Nach fast 33 Jahren verabschiedet sich Schauspieler Joachim Luger von der "Lindenstraße" – der Serientod inklusive.

Aus und vorbei: Für Hans Beimer endet am kommenden Sonntag (2. Septmber, 18.50 Uhr im Ersten) nach fast 33 Jahren in der "Lindenstraße" abrupt ein Leben mit wenigen Höhen und vielen Tiefen. Und Schauspieler Joachim Luger, der dem Vater der Nation mehr als drei Jahrzehnte Gesicht und Gewicht verlieh, bricht zu neuen Ufern auf. In prisma spricht der 74-Jährige über seine Fernsehfamilie, den Grund für den Abschied und seine Pläne.

Nach über drei Jahrzehnten ist die "Lindenstraße" für Sie am Sonntag Geschichte. Schon wehmütig?

Mich nach 33 Jahren von meiner Figur Hans Beimer, von dem mir sehr vertrauten Ensemble und Team zu verabschieden, ist mir nicht leichtgefallen. Die "Lindenstraße" war wie eine zweite Familie. Aber irgendwann ist einfach genug, ich bin ja jetzt zehn Jahre über das Renteneintrittsalter hinaus.

Und ist jetzt Schluss ...?

Ja, denn es gibt noch andere Dinge im Leben. Man war ja nicht wirklich frei, da jederzeit Dreharbeiten und Nachdrehs möglich waren. Ich habe mir jetzt mehr Freiheit erkämpft.

Freiheit für was?

Im Oktober werde ich 75, da möchte ich noch einmal Neues wagen, freier in meinen Möglichkeiten sein, mehr Theater spielen. Und vor allem auch mehr Zeit für meine Frau, meine Kinder und Enkelkinder haben. Wenn ich jetzt zu neuen Ufern aufbreche, meine ich damit auch, dass ich meiner Segel-Leidenschaft mehr nachgehen kann.

Der Rollenfigur Hans Beimer wurde viel zugemutet: zwei Frauen, mehrere Kinder, Arbeitslosigkeit, Parkinson. "Hansemann" stand die auf der Gewinner-Seite ...

Stimmt, Hans Beimer war nie auf der Gewinner-Seite, musste immer wieder heftige Rückschläge einstecken. Ich hätte ihm schon ein wenig mehr pure Fröhlichkeit gegönnt. Nach all seinen Schicksalsschlägen müsste Hans Beimer eigentlich auf die Couch beim Psychiater.

Hans Beimer hinterlässt in der "Lindenstraße" zwei Familien. Welche wird Ihnen mehr fehlen?

Mit meiner "Taube" Helga Beimer (Marie-Luise Marjan) war ich die ersten drei Jahre in der Serie ja sehr intensiv zusammen, bis Hans sich 1988 in Anna Ziegler (Irene Fischer) verliebte. Mit Irene Fischer, die auch lange Zeit an den Drehbüchern mitgeschrieben hat, war es ein wunderbares berufliches Miteinander. Sie nicht mehr als meine Dreh- und Serienpartnerin zu haben, das ist für mich der größte Verlust.

Wie hat sich die "Lindenstraße" in drei Jahrzehnten verändert?

Wir hatten damals eine große Zeit, waren immer am Puls der Zeit. Als wir 1985 anfingen, waren wir mit vielen Themen wie Homosexualität, Drogenkonsum oder Kindesmissbrauch ganz weit vorne. Heute findet man das alles auch in den Daily Soaps. Uns sind damit ein wenig die Themen, das Alleinstellungsmerkmal, genommen worden. Heute zeigt sich die "Lindenstraße" aber frischer und jünger.