Die aufwendige Historienserie "Die Pest" avancierte Anfang 2018 in ihrem Mutterland Spanien zum Megahit. Nun will sie den deutschen Pay-TV-Markt erobern. Ist Sky Atlantic mit ihr ein Glücksgriff gelungen?

Im späten 16. Jahrhundert gilt die spanische Hafenstadt Sevilla als Tor zur (neuen) Welt. Der Handel floriert, doch in den Slums steigt das Elend. Der perfekte Nährboden für eine der schlimmsten Infektionskrankheiten der Menschheitsgeschichte: die Beulenpest. Diese steht nämlich in der spanischen Hitserie mit dem schlichten Titel "Die Pest" kurz vor dem Ausbruch. Der reiche Kaufmann Luis (Paco León) will die Quarantäne der Stadt allerdings mit Bestechungsgeldern um ein paar Wochen hinauszögern, weil er eine wichtige Schiffsladung aus Amerika erwartet. Parallel dazu wird sein alter Weggefährte Mateo (Pablo Molinero) damit beauftragt, den Bastardsohn eines verstorbenen Freundes in Sevilla aufzuspüren – obendrauf ist ihm auch noch die Heilige Inquisition auf den Fersen ... Sky hat sich die Rechte an der erfolgreichsten spanischen Serie aller Zeiten gesichert und schickt die sechs Episoden von Staffel eins ab 19. Juli 2018 immer donnerstags, 20.15 Uhr, in Doppelfolgen auf Sky Atlantic ins Rennen um die Gunst seiner Abonnenten.

In Spanien hat die Eigenproduktion aus dem Hause movistar+ Anfang des Jahres etwas Sensationelles vollbracht. Denn die Serie des größten spanischen Pay-TV-Anbieters wies HBOs Dauerbrenner "Game of Thrones" in die Schranken und ergatterte die höchsten Einschaltquoten, die der Sender je einfahren konnte. Ob das gerechtfertigt ist? Definitiv. Alleine den immensen Ausstattungsaufwand muss man wertschätzen: Das mittelalterliche Sevilla wurde in erdigen Farben und mit einer gehörigen Portion Düsternis in Szene gesetzt. Das Elend auf dem Bildschirm wirkt derart real, dass man sich gar selbst vor den desaströsen hygienischen Zuständen ekelt. Körperflüssigkeiten, Fäkalien, Prostitution, Tod und Verderben – im Serien-Sevilla lauert die Gefahr an jeder Ecke. Auch den bestialischen Gestank, den das chaotische Treiben in der Hafenstadt zur Folge hat, riecht man förmlich in den eigenen vier Wänden.

Sets, Kostüme, Requisiten – alles perfekt

Audiovisuell macht das Format so einiges daher und braucht sich in dieser Hinsicht überhaupt nicht vor der großen Konkurrenz aus den USA zu verstecken. Sets, Kostüme, Requisiten – alles perfekt rekonstruiert. Die Optik macht schon einen Großteil des Reizes aus, die Ausleuchtung erinnert in Teilen an Gemälde großer Künstler. Doch auch die Figuren und die Handlung überzeugen. Natürlich findet Mateo den jungen Valerio (Sergio Castellanos) nicht sofort. Mehrere Hindernisse müssen überwunden werden – Verrat und Täuschung sind nur einige der Probleme, mit denen der Suchende konfrontiert wird. Und dann macht ihm der uneheliche Sohn seines früheren Freundes einen Strich durch die Rechnung: Der gewiefte Valerio liefert den Ex-Ketzer ans Messer der Inquisition – auch die Liebe zu Leandra (Lupe del Junco) spielt hierbei eine gewichtige Rolle.

Nun steht der Zurückgekehrte mit dem Rücken zur Wand: Mateo wird zum Tode verurteilt. Nimmt er jedoch einen weiteren Spezialauftrag an, vermag er es womöglich, seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Denn das Aufdecken einer mysteriösen Mordserie würde ihm seine Freiheit wiedergeben. Mateo willigt also ein: Leichen und okkulte Symbole pflastern fortan seinen detektivischen Weg. Zudem gerät er alsbald in die Wirren einer gewaltigen Verschwörung... "Die Pest" ist sicherlich nichts für schwache Gemüter, dafür sind die Themen und Bilder viel zu düster. Insbesondere die Brutalität von und gegenüber Kindern ist immer wieder schmerzhaft mitanzusehen.

Gleich in der ersten Folge erscheint die andalusische Stadt wie ein Pulverfass: Wie lange kann die Bedrohung durch die Pest noch unter Verschluss gehalten werden? Ist die Krankheit überhaupt einzudämmen? Das symbolträchtige Schlussbild der Premierenepisode gibt darauf eine unmissverständliche Antwort: Die Apokalypse naht! Doch mit dieser düsteren Note und auf Realismus bedachten Attitüde ist den Serienschöpfern Alberto Rodríguez und Rafael Cobos etwas Besonderes gelungen: Eine europäische Krimihistorienserie, die international konkurrenzfähig ist und sich vor keinem noch so teuren Multimillionendollarformat zu verstecken braucht. Das vergleichsweise schmale Gesamtbudget von zehn Millionen Euro verbraucht das Westeros-Epos von HBO nahezu pro Folge.

Staffel 2 bereits in Auftrag gegeben

Inszenatorisch und dramaturgisch wurde bei "Die Pest" schlichtweg hervorragend gearbeitet. Doch es sind vor allem die Hauptcharaktere, die gleich zu Beginn durch Komplexität überzeugen. Bei den kreativen Verantwortlichen hinter der Kamera dürfte dies aber auch niemanden verwundern: Schließlich wurde der Kino-Krimi "La isla mínima – Mörderland" von Regisseur und Autor Alberto Rodríguez beim Spanischen Filmpreis 2015 mit zehn Goyas bedacht. Eine zweite Staffel von "Die Pest" wurde im Heimatland der Serie bereits in Auftrag gegeben. Man darf gespannt sein, wie das Publikum den so kühnen wie spannenden Historienstoff hierzulande aufnimmt. Mit "Game of Thrones" lag Sky ja schon einmal goldrichtig...


Quelle: teleschau – der Mediendienst