Der Film "Charlotte Link – Die letzte Spur", den das Erste nun zur Primetime wiederholt, startet als atmosphärischer Krimi, rutscht allerdings alsbald in die Belanglosigkeit ab.

Eine unscheinbare Frau irrt durch den Flughafen Heathrow. Sie ist völlig verzweifelt, ihr Flug wurde aufgrund eines Computer-Fehlers gestrichen, und sie sitzt fest. Eigentlich wollte Elaine Dawson (Anna Blomeier) am nächsten Tag zur Hochzeit ihrer Freundin Rosanna Hamilton (Jasmin Gerat) nach Gibraltar reisen und ihr das Hochzeitskleid bringen. Für das rothaarige Mauerblümchen sollte die Feier das Event des Jahres werden, welches sie auf keinen Fall verpassen wollte. Ein fremder Mann bietet ihr schließlich an, die Nacht bei ihm zu verbringen, um nicht am Flughafen warten zu müssen. Kurze Zeit später ist Elaine verschwunden – wie es scheint, für immer.

Drei Jahre nach Elaines Verschwinden kehrt Rosanna Hamilton von Gibraltar nach England zurück. Die Journalistin hat es noch nicht aufgegeben, ihre Freundin wiederzufinden. Sie stößt bei ihren Recherchen auf den gut aussehenden Anwalt Mark (sehr charmant: Barry Atsma), der Elaine als Letzter lebend gesehen hat. Er behauptet, sie nur bei sich aufgenommen zu haben, weil aufgrund des Computer-Fehlers alle Hotels in der Umgebung des Londoner Flughafens bereits ausgebucht gewesen seien. Doch ist Mark glaubwürdig? Oder hatte Elaine Dawson vielleicht einfach genug von ihrem tristen Leben und ist deshalb abgehauen?

Zur gleichen Zeit halten zwei brutale Morde Inspector Peter Fielder (William Houston) und dessen Kollegin Christy McMarrow (Sarah Quintrell) auf Trab. Ob Elaine Dawson etwas Ähnliches zugestoßen ist, wie den beiden toten Frauen? Leider wurde dieser zweite Handlungsstrang in der Verfilmung etwas stiefmütterlich behandelt, obwohl vor allem die zwei Polizisten optimal besetzt wurden. Die taffe Ermittlerin und der knurrige Inspector geben dem Ganzen etwas britische Coolness, die vor allem die Hauptfiguren leider zu oft vermissen lassen.

Spannung verliert sich zum Ende hin

Von menschlichen Abgründen und geheimnisvollen Beziehungen soll "Charlotte Link – Die letzte Spur" handeln, doch zu bald wird sich hauptsächlich auf die Beziehung zwischen Anwalt Mark und Journalistin Rosanna konzentriert. Rätselt man zu Beginn noch gerne, wie denn die verschiedenen Handlungsfäden zusammengehen, so verliert sich die Spannung zum Ende hin doch ganz erheblich, da zu schnell klar wird, was Sache ist.

Warum nur fällt es dem deutschen Fernsehen so schwer, eine ansprechende "Charlotte Link"-Reihe zu etablieren? Viel ist schon versucht worden, anfangs vom ZDF, von diesen Filmen zeigte die Autorin sich allerdings not amused. Ab 2006 nahm sich dann die ARD der Bücher an, doch so ganz hat man auch hier noch nicht den Dreh raus, wie man einer der erfolgreichsten deutschen Autorinnen der Gegenwart gerecht wird. Die Gesamtauflage ihrer Romane liegt immerhin bei über 20 Millionen Büchern.

Auch wenn "Die letzte Spur" vielleicht nicht zu Charlotte Links besten Krimis gehört, so hätte man doch noch einiges mehr herausholen können. Der Verfilmung fehlt eben der britische Anstrich, den die Bücher so schön vermitteln. Alles in allem hat Regisseur Andreas Herzog einen soliden Krimi abgeliefert – aber eben auch nicht mehr.


Quelle: teleschau – der Mediendienst