In der neuen US-Crime-Serie "Bull" sagt ein Psychologe voraus, wie Geschworene sich entscheiden werden. Hauptdarsteller der Reihe ist Ex-"Navy CIS"-Star Michael Weatherly.

Ein genervtes und langgezogenes "Jaaa, Dr. Phil" ist ein gern verwendeter Ausspruch, wenn ein Besserwisser mal wieder zu einem Belehr-Monolog ansetzt. Er geht in den USA zurück auf "Dr. Phil" McGraw. Der Psychologe gilt als TV-Ikone und berät in einer eigenen Show Menschen in allen Lebenslagen – oftmals allerdings mit Weisheiten aus der Westentasche. So viel Selbstbewusstsein muss sein. Wie beinahe überbordend die Hybris bei "Dr. Phil" ausgeprägt wohl ist, zeigt die neue Crime-Serie "Bull", die nun bei SAT.1 startet. McGraw hat sie sich in Zusammenarbeit mit Paul Attanasio ("Dr. House") um sein eigenes Leben gezimmert. Es geht also semi-autobiografisch um sein Schaffen, bevor er zu einem der "Greatest Americans", so der Titel eines TV-Rankings von 2005 , wurde. McGraw arbeitete als trial consultant. Er war Berater für Gerichtsprozesse.

In der Rolle von Dr. Jason Bull ist Michael Weatherly zu sehen. Der ehemalige "Navy CIS"-Sympathieträger leitet ein Spezialisten-Team an, das bei Gerichtsprozessen die Jury-Mitglieder analysiert. Psychologische Profile sollen vorgeben, wie sie sich in Bezug auf den Angeklagten entscheiden werden.

Freilich ist es in der Pilotfolge "Die Halskette" McGraw, nein, Bull höchstselbst der alle Beteiligten in einem Mordfall an einer jungen Frau durchschaut und geschickt wie bei einem Schachspiel zu eigenen Zwecken platziert. Der Psycho-Spezialist wird so zu einer beinahe übermächtigen Hauptfigur, die sowieso alles zu wissen scheint. Ihm fehlt dabei allerdings die Anarcho-Sympathie etwa eines "Dr. House". Vielmehr erinnert er öfter an einen kaum glaubwürdigen Alleswisser wie Dr. Cal Lightman (Tim Roth) aus "Lie to Me". In der Serie kann ihm kein Lügner oder auch nur irgendjemand etwas vormachen.

Zweite Staffel kommt

Trotz einiger inhaltlicher Defizite und eine zu eindeutig positive Positionierung des Hauptcharakters gelang "Bull" beim US-Network CBS ein sehenswerter Start. Rasch wurde die erste Staffel von 13 auf 22 Folgen verlängert. Ein zweiter Durchgang ist bereits unter Dach und Fach.

Vor der Free-TV-Premiere von "Bull" meldet sich auch der Quoten-Garant "Navy CIS" mit neuen Folgen zurück. SAT.1 komplettiert ab 20.15 Uhr die noch ausstehenden 16 Episoden der 14. Staffel. In dieser ist Michael Weatherly als Special Agent Tony DiNozzo schon nicht mehr zu sehen. Er verließ die erneut als meistgesehenen Serie der Welt ausgezeichnete Hit-Produktion auf eigenen Wunsch. Oder weil er eben "Bull" werden wollte.


Quelle: teleschau – der Mediendienst