Schick gekleidet ist der Terroranführer, der im Action-Spektakel "London Has Fallen" (2015) die britische Hauptstadt in Schutt und Asche legen lässt. Als Edelmensch macht er sich natürlich nicht selbst die Hände schmutzig. Im Gegensatz zu den beiden ebenfalls adrett gekleideten Pseudo-Bonds, denen in der Fortsetzung zum Erfolg "Olympus Has Fallen - Die Welt in Gefahr" (2013) erneut die Ehre der Quasi-Weltrettung obliegt: dem US-Präsidenten und seinem furchtlosen Bodyguard. RTL zeigt ihren heldenhaften Kampf gegen fiese Terroristen als Free-TV-Premiere: eine Lehrstunde in absurder US-Polit-Action und Islamismus-Banalisierung – aber auch in Sachen Mode und Stil.

Dem Muster des Vorgängerfilms folgend, muss sich der US-Boss Benjamin Asher (Aaron Eckhart) auch in "London Has Fallen" wieder übermenschlich erscheinender Terror-Horden erwehren. Selbstredend nicht allein: Die Drecksarbeit erledigt erneut sein Leibwächter Mike Banning. Gespielt von Gerard Butler, sorgt der zähe Bodyguard mit Model-Attitüde und 007-Gebaren als Erster für den Eindruck: Terror, Actionkost und Style – das bekommt man schon irgendwie zum Blockbuster geschustert.

Doch von vorn: Als der britische Premierminister verstirbt, sind zur Beerdigung alle westlichen Staatschefs geladen. So auch Präsident Asher, trotz aller Sicherheitsbedenken. Dass dort keine besinnliche Trauerfeier wartet, sondern ein gigantisches Komplott, verrät natürlich bereits der Titel. Die zum Schutz abgestellten Kräfte aus Polizei, SEK und Armee sind in Massen von Terroristen aus dem Nahen Osten unterwandert, die nicht nur fünf Regierungschefs ermorden, sondern auch die Wahrzeichen Londons halb zerstören. Völlig allein müssen sich Präsident Asher und Banning nun einen Weg durchs Chaos bahnen. Frisuren und maßgeschneiderte Anzüge sitzen derweil perfekt, obwohl man von hochgerüsteten Terroristen gejagt wird.

Jene stehen unter dem Kommando des Millionärs Barkawi (Alon Aboutboul), der den Tod seiner Familie durch einen US-Drohnenangriff rächen will. Angesichts der Weltenlage wirkt das ein wenig verwirrend, führen die persönlichen Motive des Geschäftsmanns die reale Gefahr des politischen Islamismus und seiner Terrorgruppen doch ad absurdum. Was zu verschmerzen ist, schließlich verzeiht das Actionkino bekanntermaßen viel. Sehr viel. Zum Beispiel auch, dass ein unrealistischeres Szenario wohl kaum möglich scheint. Oder die Tatsache, dass sich Barkawi ebenso wie seine Leinwand-Kontrahenten vor allem als stilsicherer Ästhet entpuppt: Edel ergraute Haare, geschmackvolle Krawatten, ein Blick wie der verschollene Cousin von Alain Delon.

"War das wirklich nötig?", fragt der Präsident seinen Beschützer in einer der zahlreichen Haudrauf-Szenen. "Nein", erwidert jener trocken. Selbige Frage könnte man auch mit Blick auf das gesamte Werk stellen, die Antwort bliebe ebenfalls gleich, ergänzt durch ein "Aber dafür stylish."


Quelle: teleschau – der Mediendienst