In der NDR-Doku "Kannst Du ein Tier töten?"  verfolgt eine junge Drau die letzten Tage eines Schafes hautnah, bis zur Schlachtung. Das TV-Experiment führt explizit vor Augen, was im Grunde jeder weiß: dass Fleisch nicht in der Supermarkt-Theke wächst.

Hier sollte eigentlich jeder hinschauen, auch wenn man viel lieber wegsehen möchte: Wenige Tage, bevor sich auch RTL-Extrem-Tester Jenke von Wilmsdorff in seinem neuen "Jenke-Experiment" ("Tiere lieben und Tiere essen – Wie viel Fleisch muss sein", Montag, 2. März, 20.15 Uhr) um das Thema der Ethik beim Fleischverzehr kümmert, lotet eine neue Doku im NDR-Dritten das viel diskutierte Feld mit einem gleichsam spektakulären didaktischen Ansatz aus. Wie kommt das Fleisch auf meinem Teller? – Das ist die Frage, um die es dabei geht. Und schon der Titel der Sendung weist darauf hin, dass die Aufarbeitung nicht vor der Schlachthoftür endet. "Kannst Du ein Tier töten?", heißt der zweiteilige Beitrag, der am Freitag, 28. Februar, und am Freitag, 6. März, jeweils 21.15 Uhr, im Dritten Programm des NDR zu sehen ist. Laut Sender zeigt die als Selbsterfahrungsexperiment angelegte Doku "Menschen, die den Mut aufbringen, die letzten Tage eines Tieres hautnah zu begleiten: von der Weide zum Schlachthof. Vom Leben zum Tod. Vom Tier zum Fleisch."

Für den Selbsttest hat sich auch die 24-jährige Studentin Maya entschieden. Dass ihre erste Schlachtung nicht einfach sein würde, liegt auf der Hand. Ruhig, aber auch sichtbar bestürzt verfolgt sie die Tötung des Schafs, das sie in seinen letzten Tagen begleitet hat. Die Kamera ist in diesen drastischen TV-Momenten dabei.

Wohlgemerkt geht es hier weder um Massentierhaltung noch um Tierverarbeitungsfabriken. Das Gegenteil ist der Fall. Die "Achtung vor der Kreatur", wie es der mit der Schlachtung betraute Fleischermeister nennt, hat bei der Weiterverarbeitung oberste Priorität und unterscheidet sich ebenso wie die Haltung der in der Doku gezeigten Tiere fundamental von der Fleisch-Maschinerie.

Bei dem zugehörigen Schäfer handelt es sich um den Stiefvater der Studentin. Für ihn ist das Schafe-Züchten eine echte Passion, und folglich jede Schlachtung eine Überwindung: "Je intelligenter ein Tier ist, umso schwerer ist es ja, es aus dem Leben zu befördern", sagt er in dem Beitrag. Eine Grenz-Situation, die auch mit steigender Erfahrung für ihn nicht einfacher wird. Man versteht schnell, warum seine Schafe keine Namen erhalten. Auch Maya erlebt das wollige Vieh beim Füttern auf der Weide noch mal ganz anders als gewohnt. Umso stärker ist das mulmige Gefühl der Studentin beim Gedanken an die Schlachtung.

"Wenn ich meine Schlachtkörper esse, habe ich manchmal das Gefühl, ich beiße in den Wald", preist Söth die Vorzüge der freien Haltung am Waldrand. Vor dem Genuss steht aber nun einmal die unangenehme Fahrt zum Schlachthof an. Die Tötung selbst wird dem Zuschauer sehr explizit präsentiert: Im gekachelten Raum folgen auf die Betäubung der tödliche Schnitt und das Ausbluten.

Maya kann sich gut vorstellen, dass das Experiment ihren Fleischkonsum verändert: "Es ist eine Erfahrung, die man mal gemacht haben sollte", findet sie. Schlussendlich bereitet sie gemeinsam mit ihrem Stiefvater das Fleisch zu und genießt es – mit Gemüse und Kartoffelbrei.

Auch wenn die Doku nur 30 Minuten dauert, hinterlässt sie nachhaltigen Eindruck. Natürlich wird nicht jeder danach den Fleischverzehr einstellen, das ist auch gar nicht die Intention eines solchen Formats, doch wer diese warm erzählte Geschichte verfolgt hat, wird fortan vielleicht mit einer anderen Grundeinstellung am Kühlregal respektive an der Fleischertheke stehen.

In der zweiten Episode am 6. März geht es um Lucas und Nils. Die beiden haben ein Schwein "geleast". Heißt: Sie suchen es sich als Ferkel aus, begleiten es bis zu seiner Schlachtung, und wollen jedes Stück Fleisch ihres Tiers verwerten.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH