Am Freitag kommen die "Gilmore Girls" zurück. Doch warum sind die eigentlich so toll? Weil sie ein überholtes Frauenbild auf den Kopf stellen, meint unsere Autorin. Sie erklärt, warum sie sich auf die neuen Folgen freut. Ab morgen sind sie zu sehen.

Ich besitze kein Hello-Kitty-Waffeleisen. Aber dafür besitze ich eine Hello-Kitty-Eieruhr. Damit kann ich von mir behaupten, ich sei ein bisschen so wie Lorelai Gilmore aus der Serie "Gilmore Girls”. Die stellt nämlich in der vierten Folge der zweiten Staffel überzeugt fest: "Ich bin eine erwachsene Frau”. Und bekommt darauf von ihrer Tochter Rory zu hören: "Sagt die Frau mit dem Hello-Kitty-Waffeleisen”.

Als die Serie "Gilmore Girls” im Jahr 2000 ins Fernsehen kam, war sie fast ein bisschen revolutionär. Denn ein Mutter-Tochter-Gespann wie Lorelai und Rory Gilmore, das hatte es bis dahin noch nicht gegeben. Die beiden sind unkonventionell und schräg. Machen, was sie wollen. Sagen, was sie denken. Und besitzen Waffeleisen in Katzenform, obwohl zumindest eine von ihnen längst über 30 ist. Die Gilmores brechen Geschlechter-Klischees ebenso auf wie Rollenbilder: So gar nicht ladylike essen sie ständig und trinken Kaffee weit über jedes gesunde Maß hinaus. Sie reden viel und schnell. Sie kümmern sich umeinander, ganz gleich, wer hier Mutter und wer Tochter ist. Sie sind neurotisch und klug dabei und bleiben immer unabhängig, auch wenn sie gerade eine Beziehung mit einem starken Mann führen. Sie sind schlagfertig, sie sind politisch. Die Gilmore Girls sind anders. Die Gilmore Girls sind Vorbilder, ohne vorbildlich zu sein.



Frauenpower in Bestform

Wie in kaum einer anderen Serie oder einem Film stehen bei den Gilmore Girls starke Frauen im Mittelpunkt. Aber starke Frauen, die nicht perfekt sind und längst nicht alle Erwartungen erfüllen, die an sie gestellt werden. Da haben wir Lorelai, eine alleinerziehende Mutter, die schon mit 16 die Enge ihres Elternhauses verlässt und seitdem selbst für sich und ihre Tochter sorgt. Im Verlauf der Serie macht sie neben dem Beruf einen Studienabschluss, eröffnet mit ihrer besten Freundin Sookie ihr eigenes Hotel und baut es nach einem Feuer wieder auf.

Und da haben wir Rory, die strebsame Tochter ihrer durchgeknallten Mutter, die im Verlauf der sieben Staffeln ihren Weg erst finden muss. Sie wagt früh den Schritt aus der Kleinstadt in die große Welt und schafft es schließlich an die Eliteuni Yale. Von dort landet sie in einer Polizeizelle und unterbricht ihr Studium. Sie wird Journalistin, obwohl ein wichtiger Mann der Branche ihr ins Gesicht sagt, dass er sie für ungeeignet hält. Am Ende lehnt sie den Heiratsantrag ihres Freundes Logan ab, weil sie lieber als Reporterin mit Präsidentschaftskandidat Barack Obama durch die USA ziehen will. Beide, Lorelai wie Rory, bleiben sich immer selbst treu, auch wenn sie manchmal straucheln, nicht zuletzt in der Liebe. Und das gilt auch für die anderen weiblichen Charaktere der Serie wie zum Beispiel Rorys Freundin Lane, die gegen die Strenge ihrer Mutter rebelliert und sich schließlich mit ihr versöhnt. Oder für Lorelais Mutter Emily, die ihren Mann zwischenzeitlich ins Poolhouse verfrachtet, weil dieser sich jahrelang mit seiner Ex-Freundin zum Essen getroffen hat.

Die Gilmore Girls machen einfach Spaß

Die Gilmore Girls entwerfen ein mutiges, cooles, selbstbestimmtes Frauenbild. Und bringen es dem Zuschauer mitunter ganz unbewusst nahe. Den sogenannten Bechdel-Test bestehen alle Folgen der Serie, die meisten schon in den ersten Minuten. Er gilt als erfüllt, wenn in einem Film oder einer Serie zwei Frauen ein Gespräch führen, in dem es nicht um Männer geht. Das kommt seltener vor, als man glauben möchte.

Viele Fans dürften das Schicksal der Gilmore Girls trotzdem wohl eher nicht allein wegen ihrer feministischen Botschaft verfolgt haben. Sie dürften die Serie mögen, weil sie einfach gut gemacht ist. Die Dialoge sind schnell und witzig, der Humor ist schräg, doch dabei immer intelligent. 

Die Musik ist mit viel Fingerspitzengefühl gewählt, ebenso charmant werden Hinweise auf Literatur und Zeitgeschehen eingestreut. Die Figuren, auch die Nebenfiguren, sind mit so viel Liebe geformt, dass man schnell das Gefühl hat, mit ihnen befreundet zu sein. Ich kenne zwar nicht Kirks Nachnamen, weiß aber, dass er sich nie etwas anders als die Titelmusik von "Rocky” wünschen würde, wenn er den Tanzmarathon gewinnt. Ich weiß, was Michel alles für eine Karte für ein Celine-Dion-Konzert tun würde und kenne die Geschichten, die Miss Patty über ihre Ex-Ehemänner erzählt.

Es geht um Freundschaft

Gleiches gilt für den Ort des Geschehens. Die fiktive Stadt Stars Hollow ist mir vertraut, auch wenn ich ehrlich gesagt nicht wüsste, wie ich von Luke's Diner zu Lorelais Haus laufen müsste (das wurde in der Serie nie gezeigt). Aber ich weiß, wo in Doose's Market die Getränke stehen (hinten rechts), dass man bei Luke im Café sein Handy lieber in der Tasche lassen sollte und welches der schrägen Feste in Stars Hollow mir am besten gefällt (das Gründerfest). In die Welt von Stars Hollow einzutauchen, ist ein bisschen wie nach Hause kommen. Weil der Ort mit so viel Liebe zum Detail erzählt wird, und weil dort die Welt irgendwie in Ordnung ist. Außer natürlich, es entgleist ein Gewürzgurkenzug.

Zuletzt ist da der Plot, der fesselt. Die Gilmores haben Probleme wie du und ich. Sie wissen nicht immer gleich, welche Richtung sie in ihrem Leben einschlagen sollen, streiten sich mit ihrer Mutter und vermasseln Prüfungen jedweder Art. Und die Frage, ob Lorelai und Luke sich endlich kriegen und welchen ihrer Freunde Rory wählen wird, ist auch seit mittlerweile acht quälenden Jahren offen. Am Freitag wird sie endlich geklärt. 

"Ist es eine Serie?”, fragt Rorys Freund Dean in der ersten Staffel, als er zusammen mit Lorelai und Rory die "Donna Reed Show” sieht. "Es ist ein Lebensstil”, antwortet Rory. "Es ist eine Religion”, sagt Lorelai. So ist es auch mit den Gilmore Girls. Die Serie schafft viel mehr, als bestens zu unterhalten (wobei das auch schon viel ist). Sie zeigt, worauf es ankommt: Echte Freundschaft. Und man selbst zu sein.

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In Kooperation mit RP ONLINE.