Die da oben, also die Sonne, ist im Begriff zu sterben. Die anderen da oben, also die Mächtigen, schweigen dazu. In fünf Jahren wird die Erde, wie wir sie kennen, nicht mehr existieren. Fünf Jahre, bis die Menschheit ausgelöscht sein wird ... – Und die Geheimdienste setzen alles daran, dass niemand davon erfährt. Es ist ein ziemlich verschwörungstheoretisches Szenario, das die sechsteilige Mini-Serie "Hard Sun" aufmacht. Koproduziert wurde der britische Thriller von "Luther"-Schöpfer Neil Cross, der sich von David Bowies apokalyptischem Hit "Five Years" inspirieren ließ, von der BBC gemeinsam mit dem Streamingdienst Hulu – und dem ZDF. Das Zweite strahlt die hochspannende Armageddon-Serie in insgesamt drei Teilen aus.

"Es gibt einen seltsamen Trost, der in Geschichten über das Ende der Welt steckt. Aber ich denke, der Grund für diesen Trost findet sich weniger in der völligen Vernichtung, sondern eher in der Idee einer Veränderung": Neil Cross wird philosophisch, wenn er vom Apokalypse-Hintergrund seiner Serie "Hard Sun" spricht, die am Montag ihre TV-Premiere im ZDF feierte. Das philosophische an der Gewalt reizte den Autor bereits bei seiner außergewöhnlichen Cop-Serie "Luther". Dabei gibt sich auch "Hard Sun", inszeniert unter anderem von "Game of Thrones"-Regisseur Brian Kirk, zunächst als Krimi-Thriller.

Ein Computerhacker wird ermordet aufgefunden. Detective Chief Inspector Charlie Hicks, ein wenig konventionell von Jim Sturgess verkörpert, soll ermitteln – und bekommt dafür die Kollegin Detective Inspector Elaine Renko an die Seite gestellt, die vom herausragend taffen Ex-Topmodel Agyness Dey gespielt wird. Durch einen Zufall finden die beiden bei den Ermittlungen einen geheimnisvollen USB-Stick, der brisante Daten enthält. Wobei, brisant ist untertrieben: Die Informationen verweisen auf ein Ereignis namens "Hard Sun", demzufolge die Sonne ihrem Ende entgegensieht und die Erde in fünf Jahren unbewohnbar sein wird.

Um Chaos und Anarchie zu verhindern, hier wird es verschwörungstheoretisch, soll davon niemand erfahren. Der britische Geheimdienst MI5 setzt alles daran, dass die Öffentlichkeit keinen Wind vom drohenden Weltuntergang bekommt. Jeder, der davon erfährt, wird eliminiert. Es beginnt eine hochspannende und ziemlich blutig-brutal inszenierte Jagd auf die beiden Ermittler, die aufgrund ihrer Familien, psychischen Probleme und Affären leicht erpressbar sind. Hauptjägerin ist die MI5-Agentin Grace Morrigan (Nikki Amuka Bird), die ausführlich in den persönlichen Geschichten des Duos wühlt.

Das Gerücht ist in der Welt

Neil Cross packt seine Mini-Serie so voll, wie es andere Serien in mehreren Staffeln kaum schaffen. So wirklich interessant wird "Hard Sun" erst, nachdem Teile der Daten an die Presse geleakt und von Journalist Will Benedetti (Ukwell Roach) im Netz veröffentlicht werden. Dem Geheimdienst gelingt es zwar, die Informationen als Falschmeldung von Verrückten darzustellen – doch das Gerücht ist in der Welt. Ein Fest für Verschwörungstheoretiker, Sekten und sonstige Verrückte, die im Angesicht des Untergangs morden und wüten wie sie wollen.

Die große Frage, die "Hard Sun" stellt: Gehen Menschlichkeit, Moral und Empathie zugrunde, wenn ohnehin bald alles vorbei ist? Spielt es überhaupt eine Rolle, ob man jemanden belügt, betrügt, tötet, wenn die Erde dem Untergang geweiht ist? Ein wenig mehr hätte man sich eine Vertiefung der philosophischen Ansätze gewünscht, ganz im Sinne von David Bowies "Five Years", das als Vorlage wie Soundtrack dient. Doch bleibt "Hard Sun" in erster Linie ein actionreicher Thriller, mit dem das ZDF mal etwas wagt. Sogar die oft gewünschte Auswahl zwischen Synchron-Ton und englischem Original.

Der zweite Teil der insgesamt sechs Episoden umfassenden Serie wird am Sonntag, 22. April, 22 Uhr, ausgestrahlt. Teil drei am Montag, 23. April, 22.15 Uhr.


Quelle: teleschau – der Mediendienst