Nach der am vergangenen Donnerstag gesendeten dritten "Wolfsland"-Folge, in der sich die Autoren Sönke Lars Neuwöhner und Sven S. Poser ein wenig am Skurrilen versuchten, kehrt die Krimireihe nun unter dem Titel "Irrlichter" zum ernsten Familiendrama zurück.

Der 67-jährige Gastwirt Arnold Olmützer (Michael Kind), im Nebenberuf charismatischer Fremdenführer und Held der Damenwelt, wurde niedergeschlagen und in einem See ertränkt. Die Görlitzer Kommissare Viola Delbrück (Yvonne Catterfeld) und "Butsch" Schulz (Götz Schubert) nehmen sich des Falles an. Olmützer hinterließ Sohn Clemens (Sergej Moya), Schwiegertochter Katrin (Sarah Bauerett) und Köchin Gesine (Johanna Gastdorf), die Schwester seiner vor ein paar Jahren verstorbenen Frau. Und dann wäre da noch Bastian (Sascha Göpel), Olmützers älterer Sohn, der jedoch der Familie den Rücken kehrte. Die Ermittler tauchen in ein Familiengeflecht aus Täuschenden und Enttäuschten ein – und müssen zudem mit eigenen Dämonen kämpfen.

Das Geschehen erinnert eher an einen "Tatort" alter Schule denn an einen klassischen ARD-Donnerstagskrimi, in denen es normalerweise mehr um schöne Landschaften und kriminalistische Leichtigkeit als um die Wucht des Verbrechens geht. Doch selbst, wenn sich die Schauspieler alle Mühe geben – das Geheimnis, welches es in 90 Minuten aufzuklären gilt, könnten Fachzuseher des deutschen TV-Stangenkrimis eventuell schon ziemlich früh erraten.

Viel besser und vor allem eigenständiger als das durchschnittlich gelungene Krimirätsel ist in "Wolfsland" – wie fast immer – das Zusammenspiel der ermittelnden Yvonne Catterfeld und Götz Schubert. Das ehemalige Chartswunder und der etablierte Theatermime – sie holen viel aus dem dünnen Stoff heraus, den "Wolfsland" ihnen bietet.

Als taffe, aber im Kern von ihrem stalkenden Ex-Ehemann traumatisierte Ermittlerin Viola Delbrück, überzeugt die mittlerweile 38-jährige Catterfeld auf der ganzen Linie. Auch Götz Schubert ist als unkonventioneller Outlaw-Ermittler in seinem Spiel zwischen Ironie und Verzweiflung wunderbar an- und aufgelegt. In jenen Szenen zwischen den beiden Ermittlern liegt der Reiz des Formats. Nun müsste das Autorenduo ("Wilsberg", "Stralsund") den beiden nur noch ambitionierte Fälle auf den Leib schneidern, dann könnte aus dem Krimistandort Görlitz noch etwas werden.


Quelle: teleschau – der Mediendienst