Im letzten "Friesland"-Film war Maxim Mehmet als Henk Cassens noch der Neue an der Seite von Streifenpolizistin Süher Özlügül (Sophie Dal). Florian Lukas hatte die Reihe verlassen, und der Wechsel im Amt ging anschließend so reibungslos zustatten, wie die meisten das nach der letzten Bundestagswahl auch in Berlin erwartet hatten. Aber während Deutschland noch immer keine neue Regierung hat, sitzt Polizist Cassens schon fest im Sattel, so als würde er schon seit Jahren im ostfriesischen Leer seine Runden drehen. In seinem zweiten Fall, der auf den Namen "Schmutzige Deals" hört, stapft er schon wie ein alter Hase durch – nun ja, durch ziemlich unangenehme Gefilde.

Denn es wird ziemlich unappetitlich, und das nicht nur in geschäftlichen Dingen, wie der Filmtitel (Regie: Markus Sehr) nahelegt. Die Leiche, deren Ableben Özlügül und Cassens aufklären müssen, wird nämlich in einem Güllebecken gefunden. "Was für eine Scheiße", schimpft Kommissar Brockhorst (Felix Vörtler), und gibt damit schnell den humoristischen Unterton des Films vor: Gülle, Scheiße – haha. Immerhin aber macht Brockhorst, der seine Untergebenen schon mal als "Streifenhörchen" tituliert, das so schön boshaft-sarkastisch, dass man dem Drehbuch von Timo Berndt (der bereits für drei Filme der Reihe die Vorlage lieferte) die immer selben Witzchen verzeiht.

Schon vor dem Leichenfund geht's güllig zur Sache, als der Leichenwagen von Bestatter Wolfgang Habedank (Holger Stockhaus) von einem zunächst Unbekannten mit der stinkenden Jauche übergossen wird. Der nach eigenem Bekunden unterbeschäftigte Bestattungsunternehmer ist nämlich in etwas dubiose Geschäfte verwickelt und hat sich so Feinde gemacht im herbstlichen Leer. Auch Sühers Bruder Yunus (Yunus Cumartpay) steckt drin in dem Schlamassel, der im Güllebad gefundene Tote sowieso.

Gülle als lukrative Handelsware

Der Landwirt hatte aber noch ganz andere Probleme. Denn, so erfährt der landwirtschaftlich nicht vorgebildete Zuschauer: Die eklige Plörre, um die sich hier alles dreht, ist tatsächlich lukrative Handelsware. Da wird Gülle aus dem Ausland importiert, während die heimischen Bauern ihren Mist nicht mehr loswerden. Ob man das nun so im Detail wissen will, sei einmal dahingestellt. Einen auf seltsame Weise exotischen Rahmen für einen ansonsten ziemlich konventionell konstruierten Krimi geben die Kuh-Ausscheidungen dennoch ab.

Zumal sie der stets auch irgendwie in das Geschehen verwickelten Dorfapothekerin Insa Scherzinger (Theresa Underberg) einen großen Auftritt bescheren. Sie untersucht die durch ganz Ostfriesland schwappende Gülle auf Rückstände nach Antibiotika, um so herauszufinden, welche Kühe das nasse Grab des toten Bauern produziert haben. Dass Antibiotikarückstände doch zu etwas gut sind – wer hätte das vor diesem Film gedacht?


Quelle: teleschau – der Mediendienst