Am sonst so gediegenen Standort Schweiz geht es gleich drei Protagonisten zu Beginn von "Der Zürich-Krimi: Borchert und die letzte Hoffnung" schlecht. In Szene eins verstirbt eine junge Frau im Rettungswagen, gleich darauf bittet der schwer kranke Architekt Anton Schneider (Beat Marti) seine Frau Louise (Jenny Schily) um Sterbehilfe. Und Thomas Borchert (Christian Kohlund), Zürich-Heimkehrer und Anwalt ohne richtige Lizenz? Der hustet und schleppt den massigen Körper mit einer Grippe durch diesen neuen Fall.

Die Tochter des toten Architekten, der lange an Multipler Sklerose litt, will dessen behandelnden Arzt (Nicki von Tempelhoff) verklagen. Dem Patienten schien es zuletzt besser zu gehen. Woher kamen die plötzlichen Organschäden und Krämpfe? Borchert und seine junge Partnerin Dominique Kuster (Ina Paule Klink) wollen es herausfinden.

Für den in der Regel aus leichten Stoffen genähten "Donnerstags-Krimi" ist der dritte Borchert-Film schwer verdauliche Kost. In den ersten 45 Minuten wird – auch vom Ermittler – so viel gelitten, dass einem schon vom Zuschauen die ersten Symptome überkommen.

Wolf Jakoby, Stammautor des "Zürich-Krimis", lässt den Zuschauer in der der ersten Hälfte auf angenehm-unangenehme Art im Unklaren darüber, worauf dieser Fall hinausläuft. Ist es nur eine zutiefst verletzte Tochter, die den Todeswunsch des Vaters nicht akzeptieren kann? Oder steckt mehr hinter dem Verdacht, hinter dem Ableben des Familienoberhauptes stecke mehr als ein privates Drama. Leider dürfte aufmerksamen Zuschauern etwa ab Mitte der 90 Minuten klar werden, worauf das Ganze hinausläuft.

Immerhin: Der renommierte Regisseur Roland Suso Richter ("Die Spiegel-Affäre", "Mogadischu") sorgt für überdurchschnittlich hochwertige Bilder in diesem Donnerstags-Krimi, der das bescheidene Niveau des Sendeplatzes durchaus anhebt. Richter inszenierte auch den vierten Film der Reihe, "Borchert und die Macht der Gewohnheit", der am Donnerstag, 15. Februar, um 20.15 Uhr im Ersten zu sehen ist.

Christian Kohlunds "bluesige" Ermittlerfigur erinnert immer stärker an die lebenstraurigen, nicht mehr ganz jungen Ermittler klassischer Krimis der "Schwarzen Serie", die durch Autoren wie Raymond Chandler, Dashiell Hammett oder Schauspieler wie Humphrey Bogart vor 70, 80 Jahren populär wurden. Nicht die schlechteste Referenz für dunkle Geschichten, selbst wenn nasskalt verregnete Straßen in Zürich immer noch aufgeräumter wirken als anderswo.


Quelle: teleschau – der Mediendienst