"Er ist ein Mann, den das Leben trunken macht. Er ist wie ich ... Ich bin gefangen zwischen der Schönheit von June und dem Genie von Henry." So schwelgte die Pariser Skandalschriftstellerin Anais Nin in ihren Tagebüchern über den damals noch unbekannten Henry Miller und dessen Frau June. Eine obsessive Leidenschaft hatte sich zwischen den Bohemiens entwickelt, eine geistig wie erotisch intensive Beziehung, die beide Literaten in ihren Büchern ausgiebig verarbeiteten. Philip Kaufman, der bereits mit der Milan-Kundera-Verfilmung "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins" (1987) großen Erfolg verbuchte, nahm sich 1990 der explosiven Dreiecksgeschichte an. Sein Klassiker "Henry & June" wird jetzt auf 3sat wiederholt.

Langsam, in loser Szenenfolge und keiner klaren Chronologie folgend, führt er die Hauptpersonen des sinnlichen und tiefschürfenden Dramas ein. Allmählich setzt sich das Bild zusammen: das der zerbrechlichen Anais Nin (Maria De Medeiros), die fasziniert in die schrille Welt der Pariser Künstler-Szene eintaucht; das ihres äußerlich konservativen Gatten Hugh Guiler (Richard E. Grant), dem keine Extravaganz zu ausgefallen ist; das des Individualisten Henry Miller (Fred Ward), der das Leben in vollen Zügen genießt; und das der undurchsichtigen June (Uma Thurman), die das Klischee der überdrehten Schriftstellerfrau zur Lebensphilosophie macht.

Im Paris der 30er-Jahre treffen sie zusammen. Verbunden durch die Leidenschaft für Literatur entwickelt sich schnell eine heiße Affäre zwischen Henry und Anais, an der sich auch die liebeshungrige June genussvoll beteiligt. Von nun an gibt es im Leben der vier Bohemiens keinen Platz mehr für Randfiguren – zumindest grenzt der Film weitgehend aus, was sich nicht in diesem Quartett abspielt. Selbst für die in den Büchern Millers so bedeutsame Stadt Paris hat Philip Kaufman – der sich in seinem Film auf die Tagebücher und Romane von Miller und Nin beruft – kein Auge. Er konzentriert sich ausschließlich auf die lustvollen Obsessionen der vier Protagonisten, ohne dabei je vulgär zu werden. Mitunter zeichnet er das sinnliche Beziehungsgeflecht zu clean. Was Miller oft direkt und brutal, was Anais Nin sensibel und sinnlich schrieb, zeigt Kaufman sehr zurückhaltend – fast ein bisschen prüde.

Uma Thurman (48) ist aktuell in der VOX-Serie "Imposters" (mittwochs, 20.15 Uhr) zu sehen – in einer Nebenrolle.


Quelle: teleschau – der Mediendienst