Kate Winslet soll als "Gärtnerin von Versailles"einen Park bauen und verliebt sich in den Landschaftsarchitekten. Beim Zuschauer springt der Funke aber nicht so recht über, was auch an Sonnenkönig Alan Rickman liegt.

Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern, in der heckengeschützten Ecke einer Pflanzen- und Baumschule steht eine gemütliche Bank. Wer möchte hier nicht einmal über Verlust und Verlangen, Lust und Leid plaudern? Der 2016 verstorbene britische Charakterdarsteller Alan Rickman tut dies als König Ludwig XIV. im Kostümfilm "Die Gärtnerin von Versailles" mit Kate Winslet als titelgebender Dame. Eigentlich sind diese Momente eher Beiwerk, werden aber in der von Rickman auch inszenierten Komödie zur Hauptsache. Denn die darin erzählte Liebesgeschichte bleibt über weite Strecken ganz bildlich im Schlamm stecken. Das kommt eben dabei heraus, wenn nüchterne Engländer französische Passionen nachspielen wollen. Der vorletzte Film im diesjährigen "Sommerkino im Ersten" läuft zu später Stunde als Free-TV-Premiere.

Ende des 17. Jahrhunderts herrscht im absolutistischen Frankreich ein König, der von sich behauptet: Der Staat, das bin ich. Damit seine Höflinge ihn besser bewundern können, plant er für seine Selbstdarstellung eine Art riesige Bühne – die Schlossanlagen von Versailles. Ein ganzes Heer von Architekten macht sich an die Arbeit: André Le Nôtre (Matthias Schoenaerts) beispielsweise grübelt über der Gestaltung der Gärten. Um einen vergleichsweise kleinen, aber wichtigen Auftrag kümmert sich die renommierte Gärtnerin Sabine De Barra (Kate Winslet): Sie soll einen Park errichten, der gleichzeitig als Ballsaal unter freiem Himmel fungiert.

Den Architekten und die hingebungsvolle Pflanzenliebhaberin füreinander interessieren zu lassen – damit wähnt man den Film auf dem richtigen Weg. Man freut sich auf scheue Blicke und erst schüchterne, dann heiße Küsse. Man bangt wegen der Intrigen der eifersüchtigen und treulosen Gattin Le Nôtres (Helen McCrory) und wartet schließlich gespannt auf die Entstehung eines wundervollen Parks. Auf gewisse Weise bekommt man das auch alles zu sehen – allerdings unterkühlt, reizlos und insbesondere beim Höhepunktsgebaren im Bett sehr mechanisch.

Viel mehr als die sprichwörtliche Leidenschaft der Grande Nation durchweht den Film, dessen Crew und Besetzung keine französischen Namen verzeichnet, ein angelsächsisch-puritanischer Geist. Zwischen den Liebenden will der Funke nicht so recht überspringen. Und vom Park, den De Barra bauen soll, sieht man die meiste Zeit nichts als eine schlammige Baustelle. So knüpfen die Blumen und Gartenanlagen kein Band zwischen zwei Herzen, sondern dienen bloß als Vorwand für die Handlung.

Überhaupt wirkt der Film so, als wolle er weniger eine mitreißende Geschichte erzählen, sondern vielmehr Alan Rickman eine Bühne bieten. Der beeindruckende, aber bis zu seinem Tode meist in Nebenrollen ("Harry Potter", "Stirb Langsam") beschäftigte Mime darf hier als König und Regisseur endlich einmal Herr sein und andere herumkommandieren. Allerdings lässt Rickman auch für Selbstironie Platz, was insbesondere die Schlusseinstellung zeigt. Doch die Romantik blüht schlecht von des Autokraten Gnaden.


Quelle: teleschau – der Mediendienst