Ob privat oder öffentlich-rechtlich – auch für 2018 sitzen Sender und Produktionsfirmen an neuen Stoffen und Formaten. Wir stellen die Köpfe dazu und ihre Ideen vor.

Ein erstaunlich gutes Fernsehjahr liegt hinter uns – mit Serien wie "Babylon Berlin", "Weissensee" oder "Ku'damm 56", mit Comedy-Formaten wie Christian Ulmens "Jerks" oder der Dramaserie "4 Blocks". Die Enttäuschungen? Hielten sich in Grenzen. Und wie wird das Fernsehjahr 2018? Das entscheiden maßgeblich die klugen Köpfe hinter solchen Formaten. Zehn davon stellen wir Ihnen hier vor – und verraten, an was sie gerade arbeiten.

Annette Hess ("Ku'damm 59")

Der Dreiteiler "Ku'damm 56" gehörte zu den quotenstärksten Sendungen 2017 – durchschnittlich rund sechs Millionen Zuschauer sahen die Geschichte von Monika Schöllack (Sonja Gerhardt), die zwischen Prüderie und Emanzipation im Berlin der 50er Jahre aufwächst. Wichtigster Grund für den Erfolg: das pointierte Drehbuch von Annette Hess. Grund genug für das ZDF, Hess und die Zuschauer mit einer Fortsetzung zu belohnen. "Ku'damm 59" steht nach Aussage des Senders für die Absicht, "die weiblichen Themen der Zeit wie Emanzipation und selbstbestimmte Sexualität ins Zentrum dieses fiktionalen Mehrteilers zu stellen".

TV-TIPP Am selben Schauplatz und mit selber Besetzung wird die Geschichte von Monika Schöllack und ihrer Familie drei Jahre später weitererzählt. "Ku'damm 59" – ZDF, Frühjahr 2018. Noch ohne Sendezeiten.

Andreas Prochaska ("Das Boot")

Spätestens seit er für "Das finstere Tal" 2013 acht Auszeichnungen beim Deutschen Filmpreis bekommen hat, ist der österreichische Regisseur Andreas Prochaska auch in Deutschland eine feste Größe im Filmgeschäft. Für Sky darf der 1964 geborene Wiener derzeit eine der spannendsten internationalen Produktionen überhaupt drehen: "Das Boot" – eine Eventserie in acht Teilen nach dem gleichnamigen Bestseller und Blockbuster, bei der unter anderem Robert Stadlober und Rick Okon vor der Kamera stehen.

TV-TIPP Achtteilige Serie nach dem gleichnamigen Bestseller von Lothar-Günther Buchheim und dem weltweiten Blockbuster von 1981. "Das Boot" – Sky, Herbst 2018. Noch ohne Sendezeiten.

Iris Berben ("Die Protokollantin")

Die 1950 in Detmold geborene Schauspielerin gehört ganz sicher nicht zu den deutschen Stars, die sich auf ein Genre festlegen lassen. Und doch hat sie sich mit ihrer Rolle als Ermittlerin "Rosa Roth" besonders in die Herzen von Krimifans gespielt. Das dürfte ihr auch als "Freya Becker" gelingen. Die Garanten dafür: die originelle Perspektive (Becker ist Protokollantin in einem Morddezernat) und der hochkarätige Cast.

TV-TIPP Highend-Krimiserie mit Iris Berben und Moritz Bleibtreu nach einer Idee von Friedrich Ani und dem Buch der mehrfach ausgezeichneten Autorin Nina Grosse. "Die Protokollantin" – ZDF, 2018. Noch ohne Sendezeiten.

Jana Brandt ("Kruso")

Unter den ARD-Sendern gilt der MDR nicht gerade als besonders innovativ. 2018 aber könnte sich das ändern. Verantwortlich dafür: Fernsehfilmchefin Jana Brandt, die dem MDR beispielsweise die Produktion "Kruso" gesichert hat. Der Film erzählt von einer kleinen Gruppe Aussteiger auf Hiddensee, die im letzten Sommer vor dem Zusammenbruch der DDR ihre ganz eigene Utopie der Freiheit leben.

TV-TIPP Adaption des Romans "Kruso" von Lutz Seiler, der 2014 mit dem Uwe-Johnson- Preis sowie dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet wurde. "Kruso" – Das Erste, Herbst 2018. Noch ohne Sendetermin.

Christiane Paul ("Acht Tage")

"Babylon Berlin" war die erste deutsche Eigenproduktion von Sky – und sie hat viel Lob bekommen. Für 2018 legt der Sender nach. Nicht nur "Das Boot" soll dann laufen, auch die Science-Fiction-Serie "Acht Tage" ist für dieses Jahr geplant. Vielversprechend nicht nur, weil unter anderem der Oscar-prämierte Stefan Ruzowitzky Regie führt, sondern auch, weil eine der Hauptrollen mit Christiane Paul besetzt wurde – und bei der stehen nicht zufällig Auszeichnungen wie die Goldene Kamera oder der Max-Ophüls-Preis in der Vitrine.

TV-TIPP Science-Fiction-Serie, in der ein Asteroid auf die Erde zurast. Dabei im Fokus: eine ganz normale deutsche Familie. "Acht Tage" – Sky, Herbst 2018. Noch ohne Sendezeiten.

Cyrill Boss und Philipp Stennert ("Der Pass")

Die Drehbuchautoren Cyrill Boss und Philipp Stennert kennen sich seit dem Studium. "Wir wollten unbedingt in der Filmbranche Fuß fassen", so Boss. Das hat geklappt – mit Produktionen wie "Neues vom Wixxer" oder "Die Dasslers". Für ihr neuestes Werk haben sie auch Regie geführt: "Der Pass", eine Dramaserie über einen grausamen Leichenfund in den Alpen, exakt auf der Grenze zwischen Deutschland und Österreich. Für Deutschland ermittelt die junge Ellie Stocker, für Österreich Gedeon Winter, der kurz vor der Rente steht. Schon bald werden weitere, symbolisch arrangierte Leichen gefunden.

TV-TIPP Achtteilige Dramaserie, inspiriert von der dänisch-schwedischen Erfolgsproduktion "Die Brücke". Mit dabei: Julia Jentsch und Nicholas Ofczarek. "Der Pass" – Sky, 2018/2019. Noch ohne Sendezeiten.

Oliver Berben ("Die Geschichte eines Parfums")

Für manche Fernsehstoffe braucht es vor allem eine gute Idee. Und manchmal, da basiert eine solche Idee auf einer noch älteren, genauso guten Idee. Einer, der dieses Spiel beherrscht, ist Oliver Berben. Er hat sich den Roman "Das Parfum" geschnappt und daraus eine Serie entwickelt. Die Geschichte verlegt das Drehbuch von Eva Kranenburg an den Niederrhein und in die Moderne, doch was bleibt, sind die grundlegenden Themen: Mord – und die Verführung durch Macht, Liebe und den menschlichen Duft. Produktion: Berbens Firma Moovie und Constantin Television.

TV-TIPP Brutale Morde am Niederrhein führen in die Vergangenheit von fünf Schülern, die mit dem Geheimnis menschlichen Dufts experimentierten. "Die Geschichte eines Parfums" – ZDFneo, 2018. Noch ohne Sendezeiten.

Stefan Raab ("Das Ding des Jahres")

Vor der Kamera, so sein Versprechen, werden wir Stefan Raab nicht mehr sehen. Die Zeiten sind vorbei. Doch hinter den Kulissen ist der Ex-Moderator, Unternehmer und Produzent immer noch aktiv. Sein neuester Streich: die ProSieben-Show "Das Ding des Jahres" – ein Erfinderwettstreit um Millionen. In der Jury: Model Lena Gercke, Moderator Joko Winterscheidt und Rewe-Einkaufschef Hans-Jürgen Moog. Produziert wird die Show natürlich von Raabs eigener Produktionsfirma. Der Mann weiß noch, wie es geht.

TV-TIPP Erfinder treten mit ihren Innovationen gegeneinander an und kämpfen um den Hauptpreis, ein Werbebudget für ihr Produkt im Wert von 2,5 Millionen Euro. "Das Ding des Jahres" – ProSieben, erstes Halbjahr. Noch ohne Sendezeiten.

Regina Ziegler ("Gladbeck")

Die Grande Dame der deutschen Filmproduktion hat alles vorzuweisen, was eine erfolgreiche Karriere ausmacht: Kassenschlager, Quotenschlager, Auszeichnungen – und sogar eine Retrospektive im MoMA in New York. Für die ARD produziert die gebürtige Quedlinburgerin jetzt ein aufwendiges Drama über den Sommer 1988 und das Geiseldrama von Gladbeck. Einer der Geiselgangster, Hans-Jürgen Rösner, hatte zwar versucht, den Dreh zu verhindern, das allerdings ohne Erfolg. Vor der Kamera unter anderem mit dabei: Zsa Zsa Inci Bürkle, Arnd Klawitter, Ulrich Noethen, und Martin Wuttke.

TV-TIPP Der Zweiteiler schildert ein Verbrechen, das sich in das kollektive Gedächtnis eingebrannt hat und fragt, wie und warum Menschen ihre Moral verlieren. "Gladbeck" – Das Erste, 2018. Noch ohne Sendetermin.