In acht Folgen erzählt "Krieg der Träume" über das Ende des Ersten Weltkriegs aus Sicht von Betroffenen. ARTE und ARD strahlen die die Doku-Serie, die an die Erfolgsserie "14 – Tagebücher des Ersten Weltkriegs" anknüpft, in Deutschland aus.

Großen Zuspruch gab es, als 2014 zum 100. Jahrestag des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs bei ARTE und im Ersten die dokumentarische Dramaserie "14 – Tagebücher des Ersten Weltkriegs" lief. Die Geschichte des Ersten Weltkriegs wurde in acht Folgen aus der Perspektive von Betroffenen – von Soldaten, Hausfrauen und Arbeitern erzählt. Die Erlebnisse und Gedanken von 14 Protagonisten wurden damals mit Spielszenen sowie historischen Ton- und Filmdokumenten unterlegt.

Zum Weltkriegsende im November 1918 kommen nun wiederum Personen aus jener Zeit mit Gedanken aus ihren Erinnerungen, Tagbüchern und Briefen zu Wort. In der Doku-Serie "Krieg der Träume" geht um neue Ideen des Zusammenlebens und eine dauerhafte Sicherung des Friedens. Die mit zahlreichen internationalen Koproduktionspartnern von LooksFilm (Gunnar Dedio, Regie: Jan Peter) produzierte Serie porträtiert 13 Menschen in Erwartung einer besseren Welt. ARTE hat sie vom 11. bis 13.09., 20.15 Uhr, im Programm. Im Ersten ist "Krieg der Träume" am Montag, 17., Dienstag, 18., und am Montag, 24. September, 22.45 Uhr, zu sehen.

Nicht, wie Europa und die Welt von einer Katastrophe in die nächste schlitterte, soll hier also erzählt werden, sondern wie sich die Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft und Couleur damals fühlten, was sie bewegte.

Da ist, gleich zu Beginn, der Matrose Hans Beimler (den später Ernst Busch besang), der sagt: "Ich will nicht verrecken, wie Millionen andere. Ich habe noch nie Palmen gesehen, eine Torte gegessen, mit einem Mädchen geschlafen." Er wird sich später weigern, mit seinem Kanonenboot in einen letzten sinnlosen Kampf zu ziehen, wie es die Heeresleitung befiehlt. Der Matrosenaufstand in Kiel wird ein Auslöser für das Kriegsende sein. Beimlers Schicksal wendet sich indes tragisch: Er wird später als Kommunist in Dachau interniert und 1936 im Spanischen Bürgerkrieg gegen Franco fallen.

Am Schicksal Hans Beimlers (gespielt von Jan Krauter), aber auch an dem des späteren Auschwitzkommandanten Rudolf Höß, der den Militärs anlässlich des Waffenstillstands Feigheit vorwirft und sich einem rechtsnationalen Freiheitscorps anschließt, ist zu erkennen, dass diesmal politische Strömungen und Ideologien breiteren Raum einnehmen neben all den menschelnden Gedankenströme und Stimmungslagen. Umso wichtiger wird über die Strecke von 1918 bis 1939 das in zahlreichen Archiven weltweit zusammengetragene authentische Film- und Tonmaterial.

Mitunter "greifen" die häufig nur verdoppelnden Spielszenen aber auch vertiefend ein. Der Schauspieler Joel Basman macht aus dem späteren Auschwitzkommandanten mehr als eine bloße Bebilderung, er gibt dem späteren Massenmörder im Augenblick des Kriegsendes eine unvoreingenommene Mischung aus Hass und Soldatenpflicht mit auf den Weg. Andererseits die Polin Apolonia Chalupiec, die als Schauspielerin unter dem Namen Pola Negri ("Schwarzes Polen") Weltberühmheit erlangte: Da bleibt für Michalina Olszanska dann doch zu wenig Persönliches, um aus der bekannten Karrieregeschichte herauszutreten.

Gleiches gilt für andere Protagonisten, seien es Politiker, die beim Dinner forsch die Aufteilung der Welt verhandeln ("Machen wir aus jeder Nation einen Staat"), oder gar die Hitleranbeterin Unity Mitford, die das Vergnügen hatte, den Diktator bei der Eröffnung der Olympischen Spiele zu begleiten. Dramatische Zuspitzungen, die über das aus Historiensendungen hinlänglich bekannte Reenacting hinausgehen, sind eher selten. Wenn der vietnamesische Gesandte Ai Quoc (später Ho Tschi Minh) allerdings eine naive amerikanische Journalistin am Rande der Pariser Friedenskonferenz darauf verweist, sein Land sei nicht, wie behauptet, "neu" auf der politischen Weltkarte, sondern ein "altes Königreich", kommt so richtig dialogische Finesse ins Spiel.

Um die "Mentalität von Millionen Europäern" zwischen 1918 und 1939 und deren Veränderung von neuer Zukunftsgläubigkeit hin zu einem neuen Krieg zu beleuchten, dazu ist die Mischung aus biografischen Zitaten, Spielszenen und zahlreichen Filmdokumenten wohl doch nicht die einfachste Methode. Dafür kommt mithin viel vom "Tanz auf dem Vulkan" rüber, mit aufwendigen Nachtklubszenen, wie man sie etwa auch aus der Serie "Babylon Berlin" kennt.

Einige Szenen erinnern an Hollywood

Die Serie, die mit insgesamt 30 internationalen Koproduktionspartnern entstanden ist und in weltweit 15 Ländern ausgestrahlt werden soll, ist vor allem von ihrer Idee her (supranational, internationales Ensemble) jedoch ein Respekt gebietender Versuch, der vor allem für ein jüngeres Publikum seinen Beitrag zur Kenntnis des tragischen Werdegangs bis hin zum Zweiten Weltkrieg leisten kann. Anderen mag die Auffächerung der widerstreitenden Ideologien (Demokratie, Faschismus, Stalinismus) wiederum ein Zuviel an Informationen sein. Aber auch die Parallele zur heutigen Zeit mit ihren Migrationen und neu entstehenden Autokratien wird – womöglich zum Glück – nicht unbedingt deutlich.

Ein Spektakel ist die aufwendige Produktion dennoch. Dafür sorgen insbesondere auch die visuellen Effekte (VFX) der Stuttgarter Firma Mackevision. Wenn etwa gleich zu Beginn der Obermaat Beimler von Bord geht – mitten in einer Seeschlacht des Ersten Weltkriegs, hat das schon was von Hollywood. Eine apokalyptische Szene, die den Schrecken des Ersten Weltkriegs sichtbar macht. Gedreht wurde die Sequenz im Sommer 2017 in einem See. Das Team der Stuttgarter VFX-Spezialisten Mackevision begleitete die Dreharbeiten und schuf anschließend im Computer die Seeschlacht, die um Hans Beimler tobt. Dafür wurden Feuer und Bomben animiert, Schlachtschiffe bis ins Detail rekonstruiert, Lichter gesetzt und ein Badesee in die Nordsee verwandelt.

Das Erste (SWR) hat in seiner Mediathek ein informatives Programm eingerichtet, das zur freien Auswahl Unterhaltsames und Wissenswertes bereithält. Die Webseiten www.krieg-der-träume.de und x.swr.de/s/kriegdtraeume wurden bereits vor der Fernsehausstrahlung online gestellt. Im Zentrum des Multimediaprojektes stehen Facebook-Posts, die historische Schlagzeilen adaptieren, um Nachrichten aus der Zeit von 1918 bis 1939 "auch für jüngere Menschen greif- und verstehbar zu machen" (ARD). Die Meldungen griffen bewusst Themen wie Nationalismus, kriegerische Konflikte, Arbeitslosigkeit und Wohnungsnot auf, die auch heute wieder aktuell seien, heißt es seitens der Macher.


Quelle: teleschau – der Mediendienst