"Ich schwöre, das ist meine letzte Geschäftsreise", verspricht der finnische Killer Petteri Salokangas (Lars Rudolph) seiner Frau am Telefon. Recht hat er. Denn wenige Minuten später ist Salokangas tot, erschossen von Lollo Sassen (Ruby O. Fee), bei der er eingebrochen und deren Gatten Alonzo er mit drei gezielten Schüssen getötet hat. "Geschäftsreise" – ein schöner Euphemismus.

Die Witwe selbst scheidet als Auftraggeberin des Mordes fürs Erste aus. Sie hat nichts vom Tod ihres Gatten. Der Grund: ein Ehevertrag – pro Tag bekommt sie gerade einmal 10 Euro zugesprochen. Also ganze 1630 Euro. Lange waren die beiden noch kein Paar.

Doch fangen wir mit den Verflechtungen dieses Falls an: Der Tote war kurz davor, der Stadt ein Museum für seine Kunstsammlung zu schenken. Ein möglicher Ort: der Steinbruch von Cleo Schröder (Elisabeth Baulitz). Sie und ihr Mann Martin (Sascha Alexander Geršak) sind ziemlich pleite, aber der alte Schulfreund von Cleo, Professor Ilja Bock (Niels Bormann), ist Vorsitzender der Jury, die über den Standort und den Architektur-Entwurf entscheidet.

"Versteh ich nicht"

Lollo wiederum hat früher als Tänzerin im Bordel "Chez Chériechen" gearbeitet, das Martins Bruder Fritjof, genannt "Fritte" (Andreas Döhler) gehört. Und der ist ausgerechnet der Vater von Bocks Assistentin Simone (Paula Kroh). Soweit alles klar? Keine Sorge: Selbst Kriminalhauptkommissarin Kira Dorn (Nora Tschirner) rutscht irgendwann ein "Versteh ich nicht" raus ob all der losen Enden. "Muss man wahrscheinlich dabei gewesen sein", entgegnet Lessing (Christian Ulmen) lapidar. Stimmt.

Als wäre das nicht genug der Verflechtungen, erlaubt sich "Der kalte Fritte" auch noch eine Art zweite Erzählung. Hier in der Hauptrolle: Udo Stich (Hermann Beyer), der Vater von Kommissariatsleiter Kurt Stich (Thorsten Merten). "Dauert's noch lang, Udo?", fragt Lollo, als sie sich, auf einer Luftmatratze durch ihren Pool treibend, ausgerechnet von diesem Udo malen lässt. Und das fragt sich leider auch der Zuschauer bei diesem Tatort so manches Mal.

Die Charaktere sind zum Schießen

Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Die Charaktere, die das Drehbuch von Murmel Clausen hier in die Weimarer Landschaft pinselt, sind zum Schießen, die Orte exquisit ausgewählt und die Szenen liebevoll gestaltet. Und wer sich nicht längst in Dorn und Lessing verliebt hat – oder sogar in Lupo, für die etwas weniger Experimentierfreudigen –, wird das spätestens im sechsten Fall des schnuckeligen Duos tun. Doch das geht "nur" gut eine Stunde so, dann nimmt dieser Fall plötzlich Fahrt auf und bekommt einige für Weimar ungewohnte Perspektiven verpasst. Mit dabei: einiges an Gewalt, einiges an Dramatik.

Dadurch gerät zwar die Balance dieses Falls ein wenig aus den Fugen, den weiteren Ermittlungen in Weimar – oder besser: dem, was drumherum so passiert – kann das nur guttun. Es will ja nicht jeder Tatort enden wie der in Münster.