Ein Psychopath, den Julia Durant selbst hinter Gitter gebracht hat, scheint bei einem neuen Mordfall seine Hände im Spiel zu haben. Ist das überhaupt möglich?

Diese Rückkehr hatten sich die Programmverantwortlichen bei SAT.1 sicher anders vorgestellt. Nachdem die "Julia Durant"-Krimireihe im Dezember vergangenen Jahres noch mit ordentlichen Quoten vor 2,65 Millionen Zuschauern debütierte, ging es bei der Wiederaufnahme der Geschichte um die ehrgeizige Profilerin in den Quotenkeller. Nur noch knapp über die Hälfte, nämlich 1,4 Millionen Krimifans, verfolgten im Oktober die Ausstrahlung des neuen Falls mit. Nun folgt schon die nächste Verfilmung nach einem Bestseller von Autor Andreas Franz. Im aktuellen Film "Mörderische Tage" wird Julia Durant (Sandra Borgmann) von ihrer Vergangenheit eingeholt.

An einer Brücke in Frankfurt, über die die Ermittlerin noch kurz zuvor ahnungslos gejoggt war, baumelt eine Frauenleiche. Aufgeknöpft an einem Seil, zugeknotet mit dem Schmetterlingsknoten und eingerieben mit Rosenöl – alles an der Toten erinnert Durant an einen alten Fall. Den Serienmörder Dietmar Gernot (Bernd Hölscher) hatte sie einst selbst überführt und hinter Gitter gebracht. Dennoch deutet alles darauf hin, dass er seine Finger im Spiel hatte, noch dazu, weil er sich im Verhör rätselhaft gibt: "Der Teufel ist nicht mehr in der Hölle, er ist jetzt überall." Beeinflusst der Psychopath etwa aus dem Gefängnis heraus einen Mittelsmann? Oder treibt ein Nachahmer sein Unwesen?

Als wenig später eine Vermisste wieder auftaucht, erhoffen sich Durant und ihre Kollegen Schulz (Guido Broscheit) und Dombrowski (Eric Stehfest) eine vielversprechende Spur. Doch die junge Frau ist nicht ansprechbar, sondern vollkommen verstört und stirbt nach einem Kollaps ihres Nervensystems. Die Diagnose der Rechtsmedizinerin Elif (Ilknur Boyraz) verheißt nichts Gutes. Die sogenannte "Weiße Folter", also perfider Psychoterror ohne körperliche Verletzungen, sei die Todesursache. Das bestätigt auch der Uni-Dozent Dr. Thomas Holzer (Sebastian Zimmler), der die Task Force unterstützt. Als auch noch eine Lektorin verschwindet, nährt sich in Julia Durant ein dunkler Verdacht: Ist womöglich sie der Grund für die Entführungsserie?

Ähnlich wie im vorangegangen "Julia Durant"-Film "Kaltes Blut" beweist auch die Fortsetzung ein Händchen für Bildgestaltung. Die Verhörszenen der Ermittlerin mit Gernot vermögen es, die Enge des muffigen und dunklen Verhörraums auf den Zuschauer überspringen zu lassen. Atmosphärisch stark und nicht minder beklemmend sind die Einstellungen in dem Betonverlies, wo der Täter seine Opfer festhält – gequält mit Lichtblitzen, die sie wie ein Häufchen Elend zurücklassen. Musikalisch stimmungsvoll untermalt ist das Ganze mit bedrohlich wabernden Bässen.

Von den Schauspielern tut sich besonders Bernd Hölscher hervor. Bisher fast ausschließlich als Theaterakteur in Erscheinung getreten, hinterlässt er als psychopathischer, wenngleich intelligenter Serienmörder nachhaltigen Eindruck. Das Drehbuch von Andreas Bareiss und Kai-Uwe Hasenheit hat seine Höhepunkte, etwa das nervenzehrende Finale. Insgesamt ist die Story jedoch recht simpel gestrickt, und auch die vermeintlich große Wendung am Ende kommt wenig überraschend. Trotzdem: Wegen des hohen ästhetischen Anspruches sticht der Film aus der Masse deutscher TV-Krimis heraus. Und Stoff für weitere Adaptionen bietet die Buchreihe von Andreas Franz mit 19 Bänden weitaus genug. Jetzt müssten nur noch die Quoten stimmen.


Quelle: teleschau – der Mediendienst