Wenn die Zivilisation versagt, sind sie gewappnet: "Szene Deutschland" besucht so genannte Prepper, die sich auf den Ernstfall vorbereiten.

Wochenlange Stromausfälle, unbarmherzige Naturkatastrophen, ja, gar der Zusammenbruch des Staates: Wenn die Zivilisation zugrunde geht, wenn alle Institutionen versagen und jeder auf sich allein gestellt ist, wollen sie gewappnet sein: so genannte "Prepper" – abgeleitet vom englischen to prepare, zu Deutsch: sich vorbereiten. Vorbereitet sein auf das Chaos – für die Anhänger der Prepper-Szene kann das unterschiedliches bedeuten, wie Sascha Bisley in seinem neuen Film der ZDF-Reihe "Szene Deutschland" zeigt. Ob das Horten von Lebensmitteln, das Einmauern im Bunker oder Kurse für das Leben im Wald: Kritisch beleuchtet die Doku auf ZDFinfo (Mittwoch, 10. Januar, 20.15 Uhr) jene Männer und ihre Angst vor dem Zusammenbruch.

Das Warum ist schnell beantwortet: Der Staat wird uns im Katastrophenfall nicht retten können! – Darin sind sich jedenfalls die Prepper einig, die Sascha Bisley im Rahmen seiner ambitionierten "Szene"-Reihe begleitet. Man müsse deshalb selbst für den Tag X vorsorgen – um zu überleben und die Familie zu schützen. Fast ausnahmslos sind es mittelalte weiße Männer, die den Zusammenbruch unserer Zivilisation so sehr fürchten, dass sie ihre gesamte Freizeit für die Vorbereitung darauf opfern.

Mixtur aus Camping, Pfadfinderei und Armee

Die meisten von ihnen, so zeigt Bisley, der für die Reihe auch schon Hooligans und Straftäter besuchte, sind völlig harmlos. Beim Prepper-Kurs im Wald, in den sich einige im Fall der Fälle zurückziehen wollen, trägt man zwar Tarnkleidung, aber keine Waffen außer Speere und Messer. Ein erfahrener Survival-Coach bringt der kleinen Gruppe bei, wie man in der Natur überlebt – also robbt man an Seilen über Flüsse, unternimmt lange Fußmärsche und schlachtet am Ende eine Ente. Was in dieser eigenartigen Mixtur aus Camping, Pfadfinderei und Armee zählt, so findet Bisley heraus, ist in erster Linie die Kameradschaft. Viele Prepper bilden gar Gruppen, mit denen sie sich im Ernstfall gemeinsam durchschlagen wollen.

Ebenfalls eher nerdig als problematisch erscheint die zweite Gruppe Prepper, die der Reporter skizziert: Männer mit Kellern voller Lebensmittel, Medizin und Gasmasken; Männer mit selbstgebauten Bunkern, in denen zum Teil bis zu 20 Menschen Platz finden. Wird es in der Welt ungemütlich, so der Tenor, sind sie gewappnet. Tür zu, und man überlebt. Die Angst vor der Welt, vor der Bedrohung des Eigenen: Man kennt dieses Narrativ aus den letzten Jahren verstärkt von Vertretern der Neuen Rechten.

Ein Problem, dass "Szene Deutschland" glücklicherweise hinterfragt und ausführlich anspricht: Jeden der zwar verschrobenen, aber nicht bedrohlich wirkenden Prepper fragt Bisley in der Dokumentation nach den rechts politisierten Strömungen der Szene. Schutz der Heimat, Schutz der Familie, Zusammenbruch der alten Ordnung, das Recht des Stärkeren – und nicht zuletzt eine martialische Military-Ästhetik: All das macht die Prepper anschlussfähig an rechte Ideologen und Verschwörungstheoretiker.

Zombie-Apokalypse samt Bürgerkrieg

Kein Wunder also, dass sich nicht wenige in der Szene vor allem mit ihrem umfangreichen Waffenarsenal brüsten – insbesondere in den USA. Ebenfalls beliebt bei den fragwürdigeren Teilen der Bewegung: Die umfangreiche Vorbereitung für eine angeblich drohende Zombie-Apokalypse samt Bürgerkrieg – freilich initiiert von den geheimen Regierungen der Welt. Dass derlei krude Vorstellungen vom Großteil der Prepper abgelehnt werden, machen die in der Doku Befragten unmissverständlich klar.

Warum aber ist die Prepper-Kultur so beliebt bei Rechten und Waffenfanatikern, fragt Bisley. Liegt es an der Vorstellung, nach der Apokalypse eine neue hierarchische Gesellschaft unter der eigenen Führung aufbauen zu können? Nein, meint einer der Protagonisten, es sei umgekehrt. Die unliebsamen Szene-Kollegen hätten die an sich unpolitische Prepper-Kultur für ihre Zwecke entdeckt und missbraucht.


Quelle: teleschau – der Mediendienst