Buddy-Movie meets Road-Movie meets schamlose Körperschau: Für "Magic Mike XXL" hatten sich Regisseur Gregory Jacobs und Produzent und Hauptdarsteller Channing Tatum 2015 einen bunten Mix ersonnen. Der soll vor allem Spaß machen – was zumindest teilweise auch funktioniert. Man spürt noch die Handschrift von Steven Soderbergh, der nach "Magic Mike" für die Fortsetzung vom Regiestuhl zur Kameraarbeit wechselte und obendrein erneut als ausführender Produzent tätig war. Seine Beteiligung erklärt auch die immer wieder auftauchende Kritik an den Schattenseiten des American Way of Life.

Denn, bei aller Liebe für die wirklich putzigen Herren, um die es hier geht: Für einen Film wie "Magic Mike XXL" wäre es – ebenso wie bei seinem Vorgänger – ratsam gewesen, sich festzulegen: entweder Sozialkritik oder hemmungslose Fleischbeschau. Wie schon der erste Teil schwirrt auch das Sequel zwischen beiden Optionen hin und her, wenn auch nicht mehr ganz so aufdringlich. Der Hinweis auf die prekäre finanzielle Lage der Männer ist zwar gut gemeint, geht aber inmitten der ständig zur Schau gestellten Prachtleiber und der brachial guten Strip-Show-Stimmung unter. Von diversen Penis-Diskussionen mal ganz zu schweigen.

Im Zentrum der Story steht erneut "Magic" Mike (Channing Tatum): Er hat sich nach dem Zerwürfnis mit seinem ehemaligen Boss Dallas (Matthew McConaughey war angeblich zu teuer für einen Auftritt im Sequel) aus der Stripper-Szene zurückgezogen. In Tampa, Florida, bemüht er sich, mit dem eigenen Handwerksbetrieb zu bestehen. Als seine Bühnen-Kumpels von früher auftauchen, reagiert Mike zunächst ablehnend. Doch dann entscheidet er spontan, die Jungs zu einer letzten großen Sause auf die Strip-Convention in Myrtle Beach zu begleiten.

Auf dem Weg dorthin begegnen sie Mikes alter Flamme Rome (Jada Pinkett Smith) und überzeugen sie, bei ihrem Auftritt als Ansagerin anzutreten. Ein Zwischenstopp im Haus der stinkreichen, geschiedenen Mrs. Davidson (Andie MacDowell) gerät sehr rührend: Denn Mike, Ken (Matt Bomer), "Big Dick" Richie (Joe Manganiello), Tito (Adam Rodriguez) und Tarzan (Wrestling-Star Kevin Nash) schaffen es, einer Riege älterer frustrierter Damen wieder Selbstvertrauen einzuflößen. Ganz nebenbei kommt Mike der schlagfertigen Fotografin Zoe (Amber Heard) näher.

Simulierter Geschlechtsverkehr

Die Dialoge im Film kommen mal stärker, mal schwächer daher: Wenn Alt-Stripper Tarzan vor versammelter Mannschaft anmerkt, dass er sein unstetes Leben sofort gegen das Dasein als liebender Familienvater eintauschen würde, wird einem schon warm ums Herz. Doch dann folgt gleich die Selbstbeweihräucherung der Jungs nach einem Abend mit glücklich betanzten Damen: "Wir sind Heiler, Mann!", ist da zu hören. Nun ja.

Eines muss man "Magic Mike XXL" lassen: Die Bühnen-Shows sind überwiegend erstklassig – wenn man auf testosteronstrotzende, durchtrainierte Männerkörper steht. Dabei sticht vor allem der immer noch extrem geschmeidige Channing Tatum hervor. Wer darauf nicht abfährt, dürfte sich bei den Auftritten mit simuliertem Geschlechtsverkehr eher fremdschämen.


Quelle: teleschau – der Mediendienst