Männer, die trinken, sind in der Öffentlichkeit öfter zu sehen. Trinkende Frauen hingegen kaum. Doch bei der verteufelten Alkoholsucht haben die Frauen mit den Männern inzwischen gleichgezogen. Der Unterschied: Sie trinken vor allem heimlich.

Die Sucht bleibt eine Volkskrankheit: Allein in Deutschland konsumieren 9,5 Millionen Menschen Alkohol in schädlicher Menge. 1,3 Millionen gelten als abhängig. Vor allem erschienen bislang die Männer Bier, Wein und dem Schnaps zugetan. Das Bild entstand, auch weil Männer öfters in der Öffentlichkeit etwa vor Kiosken oder in Parkanlegen trinken. Doch inzwischen haben die Frauen gleichgezogen. Sie jedoch konsumieren eher heimlich im Verborgenen. Das berge ganz eigene Gefahren, wie im Film "Mein stiller Freund" von Walter Krieg zu sehen ist. Im Zweiten läuft er nun im Rahmen von "37°".

Die Frauen Claudia aus der Nähe von Düsseldorf und Jacqueline aus Usedom sind es, die sich in Kriegs aufwühlender Reportage mit ihrer Lebens- und Alkoholgeschichte mutig der Kamera stellen. Beide eint, dass sie beruflich erfolgreich sind: Claudia als Vertriebsdirektorin in der Kosmetikindustrie, Jacqueline als Erzieherin. Sie verbindet aber auch eine Art Einsamkeit. Claudia war beruflich oft unterwegs und fand in den Minibars der Hotelzimmer was sie brauchte. Jacqueline tröstete sich in der Zeit, während ihr Mann bis zu 14 Tage am Stück bei der Arbeit war, mit Wein. Sechs Flaschen waren es zuletzt – täglich.

Als letzter Ausweg blieb ihnen nur noch jeweils der Gang in die Therapieeinrichtung. Jacqueline hat ihren monatelangen Klinikaufenthalt hinter sich. Seit gut drei Jahren ist sie trocken. Claudia hingegen hat schon mehrmals versucht, vom Trinken wegzukommen. Doch wenn sie wieder einmal einsam ist, rief der vermeintliche "Freund" aus der Flasche immer wieder.


Quelle: teleschau – der Mediendienst