Für ihre angeblich "unterirdische Berichterstattung" zum Thema Rassismus werden die Polit-Talkshows "Hart aber fair", "maischberger", "maybrit illner"  und "anne Will" mit einem Anti-Preis ausgezeichnet.

Bei Preisverleihungen knallen normalerweise die Champagner-Korken. Bei der "Goldenen Kartoffel" wird es bei den Machern im öffentlich-rechtlichen Fernsehen saure Mienen geben. Denn die "Goldene Kartoffel", zum zweiten Mal verliehen von den "Neuen deutschen MedienmacherInnen" (NdM), ist ein Anti-Preis – es werden journalistische Minderleistungen "ausgezeichnet".

Laut "NdM" geht der "Preis für besonders unterirdische Berichterstattung an Medien oder JournalistInnen, die ein verzerrtes Bild vom Zusammenleben im Einwanderungsland Deutschland zeichnen oder an Sendungen und Formate, die Probleme und Konflikte immer wieder grob überzeichnen, Vorurteile verfestigen und gegen journalistische Standards verstoßen." Gemäß dieser Kriterien hätten sich alle vier politischen Formate des öffentlich-rechtlichen Fernsehens "seit Jahren" für die Auszeichnung qualifiziert. So entschied die Jury, bestehend aus dem ehrenamtlichen Vorstand des Vereins unter der Führung der Jury-Vorsitzenden Sheila Mysorekar.

Die Jury wirft den vier politischen Talksendungen in ihrer Begründung vor, den im Programmauftrag enthaltenen Bildungsauftrag ungenügend umzusetzen. Den Formaten gelänge es nicht, "tiefergehend zu informieren, vielfältige Perspektiven einzubinden und Ressentiments abzubauen". Stattdessen werde "hier Rassismus behandelt wie jeder andere Standpunkt auch."

Die Ankündigungen, so die Jury, seien "oft reißerisch und mit plumpen Fragen versehen ("Heimat Deutschland – nur für Deutsche oder offen für alle?", "Bürger verunsichert – Wie umgehen mit kriminellen Zuwanderern?"). Die Inhalte "förderten oft Klischees, statt sie abzubauen". Die Sendungen zu den Themen rund um Migration, Geflüchtete und Islam zeichneten sich durch "Vorurteile und Panikmache" aus.

Zudem sei die Gästeauswahl diskriminierend, der Diversitätsmangel in vielen Sendungen bestechend: "Besonders auffällig ist die Abwesenheit von Schwarzen Menschen und People of Color, die sich – wenn überhaupt – oft nur in Sendungen zu Migrationsthemen wiederfinden, als würden Themen wie Rente, Pflege, Klima usw. einen erheblichen Teil der Gesellschaft nicht betreffen." Dabei müsse gelten: "Ein Viertel der Bevölkerung hat einen Migrationshintergrund – das sollte sich überall widerspiegeln."

"Diese Goldene Kartoffel ist ein Fall enttäuschter Liebe", erklärte Sheila Mysorekar. "Der öffentlich-rechtliche Rundfunk sollte sich an alle BürgerInnen richten – er wird ja auch von allen bezahlt. Wenn aber ausgerechnet die Talkshows unserer ARD und unseres ZDFs Rechtsradikalen und Rassisten immer wieder Sendezeit schenken, hingegen nur selten ernstzunehmende Vertreter und Vertreterinnen ethnischer und religiöser Minderheiten einladen, dann werden sie ihrem Auftrag nicht gerecht."

Die "Goldene Kartoffel" wird am 2. November im Rahmen der Bundeskonferenz des "Neuen Deutschen Medienmacher" in Berlin verliehen. Der Verein ist ein "bundesweiter unabhängiger Zusammenschluss von JournalistInnen mit und ohne Migrationsgeschichte" und tritt "für eine ausgewogene Berichterstattung ein, die das Einwanderungsland Deutschland adäquat wiedergibt".


Quelle: teleschau – der Mediendienst