Metropole – ein junger Kommissar aus Cloppenburg wird nach Berlin versetzt und trifft dort auf die "charmante" Art der Hauptstädter ("Beklopptenburg"). Zwar geht es in der Tat um die ambivalente Hassliebe der Berliner zu ihrer subventionierten Hauptstadt – eine Rattenplage bekommt die Stadt nicht in den Griff, weil sich hinter den Kulissen der Macht eine unheilvolle Melange aus Korruption und Strippenziehern verbirgt. Doch abseits der gestreuten Berlin-Verweise ("Arm, sexy und voller Ratten") entpuppt sich die ideenreiche Adaption vor allem als etwas abseitige Krimikomödie mit viel Potenzial.

Genutzt wird dieses allerdings nicht immer: Der Provinzkommissar Lanner, passabel provinziell von Florian Lukas verkörpert, gerät sofort in seinen ersten Fall – den Tod des Schädlingsbekämpfers Machalik (Carl Heinz Choynski). Der unsympathische Hauptkommissar (Max Hopp) geht von Selbstmord aus, Lanner von Mord. Vorhersehbare Spielchen zwischen beiden beginnen, eine junge Kollegin (Anna Fischer) hilft dem von ihr verehrten Lanner schließlich.

Standard-Kost ohne Überraschungen. Ideenreicher und von subtilem Humor begleitet wird der Plot, sobald die Ratten-Verschwörung ins Spiel kommt – und mit ihr skurrile Charaktere wie der klischeegeschwängerte Berliner Bürgermeister (Uwe Preuss) und der absichtlich mit russischem Akzent sprechende Kammerjäger Matthes (Marc Hosemann). Allein: Ratten, Berliner und eigenartige Figuren tragen nicht ganz bis zum langatmigen Ende.


Quelle: teleschau – der Mediendienst