Mit "Bad Cop – Kriminell gut", zeigt RTL ab Donnerstag die erste von insgesamt fünf geplanten neuen Serien. Inhaltlich dreht sich alles um einen Kriminellen, der das Leben seines toten Zwillingsbruders – einem Kriminalkommissar – übernimmt. Das funktioniert vor allem dank Hauptdarsteller David Rott erstaunlich gut.

Fünf neue Serien will RTL in der kommenden TV-Saison auf den Markt werfen. Erstaunlich für einen Sender, der mit dem fiktionalen Genre fast abgeschlossen zu haben schien. Die komödiantische Krimierzählung "Bad Cop – Kriminell gut" macht den Anfang. Erwarten sollte man nicht zu viel. Die solide, aber unterm Strich konventionelle Story eines kindsköpfigen Lebemannes und Kriminellen, der nach dem Tod seines Zwillingsbruders in dessen Leben als Kriminalkommissar und Familienvater schlüpft, stellt ziemlich viele Behauptungen in den leeren Raum. Dennoch ist die Serie nicht so schlecht, wie man es nach einer kurzen Inhaltsbeschreibung denken könnte – was vor allem an Hauptdarsteller David Rott liegt. Los geht's mit einer Doppelfolge.

Rollentausch mit Hindernissen

Solange sich Menschen Eintrittskarten für Kinofilme kaufen, in denen Männer und Frauen, Dicke und Dünne oder Alte und Junge die Körper tauschen, kommt man auch mit dieser Story durch. So dachten sie wahrscheinlich bei RTL, als man Headautorin Claudia Kratochvil ("Männer! Alles auf Anfang", "Katie Fforde") das Okay fürs Schreiben von zehn Teilen "Bad Cop" erteilte. Während einer Schießerei im Hamburger Hafen wird Kommissar Jesko Starck (David Rott) tödlich von Kugeln getroffen. Tragisch nicht nur, weil Jesko verheiratet war und zwei Töchter hatte. Kurz vor seinem Tod sah er am Einsatzort zudem seinen kriminellen Bruder Jan (ebenfalls David Rott) wieder, den er zwei Jahre aus den Augen verloren hatte. Der jüngere der beiden Zwillinge lebt sein Leben nach dem Lustprinzip – mit wenig Verantwortung. So schläft er regelmäßig mit der Frau eines Gangsterbosses und zieht ohne moralische Bedenken das ein oder andere krumme Geschäft durch.

Ganz anders Jesko. Er war erfolgreicher Kommissar, Vater einer halbwüchsigen und einer kleinen Tochter sowie mit Bea (Alma Lieberg) verheiratet. Die firmiert auch gleichzeitig als dessen Chefin, auch wenn das Paar seit einiger Zeit privat getrennte Wege geht. Aus Liebe zum jüngeren Zwilling bittet Jesko Jan kurz vor dem letzten Atemzug, die Chance aufs Ordnen des Chaos zu nutzen und sein Leben zu übernehmen. Nach vollzogenem Rollentausch ist natürlich dennoch nicht alles in Butter, sonst gäbe es ja keine Serie. Während Jan seinem jungen Partner, Kommissars-Anwärter Lúis Pinto (Daniel Rodic) und anderen Kollegen mit Geschick verheimlicht, dass er von seiner Arbeit keine Ahnung hat, finden er und die Frau seines toten Bruders sich gegenseitig überraschend neu.

David Rott spielt mit großem Charme

Jede der zehn Episoden des neuen Hamburg-Krimis behandelt einen abgeschlossenen Fall, während die privaten Erzählstränge kontinuierlich weitererzählt werden. Dabei rennt, klettert und schummelt sich David Rott mit großem Charme in die Herzen des unterhaltungswilligen Zuschauers – auch wenn die Serie an sich konventionell gestrickt ist. Überraschend aus der Zeit gefallen ist die Musik von Nik Reich und Jaro Messerschmidt ("Cobra 11"): Lärmende Bluesrock-Riffs im quietschenden Synthiegewand erinnern an 80er-Jahre Soundtracks von Harold Faltermayer ("Beverly Hills Cop") oder Jan Hammer ("Miami Vice"). Trotz eines gewissen Trashfaktors nicht die schlechteste Referenz – und vielleicht ja ein Hinweis auf Genrevorbilder der neuen RTL-Serie.


Quelle: teleschau – der Mediendienst