Der Fernsehfilm "Es ist alles in Ordnung" setzt sich mit dem Thema Gewalt in der Familie auseinander. Beklemmend inszeniertes Psychogramm mit vielen Graustufen.

Familie. Ein Wort mit sieben Buchstaben. Vater, Mutter, Kind. Theoretisch ganz einfach, praktisch das vielleicht größte Wagnis im Leben überhaupt. Fallstudien über das schwierige Ding namens "Familie" gibt es im deutschen Film und Fernsehen viele, komödiantischer wie tragischer Natur. In letztere Kategorie fällt die nun im Ersten wiederholte WDR-Produktion "Es ist alles in Ordnung" (4,8 Millionen Zuschauer bei der Erstsendung im Januar 2014). Regisseurin Nicole Weegmann und das Autoren-Team Ingo Haeb und Christina Ebelt erzählen eine Geschichte vom Horror im Kleinen, die einem die Nackenhaare aufstellt.

Zwischen der schlimm pubertierenden Sarah (Sinje Irslinger) und Andreas (Mark Waschke, "Tatort" Berlin), dem neuen Freund ihrer Mutter Birgit (Silke Bodenbender), schwelt ein emotionaler Flächenbrand. Er möchte die Zuneigung seiner Stieftochter erzwingen. Sarah aber provoziert Andreas, dessen unangemessener Härte sie zu trotzen versucht. Vergeblich. Der Brandbeschleuniger ist Birgits Passivität, ja, ihr "pathologisches Wegschauen" wie Regisseurin Weegmann es formuliert.

Die blassen Farben und die manische Kameraführung von Ngo The Chau lassen eine unterkühlte Atmosphäre entstehen, die im Verlauf des Films immer beklemmender wird. Wer dennoch bis zum Ende dranbleibt, wird mit vielen Facetten von Grau belohnt, bei einem Thema, das weder Schwarz noch Weiß kennt.


Quelle: teleschau – der Mediendienst