Eine attraktive Karriere-Frau – und das verführerische Angebot von gleich zwei Männern, die auch noch miteinander verwandt sind: Die SAT.1-Dienstagskomödie konstruiert eine kuriose Ausgangsproblematik, die im Film mit viel Charme gelöst wird.

Es ist eine dieser Zusammenkünfte, die ein latent beklemmendes Gefühl hinterlassen – weil sich so wenig seit der Schulzeit geändert hat und alle nur älter und dicker geworden sind. Mit ihrem zitronengelben, eng anliegenden Designer-Kleid muss Nicole (Katharina Müller-Elmau) wie ein Fremdkörper auf ihrem 25-jährigen Abiturtreffen irgendwo im Hinterland der großen Hauptstadt Berlin wirken. Fast wie magnetisch angezogen trifft sie mit dem ehemaligen Klassen-Sexgott Axel (Spitzname: "die Samenbank") zusammen. Und es fallen Sätze, wie man sie von solchen Party-Verlegenheiten kennt: "Hatten wir mal was miteinander?"

Es dauert nicht lange, dann landet Nicole in den Armen von Axel (Hendrik Duryn) – und weitet damit ihre Mittvierzigerinnen-Lebenskrise aus: Sein Sohn (Lucas Prisor) ist nämlich nicht nur ihr jugendlicher Liebhaber aus der Großstadt, sondern auch ihr neuer Vorgesetzter. Herauskommt eine romantische TV-Komödie, die weitaus weniger klischeehaft abläuft, als zu befürchten ist. Stattdessen erzählt der Film von Regisseur Holger Haase (Drehbuch: Sarah Schnier) sehr behutsam und mit Augenzwinkern vom tabuisierten Reiz-Thema Altern. SAT.1 zeigt "Mein Lover, sein Vater und ich!" (2013) als Wiederholung zur besten Sendezeit.

Die Cabrio-Fahrt aufs Land sollte für die erfolgreiche Mode-Managerin Nicole, die im Büro alle nur "Nicky" nennen, eigentlich befreiend wirken. Immerhin droht ihr gerade der Verlust ihres Traumjobs, weil sie sich mit ihren Bossen, zwei spätpubertierenden Gründern eines Online-Modeversands, angelegt hat. "Dotcom-Deppen" nennt sie die infantilen Eigner, die an ihr zwar gut verdienen, aber von Geschmack natürlich nichts verstehen. Allein schon wegen seines ebenfalls erheblich jüngeren Alters hat natürlich auch Sascha (Prisor), der Lover, den sie bis vor kurzem noch ziemlich kurz gehalten hat, plötzlich schlechte Karten. Und dann wird Sascha auch noch befördert – und Nicky vor die Nase gesetzt. Mit platten Sprüchen wie "Die 40-er sind die neuen 30-er", kann sich die Single-Karrierefrau nicht länger in die eigene Handtasche lügen.

Vermutlich umso verständlicher, dass sich Nicole in ihrer alten Heimat wie von Sinnen in ein wildes Abenteuer stürzt. Und doch merkt sie spätestens am nächsten Morgen, dass die viel größere Selbst-Prüfung erst noch bevorsteht: Wie schafft man es, in Würde etwas älter zu werden? Zunächst einmal muss sie allerdings verhindern, dass sich ihre beiden Bettgefährten – Vater und Sohn – nicht an die Gurgel gehen. "Mein Lover, sein Vater und ich!" ist eine Komödie, die ihre üblichen Verwirrungen braucht, um munter voranzuschreiten. Trotz aller Hektik ist es die heitere Gelassenheit, die Nicole nach und nach erlernt und von der man sich gerne anstecken lassen möchte.


Quelle: teleschau – der Mediendienst