Zumindest hat Johannes Strate sie auf Ideen gebracht. Der sonst so harmlos daherkommende Revolverheld-Frontmann performte in Folge sechs von "Sing meinen Song – Das Tauschkonzert" Leslie Clios Song "Damage Done" dröhnend und fast schon in Heavy Metal-Manier grölend. Da überlegte die Sängerin lautstark, ob sie nicht lieber ins Rock-Genre wechseln sollte. "Ich schau ja immer, wo die Reise als nächstes hingehen soll." Hoffentlich bleibt sie aber erst einmal bei ihrem souligen Pop, der sie mit Singles wie "I Couldn't Care Less" und "Told You So" berühmt machte.

Die Leslie kann nämlich singen, ihre Stimme ist unverwechselbar. Rea Garvey verglich sie zu Recht mit der großen, wenn auch natürlich selbst für eine Leslie Clio unerreichbaren Amy Winehouse: "Deine Stimme hat genauso viel Seele." Winehouse machte bis zu ihrem viel zu frühen Tod Soul und aus tiefstem Herzen herausgepressten Weltschmerz wieder cool. Ausgerechnet die trockene Hamburgerin Leslie Clio tritt heute in diese Fußstapfen. Wenn auch etwas flockiger, etwas mehr mit Käppi schräg auf dem Kopf beim Performen.

"Ich habe nebenbei gekellnert wie blöde"

Tatsächlich scheint sich diese Sängerin lange gesucht zu haben. Nach dem Abi unternahm sie erst einmal eine Weltreise, erzählte sie bei "Sing meinen Song". Nach ihrem zweiten Album, 2015, ging sie für vier Monate nach Hawaii, weil: "Is geil da." Erst mit 24 zog Clio nach Berlin, um dort ihre Musik zu machen. Dann aber dafür volle Kanne. "Ich habe nebenbei gekellnert wie blöde, war tagsüber im Studio und habe nachts gearbeitet", erinnert die heute 31-Jährige sich an die Zeit, als sie ihr erstes Album aufnahm. Das haben sie auf der "Sing meinen Song"-Couch alle gemeinsam. Sie haben sich in der Anfangszeit ihrer Karriere reingehängt und für sehr wenig Geld sehr viel gearbeitet.

Langsam ähnelt es einem Sozialexperiment à la Dschungelcamp

Das schafft natürlich Verbundenheit unter den Künstlern, die hier von VOX nach Südafrika in den von der Kamera begleiteten Urlaub geschickt werden. Die ähneln mittlerweile immer mehr einem neuen Sozialexperiment à la Dschungelcamp für Intellektuelle, wenn die Kamera sie nach den mittlerweile fünf abgedrehten Folgen beim Billardspielen oder am Strand beobachtet. Abends gibt's dann Wein und tiefgründige Gespräche über die Berufswahl. "Es ist schön, wenn man sein Calling kennt", sagte Clio.

Nennen wir es Berufung. Die hat die zierliche Leslie Clio definitiv gefunden. Jede Woche nimmt sie Gesangsunterricht, sagte sie bei "Sing meinen Song" – um wie ein Sportler ihren Körper zum Singen zu trainieren. Mit ihrer neuen Single "Rumours" bleibt sie ihrem Stil treu. Die Konfetti-Kanone für den besten Song des Abends hat aber Johannes Strate von ihr bekommen, dafür, dass er ihren Soulpop zu Rock gemacht hat. Mal sehen, was bei der Clio als Nächstes kommt.