Jane Fonda und Robert Redford beweisen in der Netflix-Produktion "Unsere Seelen bei Nacht" eindrucksvoll wie Romantik im Alter funktioniert.

Ein halbes Jahrhundert ist es her, dass Jane Fonda und Robert Redford in "Barfuß im Park" als Corie und Paul Bratter in die Flitterwochen fuhren. 1967 standen die beiden Schauspieler am Anfang ihrer Karriere – heute blicken sie auf Welterfolge und Auszeichnungen zurück. Für die Netflix-Produktion "Unsere Seelen bei Nacht", basierend auf dem gleichnamigen Roman von Kent Haruf, trafen sich der heute 81-jährige Redford und die gut ein Jahr jüngere Fonda noch einmal vor der Kamera.

"Ich bin einsam und vermute, du bist es auch"

Sie sind nicht mehr das Sex-Symbol und der Frauenheld – obwohl sie ihren Charme keineswegs verloren haben. In dem subtilen Drama akzeptieren sie viel mehr ihr Alter und machen es zum Thema. Addie Moore (Fonda) ist verwitwet, genau wie ihr Nachbar Louis Waters (Redford), der seinen Tag mit Kreuzworträtseln und einem Männerstammtisch bestreitet.

Außer der Nachbarschaft verbindet die zwei Senioren wenig. Bis Addie mit einem seltsamen Vorschlag vor der Türe steht: "Wärst du interessiert daran, manchmal zu mir zu kommen und mit mir zu schlafen?" Nach erstaunten Blicken ihres Gegenübers führt sie weiter aus: Es gehe nicht um Sex, nur um Gesellschaft und Gespräche. "Ich bin einsam und vermute, du bist es auch."

Verwirrung und ein sichtliches Unbehagen verfliegen schnell. Durch ausgibige Unterhaltungen vor dem Einschlafen lernt der Zuschauer nach und nach die Lebensgeschichten der beiden kennen – auf Rückblenden wird verzichtet. Behutsam entsteht mit jeder Erzählung etwas mehr Vertrauen, das dem Publikum durch lange Kameraeinstellungen vermittelt wird. Ihr Arrangement und die bald entstehende Liebe bricht aber eine gesellschaftliche Konvention, denn das neue Paar eckt bei Mitbürgern und der eigenen Familie an. Sich im höheren Alter zu verlieben, scheint immer noch ein Tabu zu sein, das in der sanften Liebesgeschichte mit Stil gebrochen wird.

Viel Geduld nötig

Ruhige Melodien untermalen die Romanze, die anscheinend sagen möchte: Nehmt euch Zeit! Denn Regisseur Ritesh Batra fordert von den Zuschauern nicht nur Empathie für die Figuren, sondern auch viel Geduld. Etwas mehr Tempo und eine lebhaftere Figureninterpretation hätte dem fantastischen Darsteller-Duo trotzdem nicht geschadet.


Quelle: teleschau – der Mediendienst