Wann ist ein Mann ein Mann? – Und wieviel Satire ist erlaubt? Die ZDF-Kabarettsendung "Mann, Sieber!" legt heute in Sachen "Hühnerstall" nach. Tut weh, ist lustig.

Keine Frage, Satire muss dorthin gehen, wo es wehtut. Sie muss den Finger in die Wunde legen, aktuelle Debatten mit Augenzwinkern, aber auch mit Biss aufgreifen und überspitzen. Satire darf fast alles. Das gilt erst recht in Zeiten von Shitstorms und allseitiger Blitzempörung. Und selbst wenn es mal ein Rohrkrepierer sein sollte: Nur nicht einknicken! – Die Devise ist alternativlos, wenn es darum geht, der Reflexhaftigkeit zu trotzen, von der heutzutage jeder ein Lied singen kann, der in der Öffentlichkeit steht und schon einmal mit so einem Fall plötzlich auftretender Kommentarspaltenwut konfrontiert war. Was auf dem Spiel steht, führt ein ziemlich treffsicherer Beitrag in der heutigen Ausgabe der ZDF-Sendung "Mann, Sieber!" (22.45 Uhr) überdeutlich vor Augen.

Der Clip entführt die Zuschauer ins Jahr 1984: Im Tonstudio müht sich ein juveniler "Herbert Grönemeyer", dargestellt von Tobias Mann, an seinem ersten großen Hit ab. Aber die Produzenten lassen kein gutes Haar am Text von "Männer". "Ist das nicht ein bisschen selbstherrlich und machomäßig?" Und: "Wo sind eigentlich die Frauen in deinem Lied?" – Immer wieder unterbrechen sie den immer verzweifelter werdenden Musiker mit derartigen Zurechtweisungen. Bis "Herbert" irgendwann zurückbrüllt: "Wenn Kinder singen: 'Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad' sind doch auch nicht alle Omas gemeint!" – Jeder weiß inzwischen, was 35 Jahre später von dieser vermeintlichen Selbstverständlichkeit zu halten ist.

"Satiriker haben es nicht leicht in diesen bekloppten Zeiten, in denen man die Realität fast nicht mehr zuspitzen kann", heißt es dazu im Begleittext der Agentur, die das Format "Mann, Sieber!" betreut. Der WDR, namentlich Intendant Tom Buhrow, habe "bei der '#Omagate-Affäre' nun eine völlig neue Herangehensweise an Satire etabliert: Sobald sich jemand beleidigt fühlt – einfach löschen und entschuldigen." Die beiden Kabarettisten Christoph Sieber und Tobias Mann, die ihren Clip bereits mit durchaus großer Resonanz auf Facebook geteilt haben, würden in der neuen Ausgabe der ZDF-Satireshow nur zeigen, "wie es denn ausgesehen haben könnte, wenn man schon in den 80er-Jahren die Buhrowsche Vorsicht bei satirischen Inhalten hätte walten lassen".

"Teile dieses Textes sind ironisch gemeint"

Dass den Anmerkungen der Agentur noch ein nüchterner "Sicherheitshinweis", nämlich: "Teile dieses Textes sind ironisch gemeint", hinterhergeschickt wird, spricht Bände. Der verzweifelte "Grönemeyer" hingegen lässt auf die finale Anmerkung seitens der Plattenfirma, er möge all das doch bitte noch einmal dem Justitiar vorlegen, vollends den Choleriker in sich raus: "Ihr seid doch vollkommen bekloppt. Singt euren Scheiß doch alleine. Oder lasst das die Nena singen!" – Na, hoffentlich kann die über so was lachen! "Mann, Sieber!" läuft am Dienstag, 4. Februar, 22.45 Uhr, im ZDF.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH