Mit "Das Leben danach" haben Regisseurin Nicole Weegmann sowie die Drehbuchautoren Eva und Volker A. Zahn einen Film über die Spätfolgen des traumatischen Duisburger Loveparade-Unglücks von 2010 geschaffen. Besonders überzeugend: Hauptdarstellerin Jella Haase.

Am 24. Juli 2010 starben bei der Loveparade in Duisburg 21 Menschen. Weit über 500 wurden schwer verletzt. Ein Selbsthilfeverein berichtet von mindestens sechs späteren Suiziden, die mit traumatischen Erfahrungen aus dem Sommer 2010 in Verbindung gebracht werden. Menschen, die das Erlebnis, in einer Menschenmasse beinahe zerquetscht worden zu sein, oder die anderen beim Sterben zusahen, nicht überwinden konnten.

Antonia (Jella Haase, "Fack ju Göhte") ist eine solche Überlebende, die seitdem nichts mehr auf die Reihe kriegt und sich durch ihr Leben treiben lässt. Ohne Job und Ambition lebt sie noch bei ihrem Vater (Martin Brambach) und dessen Freundin (Christina Große). Sie hört Techno, raucht Zigaretten und starrt Löcher in die Luft. Als sie eines Nachts an der Gedenkstätte für die Opfer der Loveparade-Katastrophe randaliert, lernt sie Taxifahrer Sascha (Carlo Ljubek) kennen. Sie und der etwa 15 Jahre ältere Mann haben etwas gemeinsam: Beider Leben erfuhr in jenem Sommer vor sieben Jahren einen radikalen Bruch.

Sascha, so sagt er, war ebenfalls "mitten auf der Rampe". Damals, als der Zug der Techno-Fans in einen viel zu engen Tunnel getrieben wurde. Die zarte Annäherung scheint den beiden Überlebenden neuen Halt zu geben. Doch Antonias Hang zum Zerstören und zur Selbstzerstörung gefährden die Chance einer Heilung vom Sommer 2010.

Jella Haase degradiert Kollegen zu Randfiguren

"Das Leben danach" überzeugt mit der komplexen Zeichnung von Menschen, deren Wut und Trauer sich anders Bahn bricht, als man es in Trauma-Filmen schon öfter gesehen hat. Antonias Impulse sorgen immer wieder dafür, dass sie ihre Umwelt und sich auf perfide Art angreift. Offensichtlich heilsame Beziehungen und Chancen werden kaputt gemacht. Aus der Schuld heraus, überlebt zu haben.

Jella Haase spielt diesen Charakter mit beeindruckender Präsenz. So intensiv, dass hoch veranlagte Darsteller wie Martin Brambach oder der Hamburger Theaterstar Carlo Ljubek eher zu Nebenfiguren degradiert werden. Hier und da scheint das Drehbuch des Ehepaares Zahn, auch für die etwas künstliche 70er-Feminismus-Serie "Zarah – Wilde Jahre" im ZDF verantwortlich, ein wenig überambitioniert. Vielleicht will es in 90 Minuten ein paar verquere Wege der Traumabewältigung zu viel an den Zuschauer bringen. Dennoch ist "Das Leben danach" ein sehenswerter Film über gesellschaftlich wenig diskutierte Spätfolgen traumatischer Massenerlebnisse.


Quelle: teleschau – der Mediendienst